> > > Alfabeto Falso: Werke von Foscarini, Kapsberger, Piccinini, de Murcia u.a.
Samstag, 6. März 2021

Alfabeto Falso - Werke von Foscarini, Kapsberger, Piccinini, de Murcia u.a.

Chiffren


Label/Verlag: Arcana
Detailinformationen zum besprochenen Titel


I Bassifondi vernachlässigen keinesfalls das Zarte, Zerbrechliche, kosten aber insbesondere die süffigen Harmonien bis zur Neige aus. Vor allem aber sind es fünfzig außerordentlich temperamentvolle und kurzweilige Minuten.

Chiffren für komplett ausnotierte Musik zu finden, die diese dann auch weniger geübten Spielern leichter zugänglich machten, ist kein Impuls erst der gitarristischen Lagerfeuerromantik. Kurzschriften und Akkordsymbole finden sich weit früher. Zum Beispiel bei Girolamo Montesardo schon 1606, indem er für jeden Akkord einen korrespondierenden Buchstaben definierte. Dass dieses praktische, aber auf Dauer nicht eben reizvolle Schema erweitert wurde, überrascht nicht. Das ‚falsche Alphabet‘ wurde die üppig bereicherte Erweiterung dazu genannt – farbig, würzig durch dissonante Akzente, mit vielen Schattierungen, die das akkordische Geschehen erst so richtig attraktiv machten. Das zeigt sich besonders in den eher starren Reihungsformen der Zeit, in Passacaglia oder Folia, die neben vielen Tänzen und freieren Sätzen aus den Federn von Giovanni Paolo Foscarini, Johannes Hieronymus Kapsberger, Francesco Corbetta oder Santiago de Murcia das Bild des hochattraktiven Programms prägen, das der Lautenist Simone Vallerotonda und sein Ensemble I Bassifondi bei Arcana vorstellen.

Veritable Könner

Neben diesen Klassikern barocker Saitenklänge sind ebenso knappe wie inspirierte Improvisationen des dreiköpfigen Ensembles zu hören – folgerichtig, denn die frei ausdeutenden Impulse bestimmen die Szenerie auch in den auskomponierten Sätzen. Simone Vallerotonda ist auf Theorbe und Barockgitarren zu hören, Josep María Martí Duran spielt einen Bass-Colascione, eine prachtvoll tönende Langhalslaute von kernigem Volumen. Und Gabriele Miracle steuert in der Wirkung vielfältiges, in der instrumentellen Gestalt freilich schlichtes Schlagzeug bei, das die gezupften Wirkungen mit viel deutender Fantasie expliziert.

Die drei bilden eine temperamentvolle Formation, die eine große Bandbreite an Zupf- und Schlagtechniken präsentiert. Vor allem rhythmisch macht ihnen niemand etwas vor: So viel Drive ist da zu erleben, prägnant und präzis, doch auch verspielt, leichthändig und frei. Die Farben der wenigen, zudem charakterlich sehr ähnlichen Instrumente werden sehr schön platziert und zur Geltung gebracht. Was auch am exzellenten Klangbild liegt: Das wirkt klar, birst vor Plastizität und Körperlichkeit, präsentiert einfach eine hochkonzentrierte Kammerkonstellation von vibrierender Lebendigkeit. Auch die Impulse des Schlagzeugs werden subtil aufgenommen.

Manchmal scheint im temperamentvollen Spiel des Ensembles in verhaltenen Passagen sogar so etwas wie ein schüchterner Lyrismus durch – insoweit Zupfinstrumente das denn möglich sein lassen. Auffällig ist – im gut dokumentierenden Booklet ebenso wie im reflektierten Spiel – die souveräne und intime Kenntnis von Quellen, Techniken und Kontexten. Und doch hat man fast permanent das Gefühl, fantasievoll ausgedeuteten Improvisationen beizuwohnen.

Es mag sein, dass man einzelne Details bei einer anderen Formation noch subtiler ausgespielt fände – kaum aber die gesamte Musik mit mehr Leidenschaft und Temperament geboten bekäme. I Bassifondi vernachlässigen keinesfalls das Zarte, Zerbrechliche und kosten die süffigen Harmonien bis zur Neige aus. Vor allem aber sind es fünfzig außerordentlich temperamentvolle und kurzweilige Minuten.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Alfabeto Falso: Werke von Foscarini, Kapsberger, Piccinini, de Murcia u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Arcana
1
07.07.2017
Medium:
EAN:

CD
3760195734353


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Arcana

Michel Bernstein hat mit ARCANA eine Institution im Bereich der Alten Musik geschaffen, deren Katalog mit einer Vielzahl prominenter Namen der Alten Musik aufwarten kann, darunter prominente Namen wie Rinaldo Alessandrini, Gunnar Letzbor oder Sigiswald Kuijken. Als der Labelgründer 2006 plötzlich verstarb, schien es zunächst so, als würde dies auch unweigerlich das Ende von ARCANA bedeuten. Zum Glück entschied sich der italienische Vertrieb Jupiter zum Kauf des Labels. Selbstverständlich plant man, es im Sinne seines Gründers weiterführen. Nach und nach werden nun Aufnahmen aus dem umfangreichen Backkatalog des Labels in neuer Gestaltung wieder veröffentlicht und der Katalog durch neue Aufnahmen bewährter Künstler und von Neuzugängen (darunter Marco Beasley und das Ensemble Accordone) erweitert.


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