> > > Kodaly, Zoltan: Cellowerke
Mittwoch, 26. September 2018

Kodaly, Zoltan - Cellowerke

Ungarisches mit Herz und Verstand


Label/Verlag: Brilliant classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Werke von Zoltán Kodály sind immer noch und vor allem eine Herzensangelegenheit seiner ungarischen Landsleute, was auch für die ungarischen Cellisten gilt.

Im Jahr 2010 war die ungarische Stadt Pécs europäische Kulturhauptstadt. Eine solche Auszeichnung führt in der Regel dazu, dass im Vorfeld einiges getan wird, um die Ehrung durch besondere Aktivitäten zu rechtfertigen. In Pécs z.B. baute man ein neues Auditorium und nannte es das Kodály-Centre, eine moderne Konzerthalle mit hochgelobter Akustik. So passte es gut, daß István Várdai und Klára Würtz die Aufnahme der Cellowerke im Saal des Namensgebers vornahmen.

In Ungarn ist Kodály populär und allgegenwärtig, mehr als durch seine Kompositionen aber durch seine Methode der musikalischen Erziehung, nach der in Ungarn seit den vierziger Jahren jedes Kind zum Singen gebracht wird. Noch wichtiger ist seine Erforschung der originären ungarischen Volksmusik, die er seit Beginn des 20 Jahrhunderts zusammen mit seinem Freund und Kollegen Béla Bartók unternahm. Beiden wurde es zu einem erfolgreichen Anliegen, Grundelemente des ungarischen in ihren Kompositionen zu verarbeiten. Kodály erprobte die gemachten Erfahrungen gleich in seiner Kammermusik. Neben den Streichquartetten ragen da besonders die Werke für Violoncello heraus – nahezu alle hier von István Várdai eingespielt. Várdai hat seit beinahe zehn Jahren eine ganze Reihe wichtiger Cello-Wettbewerbe gewonnen, weshalb man denn auch an die hier vorliegenden Aufnahmen höchste Ansprüche stellen kann. Um es gleich vorweg zu sagen: Der junge ungarische Cellist erfüllt die Erwartungen auf das schönste.

Die Reihenfolge auf der CD ist klug zusammengestellt: Die ‚kleineren‘ Werke werden eingerahmt von den beiden Hauptwerken, beginnend mit der Solosonate op. 8, entstanden 1915. Vom ersten Ton an zieht István Várdai den Zuhörer in seinen Bann. Er spielt intensiv, aber ohne Überdruck, er kostet jede Fermate aus, ohne den Gesamtfluss zu stören, er legt Bedeutung auf die Hungarismen: Die Betonung der kurzen Note auf Schlag eins im Takt, die typischen Verzierungen wie der Pralltriller oder die pentatonischen Läufe – alles ist deutlich wahrnehmbar, ohne überstrapaziert zu werden. Er variiert das Tempo, beachtet dabei genauestens alle dynamischen Anweisungen, schafft Höhepunkte und stille Momente – kurz: Er erzählt dem Hörer eine Geschichte, der man gern folgt. Zu genießen ist bei alledem die klangliche Schönheit seines Instruments, ein Montagnana-Cello, das allen technischen Herausforderungen wie selbstverständlich meistert – man höre nur den vollen, runden Klang der zahlreichen Pizzicati.

Der zweite Schwerpunkt der CD ist nicht minder faszinierend: die Cellosonate op. 4, die Várdai mit der Pianistin Klára Würtz aufgenommen hat. Cello und Klavier bilden klangliche Gegensätze und ergänzen sich doch. Während Várdai seinen warmen, weit schwingenden Ton und Gestus beibehält (viele Stellen sind mit ‚molto espressivo‘ bezeichnet), stellt Klára Würtz dem einen glasklaren Ton entgegen, an den Klang des ungarischen Zymbal erinnernd. Das Pedal wird, wenn überhaupt, nur äußerst sparsam eingesetzt. Die unterschiedliche Spielweise schafft eine Fülle von Ausdrucksmöglichkeiten, ganz besonders im ersten Satz, der 'Fantasia'. Der lebhafte Schlusssatz spielt mit Volksliedmotiven, wobei das Wort ‚spielt‘ hier im Vordergrund steht: Cello und Klavier nutzen alle Möglichkeiten des Miteinander, Gegeneinander, des sich Jagens und Einfangens, und man bekommt als Hörer mit, welch eine diebische Freude die beiden Musiker dabei empfinden. An dieser Stelle freut man sich, dass die Klangbalance zwischen den Instrumenten stimmt und das Cello kein einziges Mal – auch nicht in der Tiefe – vom Klavier übertönt wird, obwohl Klára Würtz sich wahrlich nicht zurückhält.

Die beiden Hauptwerke bilden den Rahmen für drei weitere Stücke. Da ist einmal die einsätzige Sonatine für Cello und Klavier, die Kódaly ursprünglich als ersten Satz für die Sonate verwenden wollte. Allerdings merkte er schnell, dass er elf Jahre nach der Komposition der Sonate, die 1909/10 entstanden war, nicht mehr zum Stil von damals zurückfand, so dass er den Satz als Sonatine stehenließ. Seine Einschätzung lässt sich mühelos nachvollziehen, denn vor allem im Klavier klingt deutlich der Einfluss von Debussy an, dessen Werke er inzwischen in Frankreich kennengelernt hatte. Ergänzt wird die CD noch durch das 'Capriccio', das ebenfalls aus dem Jahren der Kammermusik stammt und mit technischen Schwierigkeiten glänzt, allen voran Doppelgriffe und Oktavengänge. Und dann steht da noch die Aufnahme des 'Adagio', eines Stücks mit Klavierbegleitung, das Kódaly zunächst für die Geige geschrieben hat, dann aber auch für Cello und für die Bratsche bearbeitet. Das 1905 entstandene Werk zeigt überwiegend spätromantische Züge und ist in Bezug auf Kódaly vor allem entwicklungsgeschichtlich interessant, denn das Stück entstand vor seinen volkskundlichen Reisen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Kodaly, Zoltan: Cellowerke

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Brilliant classics
1
03.11.2017
EAN:

5028421955742


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