> > > Jonason, Emil spielt: Klarinettenwerke von Lindberg und Golijov
Dienstag, 12. Dezember 2017

Jonason, Emil spielt - Klarinettenwerke von Lindberg und Golijov

Herr Grönstedt und der blinde Isaak


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der Klarinettist Emil Jonason wagt sich an eine ausschließlich aus zeitgenössischer Musik bestehende Veröffentlichung mit Werken von Christian Lindberg und Osvaldo Golijov.

Die Doppelfunktion Komponist-Interpret hat im 21. Jahrhundert keineswegs ausgedient, wie unter anderem Jörg Widmann beweist. Er ist als Tondichter wie als Klarinettist höchst erfolgreich und kann offenbar auch beide Tätigkeiten gut miteinander verbinden. Ähnlich souverän gelingt dies dem Schweden Christian Lindberg (Jahrgang 1958), der zunächst als Posaunist internationalen Ruhm erlangte. Sein in den letzten Jahren gewachsenes kompositorisches Werk lässt zwei Vorlieben erkennen: eine Hinwendung zum Instrumentalkonzert und eine Liebe für ausgefallene bis poetische Werktitel, so etwa im Flötenkonzert 'The World of Montuagretta' aus den Jahren 2001/2002. Auch Lindbergs auf dieser CD zu hörendes Klarinettenkonzert trägt einen solchen Titel, es heißt 'The Erratic Dreams of Mr Grönstedt'. Ob diese Bezeichnung zum tiefgreifenden Verständnis des Werkes gedeutet werden muss, sei einmal dahingestellt; laut Beiheft hatte Lindberg beim Komponieren des Werkes Träume, die ‚von Emil und Anders Walls‘ handelten. Der Klarinettist Emil Jonason ist der Solist in vorliegender Aufnahme, er wird vom Norrköping Symphony Orchestra unter Leitung des Komponisten begleitet. Das zweite Werk auf der Silberscheibe stammt vom Argentinier Osvaldo Golijov und trägt einen ähnlich dichterischen Titel 'The Dreams and Prayers of Isaac the Blind', geschrieben für Klarinettenquintett. Hier musiziert Jonason zusammen mit dem Vamlingo-Quartett.

Lindbergs Konzert besteht aus sechs Abschnitten mit verrätselten Titeln wie 'Saturns Spiegel' und hat formal kaum noch Gemeinsamkeiten mit der traditionellen Dreisätzigkeit. Die moderat moderne Tonsprache mit vielen dur-moll-tonalen Passagen ermöglicht dem Hörer eine mühelose Orientierung, der Solist steht klar im Vordergrund. Jonason nutzt die vielfältigen Möglichkeiten, die ihm hier zur Entfaltung geboten werden, voll aus – seine Klarinette singt und klagt, scherzt und rast durch alle sechs Sätze, in denen auch der musikalische Humor nicht zu kurz kommt. Die technischen und lyrischen Fähigkeiten des Solisten sind beeindruckend, ebenso das einwandfreie Zusammenspiel mit dem Orchester. Als gelernter Posaunist kennt Lindberg vermutlich die Erfahrung, von einem zu dick instrumentierten Orchester zugedeckt zu werden. Dies kann in seinem schlank, aber einfallsreich orchestrierten Werk nicht passieren, zumal er als Dirigent auf ausreichend Freiräume für den Klarinettisten achtet. Da auch die akustische Balance zwischen Solist und Orchester sehr gut ist, kann man diese 'Erratic Dreams' unbeschwert genießen – es sei denn, man erwartet von einem im 21. Jahrhundert komponierten Werk harten Avantgardismus. Dieser ist Lindbergs Sache nicht; mit seinem Konzert möchte er den Hörer in erster Linie unterhalten und ihm auch hier und da ein Schmunzeln entlocken. Sein hohes handwerkliches Können bewahrt ihn dabei vor dem Abgleiten in triviale Gefilde.

Anders konzipiert – wenn auch klar auf die Klarinette zugeschnitten, doch sonst gibt es kaum Gemeinsamkeiten – ist Golijovs Quintett, das ausdrücklich ‚für Klezmer-Klarinette‘ komponiert wurde. Der Tondichter räumt dem Klarinettisten in allen fünf Abschnitten gewisse Freiräume zur Improvisation ein, die von Jonason voll ausgekostet werden. Natürlich spielt auch solistische Virtuosität hier eine Rolle, jedoch weniger als bei Lindberg; längere Passagen des Quintettes sind von einem meditativen, ruhigen Charakter durchzogen, in dem von Golijov geschickt arrangierte Klangfarben einander abwechseln. Die rhythmisch pointierten Klezmer-Einwürfe der Klarinette kontrastieren mit beinahe statisch wirkenden Streicher-Blöcken, die von den Mitgliedern des Vamlingbo-Quartettes mit hoher Präzision musiziert werden. Jonason zeigt sich auch hier von seiner besten Seite und paart technisches Können mit aufmerksamer Ausdifferenzierung des nicht in allen Abschnitten auftretenden, aber insgesamt doch dominanten Klezmer-Tones. Anders als bei Lindberg wird der Hörer hier weniger unterhalten, dafür mehr zum Nachdenken und Nachverfolgen angeregt; ein ‚klassisches‘ Klarinettenquintett wie bei Mozart oder Brahms darf man freilich nicht erwarten.

Für jeden Freund der Klarinette ist diese CD ohne Abstriche empfehlenswert, auch wer die Komponisten Lindberg und Gloijov schätzt, wird auf seine Kosten kommen. Für extrem traditionsbewusste Hörer oder – sozusagen die direkten Antipoden – beinharte Avantgardisten wird allerdings an beiden Stücken etwas auszusetzen sein. Die fröhliche Stilmischung bei Lindberg wie bei Golijov, die beide genannte Gruppen irritieren dürfte, ist allerdings nicht Ausdruck einer postmodernen Beliebigkeit, sondern die sorgfältig ausgewogene Balance auf der Basis des jeweiligen kompositorischen Könnens. Ob man das jeweilige Ergebnis nun liebt oder nicht, bleibt aber selbstverständlich dem Einzelnen überlassen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Jonason, Emil spielt: Klarinettenwerke von Lindberg und Golijov

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
BIS Records
1
08.03.2017
EAN:

7318599921884


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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