> > > Virgin and Child: Music from the Baldwin Partbooks II
Samstag, 18. Januar 2020

Virgin and Child - Music from the Baldwin Partbooks II

Marienverehrung


Label/Verlag: signum classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Owen Rees und Contrapunctus setzen ihren Streifzug durch die Baldwin Partbooks auf hohem Niveau fort. Eine feine Platte englischen Kontrapunkts.

Die Ende des 16. Jahrhunderts vom Sänger der Chapel Royal, John Baldwin, angelegten ‚Baldwin Partbooks‘ enthalten eine große Zahl der wunderbarsten Motetten aus englischer Meisterhand. Eine erste Platte des von Owen Rees geleiteten Vokalensembles Contrapunctus im Jahr 2015 hat davon eindrucksvoll Zeugnis abgelegt. Und auch der zweite Teil dieser kleinen Reihe, gerade bei Signum Classics erschienen, unterstreicht die Qualität der Kompositionen der Sammlung. Auf der aktuellen Platte liegt der Schwerpunkt auf der Marienverehrung katholischer Prägung, wie sie in der Tudor-Zeit noch durchaus üblich war, aller religiösen Verwirrung zum Trotz, die unter Edward VI. einen deutlichen Schub in Richtung Protestantismus brachte, der, zunächst von der katholischen Maria relativiert, unter der Herrschaft Elisabeth I. weiter vorangetrieben wurde. Für diesen oft versteckten Teil, für die im engeren Sinn katholische Kirchenmusik, sind die ‚Baldwin Partbooks‘ eine erstrangige Quelle, blieben doch viele Komponisten den wechselnden Vorzeichen zum Trotz bei ihrem katholischen Glauben, passten sich freilich in ihrem Schaffen teilweise an die neuen Erfordernisse an, hielten aber auch an überkommenen Inhalten und Glaubenspraktiken fest. Und gerade die Marienverehrung animierte sie zu bemerkenswerten künstlerischen Taten, das unterstreicht das Programm der vorliegenden Platte. Thomas Tallis, John Taverner, Robert White, Robert Fayrfax und John Sheppard gehören zur kompositorischen Crème des 16. Jahrhunderts, auch wenn heute neben Tallis nicht mehr alle Namen einem breiteren Publikum geläufig sind. Doch gerade White oder Fayrfax spielen in den Sammlungen der Zeit eine prominente Rolle und sind auch bei Owen Rees und Contrapunctus mit künstlerischem Gewicht vertreten.

Echte Könner

Owen Rees steht mit den Vokalisten seines Ensembles eine famose, geradezu luxuriöse Besetzung zur Verfügung, bestens vertraut auch aus anderen Formationen und stilistisch hochversiert: Unter anderem sind Esther Brazil, Amy Haworth, Ruth Provost, Rory McCleery, Matthew Venner, Guy Cutting, Ashley Turnell, Greg Skidmore und Giles Underwood zu hören. Gemeinsam formen sie ungemein charaktervolle Register, sehr plastisch und profiliert. Alt und Bass sind weit über das übliche Maß hinaus präsent und können für ihre Kunst ebenso werben wie für das Prinzip der Kontrapunktik, das eben von tatsächlich gleichberechtigten Stimmen ausgeht. Das Ensemble singt kraftbetont, entschieden, was auch in den abwechselnd eingefügten solistischen Passagen positiv ins Gewicht fällt. Intoniert wird mit entsprechend kräftiger Grundierung, vibrierend, dennoch mit der notwendigen Sensibilität – in jeder Hinsicht eine der großen Stärken des Ensembles. Die weit ausschwingenden Linien der teils ausgreifenden Sätze – das 'Gaude gloriosa Dei mater' von Thomas Tallis erstreckt sich auf über 18 Minuten – sind edel substantiiert, auf großem Atem gesungen. Das Klangbild erwidert diese Größe gelungen, ist erwärmt und von energischer Präsenz. Allerdings mangelt es an letzter Klarheit und Plastizität, was der Musik gewisse Nuancen ihrer Wirkung nimmt.

