> > > Künnecke, Eduard: Klavierkonzert
Dienstag, 20. November 2018

Künnecke, Eduard - Klavierkonzert

Jongleure nicht nur der Operetten-Idiome


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Unterhaltsam, ja spannend ist Künnekes Konzert von 1935 zweifellos, so, wie es hier von Oliver Triendl am Klavier und dem Münchner Rundfunkorchester überzeugend präsentiert wird.

Der beruflich fast zwangsläufig und zugleich wohl spezifisch talentiert im ‚leichten Fach‘ haften gebliebene Komponist aus Emmerich, zehn Jahre jünger als Ravel, leistet sich durchaus Anklänge an dessen G-Dur-Konzert, an Griffkaskaden (und Quintfall-Sequenzen) im Stile der russischen Virtuosen Rachmaninow und Prokofjew, besetzt aber lyrische Seitenthemen in schulmäßiger Konzert-Sonatensatzform durchaus mit gängigem Operetten- oder Song-Schemen. Der Klaviervirtuose als ‚Subjekt‘ der Konzert-Dramaturgie gibt stellenweise den Operetten-Tenor, vor allem im jazzigen, auch ein wenig Gershwin im Dritten Reich simulierenden Finalsatz zudem hörbar den Modetänzer. Oliver Triendl hat alle Idiome passgenau in den Händen. Und das Stück beeindruckt von Beginn an: Der Wechsel eingangs von Orchester und Klavierkaskaden à la Tschaikowsky und Co. hat durchaus Schmiss und technische Herausforderung, der charmante Song als lyrische Seitenpassage Appeal. Einzig eine auffällig gerade auch am Ende des 15-minütigen Kopfsatzes zu sehr in Quintfallharmonik schwelgende Sequenzierungspassage trübt ein wenig den ganz guten Gesamteindruck (‚Schusterflecken‘ im Stile Diabellis und konfektionierterer Konzertromantik, eben doch jenseits des unterschätzen Rachmaninow).

Mit feinen, recht orientalisch gefärbten Habanera-Anklängen, die das Orchester unter Leitung von Ernst Theis völlig überzeugend vermittelt, vermeidet dann gerade der 'Moderato'-Mittelsatz in Anklängen an spanischen Ravel und Bizet jedes Operettenklischee: harmonisch und in der Instrumentation – wunderbar spielen hier die Münchner Bläser – sogar stellenweise ziemlich raffiniert. Und die Spielfreude im Finale verlangt nach keiner kompositionsästhetischen Legitimation, sondern ist im Wechsel der Ausdruckszonen gut gepuzzelt: Etwas 'Donna-Diana'-Glanz und Melodienseligkeit im Stile des Kollegen Reznicek steht hier neben bürgerlichem Tanz-Palast mit Foxtrott und Überführung des schwungvollen Themas in ein handwerklich nettes Fugato! Wie gesagt: Das Konzert macht Spaß, und es ist verständlich, dass es – wie der informative und plastische Beitrag von Gottfried Franz Kasparek im Booklet referiert – in Nachkriegszeiten im Rundfunk und 1997 in einer ersten Tonträgereinspielung schon zu Gehör gekommen ist: mit Tiny Wirtz auf dem damaligen Entdecker-Label Koch/Schwann, heute kaum mehr preiswürdig nur auf dem Sammler-Markt und deshalb hier zum Vergleich nicht greifbar. Die neue cpo-Aufnahme macht aber mich zumindest wunschlos glücklich, sieht man von dem eine Spur zu kompakten Klavierklang und etwas künstlich wirkendem General-Hall ab, der wohl weniger der unmittelbaren Aufnahme des Bayerischen Rundfunks als dem ‚Digital Editing‘ von Julia Havenstein zu verdanken ist (zumindest wurde das Kompakte des Gesamtklangs nicht dadurch verbessert).

Wunschkonzert-Kost um 1907 als Zugabe

Ganz Stil-Übungen sind die beiden fast noch als Jugendwerke zu verstehenden rein orchestralen Zugaben: vier 'Zigeunerweisen' ganz in der Tradition der Tänze von Brahms und Dvorak (knapp zehn Minuten) und eine zwanzigminütige 'Serenade', die sich in fünf gleichwohl unterhaltenden Sätzen an die Tradition der Suiten-Transplantation von opernhaften Genrebildern im Gefolge von Bizet und Massenet knüpft. Ernst Theis leitet das alles einfühlsam und mit wahrnehmbarer Inszenierungsintelligenz (Humor?) sehr punkgenau in der Tempogestaltung und Phrasierung mit weitgehender Durchhörbarkeit des nicht immer geschickten Instrumentengeflechts (die dicke Hörner-Romantik des 'Andante con moto' ähnelt dabei durchaus auch den deutschen Serenaden-Klischees, die sich noch bei Richard Strauss in solchen Bläserstücken finden). Man möchte auf diesem Niveau auch mal Künnekes Zweites Klavierkonzert (ein einsätziges 'Opus 52', offenbar verschollen) oder seine Bearbeitung (Opus 54) einer Schubert-Sonate mit Klavier und Orchester hören, auf die Kasparek leider nicht allzu wissenschaftlich präzise hinweist. Für Entdeckerfreuden ist aber mit dieser neuen Präsentation des ‚ernsten‘ (bzw. ernstmeinenden?) Komponisten Künneke schon ganz dankenswert gesorgt.



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    Künnecke, Eduard: Klavierkonzert

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
EAN:

761203501526


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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