> > > Abschied und Ewigkeit. Staatsmusiken des Gottorfer Hofes: Werke von Förtsch und Österreich
Montag, 22. April 2019

Abschied und Ewigkeit. Staatsmusiken des Gottorfer Hofes - Werke von Förtsch und Österreich

Gottorfer Trauer


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine weitere Folge mit hochinteressanter Musik des Gottorfer Hofes, kundig, angemessen und vor allem frisch und lebendig musiziert von Manfred Cordes und seinem Ensemble. Da wird keine historische Musikbibliothek abgesungen, sondern hörenswerte Musik zum Leben erweckt.

Manfred Cordes und sein Ensemble Weser-Renaissance haben aktuell die vierte Folge ihrer intensiven Beschäftigung mit den musikalischen Traditionen am Hof von Schleswig-Holstein-Gottorf vorgelegt: Nach exklusiven Platten mit Werken von Johann Philipp Förtsch, Georg Österreich und Augustin Pfleger ist es nun ein Programm mit Arbeiten verschiedener Meister, sämtlich der Sphäre intensiver, repräsentativer Trauer verpflichtet. Wiederum sind Förtsch und Österreich vertreten, dazu auch der ältere Bruder Österreichs, Michael mit Vornamen: Der war kein professioneller Musiker, sondern stand in Diensten der Militärverwaltung. Doch hatte er wie sein Bruder als ehemaliger Thomaner eine profunde musikalische Ausbildung erfahren und erweist sich als erstaunlich substanzreich in seiner kompositorischen Handschrift. So etwas wie das durchaus nicht kleinformatige Geistliche Konzert 'Ich habe einen guten Kampf gekämpfet' nebenberuflich zu produzieren, muss mindestens erstaunlich genannt werden.

Georg Österreich erweist sich als sicherer Setzer, auch über lange Strecken: Seine beiden 'Musicalischen Concerte' mit den Titeln 'Unser keiner lebet ihm selber' und 'Plötzlich müssen die Leute sterben' sind auf fast zwanzig Minuten ausgedehnt, in behutsamer Binnendifferenzierung formal an die sich entwickelnde Kantate gemahnend. Österreich ist ein luzider Textdeuter, ein plastisches Beispiel für höchst solides Handwerk, immer wieder nobilitiert durch Funken besonderer Inspiration. Seine Musik ist expressiv und fordert die Vokalisten am ehesten auch technisch. Und: Hier finden sich gelegentlich noch deutlicher hervortretende kontrapunktische Momente. Hinzu treten fantasievoll ausgedeutete Choralzeilen.

Georg Philipp Förtsch nimmt in dieser Reihe einmal mehr als sicherer Affekt-Komponist für sich ein, mit einiger gestischer Intensität, mit sicher gesetzten Wort-Ton-Gestalten. Auch manche Eigenwilligkeit ist zu hören; Förtsch vermeidet nicht alle Längen, nicht jede Textwiederholung wird mit gesteigerter Intensität gedeutet oder kann echten künstlerischen Neuigkeitswert aufweisen.

Experten unter sich

In der Riege der Vokalisten finden sich etliche große Namen: Sopran singen Sabine Lutzenberger und Marie Luise Werneburg, Alt singt David Erler, im Tenor sind Georg Poplutz und Mirko Ludwig zu hören, im Bass agieren Guillaume Olry und Harry van der Kamp. Eine Riege veritabler Könner also, die eine eminente Expertise in stilistischer und technischer Hinsicht vereint, die der Herausforderung der Verschränkung von solistischem und Ensemblegesang mit leichter Geste begegnet, die alles selbstverständlich und unangestrengt wirken lässt, auch dank einer weitgehend klaren und natürlichen Diktion.

Instrumental wird das vokale Geschehen idiomatisch passend fortgesetzt: Delikat und edel klingt es, harmonisch und ausgeglichen in der Wirkung der Register, mit einem vielleicht übergreifend prägenden Gambenklang. Artikuliert wird sprechend im besten Sinne, quer durch die Lager der Vokalisten wie der Instrumentalisten.

Manfred Cordes musiziert das in variablen Tempi, mit stimmigen Bezügen, durchaus mit klaren Akzenten versehen und zugleich – beim Sujet der Trauermusik verständlich – in weit ausgreifenden getragenen Strecken. Das Klangbild der im Petri-Dom zu Schleswig entstandenen Aufnahme, also des Ortes, für den die Musik ursprünglich gedacht war, ist angesichts der Größe des Raumes bemerkenswert klar und präzis, einzig die Balance fällt gelegentlich latent zuungunsten der Vokalisten aus.

Eine weitere Folge mit hochinteressanter Musik des Gottorfer Hofes, kundig, angemessen und vor allem frisch und lebendig musiziert von Manfred Cordes und seinem Ensemble. Da wird keine historische Musikbibliothek abgesungen, sondern hörenswerte Musik zum Leben erweckt.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Abschied und Ewigkeit. Staatsmusiken des Gottorfer Hofes: Werke von Förtsch und Österreich

Label:
Anzahl Medien:
Spielzeit:
cpo
1
68:26
EAN:
BestellNr.:

761203501021
cpo 555 010-2


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Förtsch, Johann Philipp
 - Unser Leben währet siebenzig Jahr - Trauermusik über Psalm 90,10 und ein Gedicht des Komponisten, Schleswig 1692
 - Ich vergesse, was dahinten ist - Geistliches Konzert über Philipper 3,13-14, Schleswig 1682
Österreich, Georg
 - Unser keiner lebet ihm selber - Musicalisches Concert, bestehend aus einigen Kern-Sprüchen Heiliger Schrift, Schleswig 1702
 - Plötzlich müssen die Leute sterben - Musicalisches Concert, vorstellend Die Klage über den im Streit gefallenen Jonathan nach 2. Samuel 1, Schleswig 1702
Österreich, Michael
 - Ich habe einen guten Kampf gekämpfet - Geistliches Konzert über 2. Timotheus 4,7-8, Schleswig 1692


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Dirigent(en):Cordes, Manfred


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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