> > > A Verlaine Songbook: Werke von Debussy, Ravel, Faure, u.a.
Freitag, 10. Juli 2020

A Verlaine Songbook - Werke von Debussy, Ravel, Faure, u.a.

Perfekte Stimme und Stimmung


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Carolyn Sampson besitzt die genau richtige Stimmfarbe, Technik und Einfühlung für diese Verlaine-Vertonungen Ende des 19. Jahrhunderts - und den richtigen Klavierbegleiter.

Carolyn Sampson und Joseph Middleston umstellen zwei größere Verlaine-Zyklen – Debussys 'Ariettes oubliées' (1888) und Faurés 'La Bonne Chanson' (1892-94) – mit einigen Parallelvertonungen anderer Komponisten: Saint-Saëns, Chausson, Reynaldo Hahn, aber auch Unbekannte wie Déodat de Severac, Charles Bordes, der polnische Massenet-Schüler Joseph Skulc liefern überwiegend Parallelvertonungen der prominentesten Gedichte, wie auch ein gewisser ‚Poldowski‘, hinter dem sich die Tochter Régine des polnischen, in Paris ausgebildeten Geigers Henri (Henryk) Wieniawski verbirgt, wie de Severac eine Absolventin der Pariser Schola Cantorum. Ihre fünf um 1912 und damit hier am spätesten entstandenen Verlaine-Lieder bilden in ihren Kontrasten gleichwohl einen kleinen Zyklus und die große Überraschung des Programms in ihrer Debussy nahen pianistischen Qualität des stilistisch äußerst variablen Kolorierens: ein gewitztes Klavierthema in 'Colombine', spanische Einschläge der 'Mandoline', dazu die fast wie bei Rachmaninow anspruchsvoll umspielte Emphase auch des Gesangs in 'L‘heure exquise' – das möchte und kann man nun häufiger hören.

Debussy trifft auf Poldowski

Am Anfang der CD findet sich mit dem ersten Heft der 'Fêtes galantes' von Debussy (1882, revidiert 1892) auch der erste symptomatische Klangentwurf musikalischer Verlaine-Spiegelung. 'En sourdine' exponiert nicht nur die liegenden verminderten Akkorde als Stilmerkmal, sondern auch prototypisch Carolyn Sampsons Stimme: Kraftvoll, aber nicht mit zu viel Vibrato, erinnert sie an Frederica von Stades mädchenhaft-melancholische Grundfarbe – sofort möchte man auch die Mélisande oder Wagners Sieglinde mit dieser Stimme hören – und die sichere Direktheit und absolut makellose Intonation versierter Alte-Musik-Sängerinnen, zu denen Sampson ja schon mit ihrem frühen grandiosen Rameau-Album (Hyperion 2004) und großen Teilen ihrer Diskographie (u.a. Bach mit Suzuki und Chailly) zu rechnen ist. In Debussys 'Clair de lune', der dritten Ariette (nicht zu verwechseln mit dem Klavier-Hit), beeindruckt auch ihr konzentriertes Anschwellen und Strömenlassen auf längeren Tönen, eingebettet in einen Klavierpart, der sich auch dank Middleston und bester Klangtechnik psychologisch geradezu zu einer fast orchestral ausgeleuchtet erscheinenden Bühne aufbaut. Atemlos durch die Mondnacht! Wie in den beiden parallelen Vertonungen: Joseph Szulc (1875-1956) liefert ein melodisch noch eingängigeres 'Chanson' (op. 82, leider im Booklet undatiert, dürfte es harmonisch etwas verspätet kommen), Faurés 'Clair de lune' von 1887 hingegen lässt prägnantes Klavier mit eigenem Thema und komplementären Gesang als ‚endlose Melodie‘ kontrapunktisch verknüpft dahin strömen.

L‘heure exquise und Clair de lune

Wie sich das doch ändert: Wirkt Faurés Mondscheinlied noch lichter als Debussys schwüle Liegewelt, gerät der gesamte Zyklus 'La Bonne Chanson' als eine von laufenden Harmoniewechseln des schwerst dauerbeschäftigten Pianisten beunruhigte Wechselwelt, bei aller Aktion instabil, was sich aufs Gemüt auswirkt und von Sampson und Middleton eindringlicher getroffen wird als selbst in den alten, Melancholie und Klarheit schon perfekt mischenden Referenzen von Claude Panzéra und Gérard Souzay. Zuviel Aufwand für Debussy und – wie Roger Nichols in seinem gleichwohl etwas manieriert geschachtelten Einführungstext schreibt – für Camille Saint-Saëns einfach ‚verrückt‘. Leichte Kost sind aber auch die Varianten des Tier-Karnevalisten in 'Le vent dans le plaine' nicht, die 1912 mit Debussys Vertonung des gleichen Textes (1888) konkurrierten: Man wird viele Facetten kompositorischer Fantasie verfolgen können, auch im Falle des zweiten Mondlieds 'La lune blanche' (bzw. nach der Schlusszeile 'L‘heure exquise'), das uns in vier verschiedenen Versionen begegnet.

Eine spannende Platte mit exquisiter interpretatorischer Gestaltung. Schade nur, dass BIS jetzt auch zu Papphüllen (Digipacks) greift, wo die anderen Formen davon abrücken: Gerade in der schwarzen Grundfarbe des Labels sehen die Hüllen schon nach kurzem Gebrauch ramponiert aus. Und während die Einführung dreisprachig ist, wurden nur englische Übersetzungen der französischen Originaltexte beigegeben. Aber man hört auch besser mit geschlossenen Augen diese Parade der Melancholie. Dieses Album wirkt noch viel geschlossener, intensiver als vor knapp einem Jahr der bunte, schon ausgiebig in der Presse gefeierte Blumenliederstrauß ‚Fleurs‘ und festigt eine aktuelle Ausnahmestellung dieses Liedgespanns.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    A Verlaine Songbook: Werke von Debussy, Ravel, Faure, u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
BIS Records
1
05.10.2016
Medium:
EAN:

SACD
7318599922331


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Bordes, Charles
Chausson, Ernest
Debussy, Claude
Fauré, Gabriel
Hahn, Reynaldo
Ravel, Maurice
Saint-Saens, Camille


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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