> > > Puccini, Giacomo: La Bohème
Dienstag, 19. Februar 2019

Puccini, Giacomo - La Bohème

Nordisch unterkühlt


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine musikalisch eher kühle und sachliche Produktion von Puccinis 'La Bohème', die vor allem durch kluge Regie und ein junges, engagiertes Ensemble punkten kann.

'La Bohème' ist eigentlich immer ein Publikumshit. Eine Oper, von der die Regisseurin Orpha Phelan sagt, es brauche nicht viel, um sie zu verstehen: Man müsse wissen, was es bedeutet, jung und verliebt zu sein. Vielleicht müsste man noch hinzufügen: arm und mittellos. 2014 hat Phelan die Oper am Opernhaus in Malmö herausgebracht. Dazu verlegte sie die Handlung unaufgeregt und sehr passend in ein stilisiertes heutiges Paris. Rudolfo sitzt in seiner kargen Wohnung am Laptop, die Kinder auf der Kirmes spielen mit Laserschwertern. Leslie Travers hat dazu ein Bühnenbild geschaffen, das stimmungsvoll die Armut der jungen Leute mit ihrer Sehnsucht nach Liebe und Leben kontrastiert. Die Bühne ist dunkel, schmutzig und grau, aber viele Bühnenelemente sind Pariser Karussells nachempfunden. So schwebt über der kargen Wohnung Rudolfos ein gigantischer Drehkranz aus Metall, wie das Gerippe eines Karusselldaches, dessen Lampen beim großen Duett zu glühen beginnen – während sich die Wohnung unter dem Drehkranz zu drehen beginnt. Im dritten Akt sieht man den Drehkranz ramponiert, und nur spärlich leuchten die Glühbirnen auf, wenn sich Rudolfo und Mimi ihre Liebe gestehen. Phelan hat etwas geschaffen, was nicht jedem Regisseur gelingt: Die Oper ist ins Heute geholt, aber so sinnvoll und behutsam, dass nichts von der Substanz verloren geht.

Der wirkliche Charme der Produktion liegt aber in den jungen Sängerinnen und Sängern, die mit großer Natürlichkeit, schauspielerischer Begabung und echter Hingabe die Oper zur Aufführung bringen. An erster Stelle muss der schwedische Tenor Joachim Bäckström genannt werden, der den Rudolfo mit viel Emphase, einem schönen Schmelz, sicheren und strahlenden Höhen und einer hellen, aber kräftigen Stimme singt. Olesya Golovneva verfügt als Mimi über einen lyrischen, klaren Sopran, der aber noch wandlungsfähiger und über mehr Farben verfügen könnte. So ganz kann man ihr die todkranke junge Frau nicht abnehmen. Vladislav Sulimskys Bariton ist für den Marcello ein wenig rau und röhrig, Maria Fontosh gibt die Musetta mit einem starken, kräftigen Sopran.

Ein echter Schwachpunkt ist leider Christian Badea am Dirigentenpult. Er leitet das Malmö Orchestra, als gelte es, durch die Oper mit angezogenen Handbremsen zu kurven. Wirkliches Glühen, große, vibrierende Melodiebögen, vorwärtsdrängende Tempi stellen sich bei ihm nicht ein. Vieles klingt gemächlich. Man muss schon ziemlich viel falsch machen, wenn die große Eingangsszene zum dritten Akt keine Atmosphäre ausstrahlt und auch die sich anschließende Szene zwischen Rudolfo, Marcello und Mimi eher unterkühlt bleibt. Musikalisch hat man die Oper jedenfalls schon deutlich besser gehört.

Und auch technisch lässt die DVD ziemlich zu wünschen übrig: Auf einem großen Fernsehbildschirm ist das Bild nicht scharf, der Ton ist nicht immer korrekt mit dem Bild synchronisiert und die Kamera zoomt oft ohne jeden erdenklichen Grund unruhig aus dem Bild hinein und wieder heraus.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Puccini, Giacomo: La Bohème

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
1
09.06.2017
EAN:

747313538553


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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