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Samstag, 24. Februar 2018

Anima - Saxophonwerke von Arvo Pärt

Intensiv


Label/Verlag: col legno
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Alea Saxophone Quartet versammelt erstmals alle Werke Arvo Pärts dieser Quartett-Besetzung auf einer CD, raumgreifend und mit viel Verständnis für dessen einzigartige musikalische Sprache.

Feuer, Leidenschaft, Herzschmerz – all das und vieles mehr lässt sich im ersten Moment mit dem Saxophon assoziieren, doch stets sind starke Emotionen im Spiel. Der estnische Komponist Arvo Pärt (*1935) fand hingegen seinen ganz eigenen Zugang zu diesem Instrument, indem er es in sein eigenes Kompositionsprinzip, für das sich der Begriff ‚TintinnabulIi‘ (lat. für Glöckchen) eingebürgert hat, integrierte. Als Visionär einer modernen Klangsprache hat er seine ganz eigenen Vorstellungen von den Möglichkeiten, die das Saxophon bietet.

Gianpaolo Antongirolami und die restlichen Mitglieder des Alea Saxophone Quartets, Roberto Micarelli, Luca Mora und Gabriele Giampaoletti, versammeln auf der bei col-legno erschienen CD ‚Anima‘ sämtliche Werke Arvo Pärts, die es bislang für Saxophon-Quartett gibt. Den Grundstein für dieses Projekt legte der Komponist selbst, als er im Jahr 2009 Quartett-Versionen von 'Summa' (1977) und 'Da pacem Domine' (2004) veröffentlichte. Davon inspiriert bearbeitete Antongirolami selbst drei Werke Pärts für diese Besetzung. Vom Komponisten persönlich für gut befunden, sind sie nun auf dem vorliegenden Album als Weltersteinspielung zu hören. Alle der insgesamt acht enthaltenen Titel sind Transkriptionen bereits existierender Kompositionen Pärts.

Das Gesamtwerk ist trotz Pärts minimalistischen Ansatzes atmosphärisch dicht und raumgreifend. Den Regeln des Tintinnabuli folgend bestehen die Quartette aus Melodie- und sogenannten Tintinnabuli-Stimmen, die auf Tonleitern und Dreiklängen basieren. Die Stimmverteilung variiert von Werk zu Werk und lässt trotz gleichbleibender Besetzung stets neue Klangwelten entstehen. In den meisten Fällen liegt der Melodiestimme eine Textvorlage zugrunde, nach der sie sich streng richtet. Wie fließend die Grenze zwischen vokaler und instrumentaler Musik ist, wird deutlich, wenn man beispielsweise das als Vokalwerk 'Magnificat' (1989/2015), eines der meistaufgeführten Chorwerke Pärts, mit seiner Saxophonversion vergleicht. In dieser spielt das Ensemble mit überaus feinen dynamischen Nuancen und arbeitet klare Strukturen aus der kontemplativen, nach innen gewandten Musik heraus. Trotz aller polyphonen Verschlingungen wirkt die Fassung bemerkenswert durchsichtig.

Auch in 'Summa' (1977/2009) macht es das Alea Saxophone Quartet möglich, die vielen Schichten - sprich: Stimmen - im Spiel transparent zu gestalten, so dass man ihnen leicht folgen kann. Die langsame, aber stetige Entwicklung folgt dabei einem genau durchdachten musikalischen Bogen. Das Element der Wiederholung kreiert allgemein eine meditative Wirkung in Pärts Musik. Damit das Gesamterlebnis nicht einschläfert, sind eben solche wohl überlegte Phrasierungen essentiell, wie sie das Quartett hier vorgibt.

Pärts Werke haben eine immense innere Spannung. Seine Musik verdichtet sich und erzeugt wechselweise starke Intensität, ohne dabei auf große Effekte zurückzugreifen. Das gelingt einem Ensemble nur, wenn wie bei 'Pari intervallo' (1976/2015) alle Beteiligten wissen, wohin die Reise gehen soll und sie ihre Instrumente genau kennen. 'Psalom' (1985/2015) demonstriert, wie präzise die vier Musiker zusammenarbeiten. Ihre die Musik unterteilenden zahlreichen Ein- und Absätze erfolgen immer punktgenau.

Spieltechnisch besticht das Quartett mit seinem warmen Klang und dem zarten Ansatz, der die Musik schwerelos im Raum schweben lässt. Die wunderbaren Aufnahmen entstanden in der Chiesa di San Silvestro Papa; ihr dezenter Hall mischt sich angenehm unter die sanften Saxophonklänge.

Die Bearbeitungen für die Saxophonquartett-Besetzung bieten eine neue Perspektive auf zum Teil gut bekannte Werke Arvo Pärts. Der Zauber seiner Musik liegt irgendwo zwischen Tonleiter und Dreiklang, strenger Durchkomposition und frei schwebendem Klang. Das Alea Saxophone Quartet begegnet dieser Musik mit viel Einfühlungsvermögen und erzeugt auch mit leisen Tönen eine fesselnde Spannung.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Anima: Saxophonwerke von Arvo Pärt

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
col legno
1
13.10.2017
47:57
2016
EAN:

9120031341550


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Pärt, Arvo


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col legno

col legno bedeutet "mit dem Holz". Jeder Streicher weiß, was zu tun ist, wenn er diese Spielanweisung in seinen Noten liest: Er nimmt den Bogen, dreht ihn um und schlägt mit dem Holz auf die Saiten. Einst unerhört! Heute noch überraschend. Mit dieser spielerischen Offenheit dem Instrument gegenüber wurde die Klangvielfalt erweitert. Dieselbe Offenheit widmet col legno der Musik.

col legno veröffentlicht Neue Musik - umfassend und zeitgemäß. Das Label steht für die Vielseitigkeit der Gegenwart und aufregende Interpretationen von Musik der Vergangenheit. Unsere Hörer haben viel mit uns gemein: Sie heißen Neues willkommen, wechseln Perspektiven, genießen eine Prise Humor und lieben das Kribbeln beim Genuss kreativer Inspiration.

Die künstlerische Leitung des Labels wurde 2005 von Andreas Schett und Gustav Kuhn übernommen. Unter ihrer Führung hat sich der Katalog kontinuierlich und in klaren Zügen erweitert.

col legno nutzt die jeweils für die Produktionen optimalen Tonträger und Formate - von der CD über Multichannel Medien bis hin zu gänzlich neuen Entwicklungen. Dabei bieten wir unseren Hörern immer "state-of-the-art" Technik und beste Audioqualität.

col legno - new colors of music


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