Owen Rees und Contrapunctus setzen ihren Streifzug durch die ‚Baldwin Partbooks‘ auf hohem Niveau fort. Eine feine Platte englischen Kontrapunkts.


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Virgin and Child: Music from the Baldwin Partbooks II

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
signum classics
1
03.02.2017
Medium:
EAN:

CD
635212047422


Cover vergössern

signum classics

Signum Records is fuelled by the passion to produce great music recorded with integrity and creativity at the highest level.

Signum is a privately-owned and steadily-growing record label that benefits from the commitment and services of its sister company, Floating Earth, the leading production and engineering specialist service provider in Europe.

Having started the label in 1997 Signum now boasts a catalogue of nearly 150 titles and many of which are award winners, nominees or five star review recipients from around the world.

The small Signum team strives to provide a first class service at all times with clients, artists, suppliers and colleagues. Signum works with new and emerging artists and composers through to established artists, making available much-loved areas of repertoire as well as previously unheard, innovative recordings.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag signum classics:

  • Zur Kritik... Der faszinierende Klang des Horns: Richard Watkins präsentiert zusammen mit Julius Drake romantische Werke für Horn und Klavier. Weiter...
    (Michaela Schabel, )
  • Zur Kritik... Tiefe Einblicke: The Mozarts bieten eine vorbildliche Erkundung des Londoner Musiklebens der Jahre 1764/65, mit zahlreichen interessanten Neuentdeckungen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Ein Chor von Format: So feiert man Traditionen und nicht zuletzt auch sich selbst: klangfreudig, frisch, selbstbewusst. Wie viele andere englische College- und Kathedralchöre gehört der Choir of St. John's College Cambridge zu einem Phänomen, das Musikkultur bis heute prägt. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von signum classics...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Matthias Lange:

  • Zur Kritik... Palestrina ganz frisch: So ist die Tour durch das geistliche Werk Palestrinas ein echtes Vergnügen: Harry Christophers und The Sixteen mit einer wirklich gelungenen achten Folge ihrer Reihe. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Klangpracht: Musik des Baltikums lohnt eigentlich immer, auch Juris Karlsons, dessen attraktive Kompositionen vom Lettischen Radiochor kongenial gesungen werden. Musik, die ästhetisch den Rückspiegel nicht aus den Augen verliert, nie aber im Kern rückwärtsgewandt ist. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Renaissance: Ein kräftiger Impuls für Händels Brockes-Passion aus dem Hause der Academy of Ancient Music: editorisch vorbildlich, musikalisch auf sehr hohem Niveau. Richard Egarr setzt seinen Weg mit ambitionierten Großprojekten verlässlich fort. Sehr schön. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Matthias Lange...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Palestrina ganz frisch: So ist die Tour durch das geistliche Werk Palestrinas ein echtes Vergnügen: Harry Christophers und The Sixteen mit einer wirklich gelungenen achten Folge ihrer Reihe. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Nie gehörter Schostakowitsch: Mark Fitz-Gerald dirigiert zwei bislang nie aufgenommene Partituren von Schostakowitsch, die er teilweise selbst rekonstruiert hat. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Theaterluft aus jeder Pore: Diese von David Bates geleitete Aufführung von Glucks 'Orfeo ed Euridice' atmet Theaterluft aus jeder Pore und hat Energie und Musizierlust im Überfluss getankt. Dem kann man sich nicht entziehen. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (1/2020) herunterladen (2483 KByte) Class aktuell (4/2019) herunterladen (4308 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Mieczyslaw Weinberg: Fantasy op.52

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

 Folkwang Kammerorchester Essen im Portrait Mit Vollgas ins Haus des Teufels
Das Folkwang Kammerorchester Essen ? jung, energiegeladen, hochmusikalisch

weiter...
Alle Interviews...


Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich