> > > Schumann, Robert: Werke für Klarinette
Mittwoch, 15. August 2018

Schumann, Robert - Werke für Klarinette

Schumanns Kammermusik auf der Klarinette


Label/Verlag: Castigo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Heiner Schindler und Olha Chipak wandern eindrucksvoll und differenziert auf den Spuren Schumanns. Mit warmen, homogenen Klängen zeigen sie die Fülle von Schumanns Kammermusik und ihre Ausdruckskraft.

Die (für Kammerensembles konzipierte) Musik Robert Schumanns ist immer wieder ein Geheimtipp, und der Klarinettist Heiner Schindler sowie die Pianistin Olha Chipak haben auf ihrer vorliegenden CD dementsprechend ein reizvolles Programm zusammengestellt. Präsentiert werden fünf unterschiedliche Werke, die fast alle im Jahr 1849 komponiert wurden. Die 'Märchenbilder' (op. 113) eröffnen die CD. Der sehr warme und differenzierte Klarinettenklang von Heiner Schindler lässt den Hörer fast vergessen, dass dieses Stück ursprünglich für Viola komponiert wurde. Die Klarinette ertönt sowohl in der tiefen als auch in der höheren Lage in klanglicher Flexibilität, Staccato- und Legato-Passagen werden gekonnt miteinander verbunden, und man kommt in ein angenehmes Schwelgen dieser Klangwelten. Die Pianistin Olha Chipak versteht es ausgezeichnet, sich auf die Klarinette einzulassen, der Dialog zwischen Klarinette und Klavier wirkt sehr homogen: Die Übergänge zwischen beiden Instrumentalstimmen wirken fließend und unbeschwert. Man merkt, dass Schindler und Chipak ein eingespieltes Duo sind. Zugleich ist jedoch auffällig, dass sich die Pianistin in ihrer Stimme emanzipieren möchte und manchmal akzentvoll und impulsiv die melodische Führung übernimmt.

Die 'Fantasiestücke' (op. 73), die Schumann selbst als Klarinettenstück konzipiert hat, reizen Heiner Schindler zu einer bewundernswerten Intensität, die wohl am besten als wellenhafte und spannungsgeladene Musikalität beschrieben werden kann. Chipak am Klavier bleibt in ihrem dynamischen und agogischen Vorwärtsdrang, wenngleich sie mit ihrer Intensität an manchen Stellen auch etwas übers Ziel hinausschießt. Das 'Adagio und Allegro' (op. 70) beseitigt jedoch kurze ästhetische Zweifel und wird vom Duo wahrlich als Schmückstück verkauft: Für dieses Stück, das Schumann eigentlich als Hornkomposition hinterlassen hat, wählt Heiner Schindler das Bassetthorn und eröffnet dadurch ein völlig neuartiges Timbre dieses Stückes. Die Interpretation wirkt äußerst einfühlsam und man schwelgt speziell in der schönen tiefen Lage des Bassetthorns – ohne dass die hohen Töne ausgehöhlt oder dumpf wirken. Olha Chipak zeigt hier ihre durchaus vorhandene Einfühlsamkeit und reichert diese Klänge sehr gelungen an.

Bei den 'Drei Romanzen' (op. 94) erscheint es gar nicht notwendig, einen Vergleich zum Originalinstrument Oboe zu ziehen, da Schindler das Stück sehr lyrisch und getragen interpretiert und mit dem Klavier eine gute Homophonie findet. Die Tempoabstufungen und Abwechslungen zwischen lyrischen und spritzigeren Passagen wirken stimmig und das Werk klingt wunderbar im Pianissimo aus. Die 'Fünf Stücke im Volkston' (op. 102) bieten als Abschluss nochmals die Möglichkeit, die Spannbreite beider Interpreten wahrzunehmen. Schumanns abwechslungsreiches Werk entlockt dem Klarinettisten Schindler ein keckes, ausgefranstes Staccato, das im Kontrast zu den lyrischen, verspielten Passagen des Stückes steht. Olha Chipak bietet hierbei ein klangvolles Fundament und lässt im Schlusssatz nochmals ihre individuelle Expressivität spüren.

Insgesamt gelingt dem Duo Schindler und Chipak eine beachtenswerte Interpretation Schumanns kammermusikalischer Werke. Beide punkten vor allem durch ebenso überzeugende wie angemessene Impulsivität und Abwechslung im vollen Klang.


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Schumann, Robert: Werke für Klarinette

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Castigo
1
03.05.2016
EAN:

4039767000868


Cover vergössern

Schumann, Robert


Cover vergössern

Castigo

Das Klassiklabel CASTIGO wurde 1996 von Carsten Storm mit dem Ziel gegründet, jungen, aufstrebenden Künstlern und interessanten Programmen gleichermaßen eine individuelle musikalische Heimat und entsprechende Marktchancen, u.a. durch internationalen Vertrieb und Vermarktung zu geben. Der bei Georg Friedrich Schenck und Christian de Bruyn ausgebildete Pianist und Diplom-Toningenieur hat sich damit nach aktiver Kammermusik- und Liedbegleiterlaufbahn einen geschäftlichen Traum erfüllt. Die Tonqualität wurde bisher von den Tonmeistern Prof. Oliver Curdt, Angela Öztanil, Georg Bongartz, Christel Franz-Hennessy so wie Carsten Storm selbst bestimmt. CASTIGO überläßt seinen Kunden die grafische Gestaltung der CDs, so daß inzwischen eine bunte repräsentable Vielfalt entstanden ist.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Castigo:

  • Zur Kritik... Mit Esprit: Das Bläserquintett der Berliner Staatsoper bewegt sich auch abseits der täglich beackerten Felder hoch inspiriert und versiert. Weiter...
    (Michaela Schabel, )
  • Zur Kritik... In den Fußstapfen der Douze Grands Hautbois: Empfehlenswert ist diese Aufnahme vor allem aufgrund ihrer Originalität, der Repertoireraritäten und der besonderen und seltenen musikalischen Zusammenkunft von Oboen, Englischhörnern, Fagotten, Heckelphon und Bassoboe. Weiter...
    (Felix Dieterle, )
  • Zur Kritik... Gezähmte Tastenlöwen: Virtuose Klaviermusik der Liszt-Schüler. Ein ehrenwertes Unterfangen, das ein wenig an der Zurückhaltung des Interpreten leidet, dennoch sehr interessant für Liszt-Kenner und die, die sich für Klaviermusik abseits der altbekannten Namen interessieren. Weiter...
    (Sebastian Rose, )
blättern

Alle Kritiken von Castigo...

Weitere CD-Besprechungen von Lorenz Adamer:

  • Zur Kritik... Eine stimmlich-literarische Reise: Die Sopranistin Mary Bevan und der Pianist Joseph Middleton greifen nach der Imaginationswelt von Baudelaire und Goethe: klanglich fein und mysteriös dunkel, wenngleich die Sängerin auch manchmal übers Ziel hinausschießt. Weiter...
    (Lorenz Adamer, )
  • Zur Kritik... Russische Schätze zwischen Intensität und Intimität: Das Fabergé-Quintett und Ulrike Payer begeben sich auf einen Streifzug durch die russische Kammermusik und führen den Hörer in die Sextette von Glinka, Lyapunov und Tschaikowski ein. Weiter...
    (Lorenz Adamer, )
  • Zur Kritik... Himmlische Klarinette und wolkiger Streicherklang: Mit drei faszinierenden Klarinettenquintetten lassen Simon Reitmaier und das Auner Quartett aufhorchen: Dem paradiesischen Klang des Tiroler Klarinettisten verfallen, sogt das Streichquartett für ein solides Fundament. Weiter...
    (Lorenz Adamer, )
blättern

Alle Kritiken von Lorenz Adamer...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Kriegsgedenken: Eine sehr ansprechende Präsentation überwiegend wenig bekannter Werke aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges durch das Johann Rosenmüller Ensemble. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... 5-Sterne-Beethoven: Beeindruckend, wie der niederländische Pianist Ronald Brautigam seinen nachgebauten Broadwood-Hammerflügel zum Klingen bringt: Auch neben den alten Starpianisten wie Gilels oder Richter kann sein einfühlsames und virtuoses Spiel beeindrucken. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Auf die schottische Art: Schottische Volkslieder werden in der vorliegenden Interpretation von drei Klaviertrios Leopold Kozeluchs eher als exotisches Beiwerk denn als essenzieller Teil der Musik gesehen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7/2018) herunterladen (3001 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Franz Lachner: Catharina Cornaro - Rezitativ und Duett

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich