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Samstag, 24. Februar 2018

Martinu, Bohuslav - Die Klaviertrios

Mit Elan


Label/Verlag: Supraphon
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Smetana Trio nimmt sich der Klaviertrios von Bohuslav Martinu an. Das Ergebnis ist voller Frische und lebendiger Gestaltungskraft. Ein optimaler Zugang zu diesen Werken.

Die vier Klaviertrios Nr. 1 bis 3 sowie die 'Bergerettes' des tschechischen Komponisten Bohuslav Martinů sind verhältnismäßig selten in einer Produktion versammelt. Der – wie er von seinem Biografen Harry Halbreich eingeordnet wird – neben Smetana, Dvořák und Janáček ‚vierte Klassiker der tschechischen Musik‘, ist in Deutschland nicht allzu beliebt. Warum? Das erschließt sich nicht unbedingt. Auf dem deutschen Markt erhältlich sind derzeit etwa Einspielungen mit dem Trio Martinů (2016), dem Arbor Piano Trio (erschienen 2012), dem Kinsky Trio Prague (2009), dem Angell Trio (2000), dem Czech Trio (1997) sowie dem Dresdener Klaviertrio (1994). Weitere Künstler haben einzelne der vier Werke veröffentlicht. Zu den neuesten Produktionen dieser viel zu selten zu hörenden kammermusikalischen Schwergewichte zählt die CD des tschechischen Labels Supraphon mit dem Smetana-Trio, bei dem Jitka Čechová (Klavier), Jiří Vodička (Violine) und Jan Páleníček (Violoncello) musizieren. Der Vater des letzteren, der Pianist Josef Páleníček (1914-1991), war es auch, der 1934 oder 1935 das Smetana-Trio einst gründete. Zweifelsohne gehört das Trio zu den vornehmsten des Landes. Die gegenwärtigen Mitglieder knüpfen an die großartige Tradition der vergangenen 80 Jahre an. Ihre Einspielung der Trios von Martinů ist uneingeschränkt empfehlenswert.

Das zeigt sich etwa im Trio Nr. 3 C-Dur (‚Grand Trio‘) H 332, komponiert 1951 vom schon altersweisen Komponisten, der das Werk seinem Chef, dem Musikschuldirektor Leopold Mannes widmete. Martinů unterrichtete damals, seit 1946, Komposition an der heute berühmten Mannes School Of Music in New York. Hier in diesem Werk gelingt ihm ein großer Wurf und den Interpreten, dem Smetana Trio ebenso. Der kompakte Einstiegssatz ('Allegro moderato') in C-Dur ist impulsiv und schwelgerisch zugleich dargeboten. Violine und Violoncello verströmen in unmerklich abwechselnden Taktarten das Parfum des Salons. Die Pianistin lässt ihre Technik bravourös aufleuchten. Da gibt es Altvordere wie Brahms, Smetana oder Dvořák, deren Stil Martinů keineswegs adaptiert, doch ganz frei von diesen Vorbildern ist seine Schreibtechnik nicht, wie er sogar selbst einräumt. Das gibt dem Werk insgesamt einen klassischen Anstrich, selbst wenn er es hin und wieder mit deftigen, harmoniefremden Tönen würzt.

Der zweite Satz ('Andante') klingt wie ein großer Seufzer in 104 Takten. Hier legt der Meister sehr viel Emotion in die Streicher, die ihre Sache makellos absolvieren. Bei wunderbarem Vibrato und einem Gefühl für gestalterische Dynamik ist der Hörer da gut aufgehoben. Überhaupt gefällt an diesem Ensemble das perfekte Zusammenspiel. Auch die Intonation ist lupenrein. Die abschließende Toccata ('Allegro') im funkensprühenden 6/8-Takt zeigt das böhmische Feuer, das auch im Komponisten steckt. Typische Synkopen erinnern an die Tänze von Dvořák und Smetana und machen das tschechische Kolorit der Heimat Martinůs allseits hörbar.

Als zweites Werk sind die sogenannten 'Bergerettes' H 275 vom Februar 1939 auf die neue Platte gepresst. Jaroslav Mihule schreibt im Vorwort der Editio-Supraphon-Ausgabe (heute Bärenreiter Praha): ‚Die Arbeit an den [Bergerettes] fällt in eine Zeitspanne, in der sich Martinů vorübergehend von seinem Schaffen für großes Orchester abgewandt hatte und das Ideal einer diskreten Feinarbeit mit kleinen Ensembles und kleinen Formen anstrebte. Diese Tendenz findet auch in dem Titel [zu Deutsch: ‚Schäferinnen‘] ihren Niederschlag – man fühlt, daß es sich hier um kein Klaviertrio im wahren Sinne dieser stabilisierten Form handelt.‘

In allen fünf Sätzen wird die musikalische Umdeutung dichterischer Pastorellen, die zarte Liebeshändel und ein idealisiertes Landleben inmitten der Natur zum Thema haben, vorangetrieben. Die 'Bergerettes' Martinůs atmen diesen Geist der Verspieltheit, der die klassische Musik vor Beethoven bewegte und hauchen ihm in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts eine gewisse Renaissance ein, die natürlich abrupt durch den Zweiten Weltkrieg gestoppt wurde. Die Motorik in der Nr. 1 ('Poco Allegro') nimmt schon diejenige aus dem 'Grande Trio' (gleiche Tonart C-Dur!) vorweg. Da schleudern die Sechzehntel nur so hin und her. Auch hier pendelt der Takt zwischen Dreiviertel- und Vierviertel-Puls unmerklich, so dass ein Trapez gespannt wird, bei dem der Hörer trotz viel vorhandenem Rhythmus in die Irre geleitet wird und quasi die Basis unter den Füßen verliert. Die Scherzo-Form zeitigt einen lyrischen Mittelteil, ehe der Anfang wiederholt wird. Das läuft alles sehr präzise beim Smetana Trio ab.

Das Trio Nr. 2 in d-Moll H 327 gehört, ebenso wie Martinůs Erstlingswerk in c-Moll, die sogenannten 'Cinq pièces brèves' H 193 (1930), zu den unbekannteren Werken der Gattung. H 327 entstand ein gutes Jahr vor dem 'Grande Trio', genau vom 10. bis zum 22. Februar 1950. Es ist dem Massachusetts Institute of Technologie (MIT) Cambridge gewidmet und wurde dort auch uraufgeführt und zwar am 14. Mai 1950 im Vorfeld der Eröffnung der „Hayden Memorial Library“, benannt nach Charles Hayden (1870-1937), einem MIT- Absolventen, der Investition in Bergbau dort studiert hatte. Er war auch ein Groß-Investor. Das Werk – besonders in seinem letzten Satz 'Allegro' – strotzt nur so vor Bewegung und Motorik und ist somit ein ‚echter‘ Martinů. Im ersten Satz 'Allegro moderato' dominiert die Moll-Bekümmernis. Verhaltene zarte Seitenstimmen lugen da hinter dem nebelverhangenen Vorhang hervor. Da steckt noch viel Impressionismus im Konzept. Alles ist auch tonal und klassisch im Duktus. Wirklich sehr konziliant. Ebenso verhalten macht das 'Andante' weiter. Die Streicher bezwingen hier mit lyrischer Kantilene, Pianistin Jitka Čechová kontrapunktiert und akkordiert dazu mit gespitzten Fingerkuppen. Sehr anregend! Vor allem die dynamische Zurückhaltung baut enorme Spannung auf. Das ist etwas für Nachteulen.

Furios eröffnet die Nr. 1 'Allegro moderato' des fünfsätzigen Trios Nr. 1 c-Moll H 193. Da passt kein Blatt Papier mehr zwischen die Töne, die wie von Geisterhand sich aneinander ketten und in rhythmisch strengen Bahnen wie von außen gelenkt scheinen. Die ständig wechselnden Taktarten geben dem Satz eine Unruhe, die einen biografischen Wendepunkt in Martinůs Leben anzeigen: Halbreich nennt das Trio Nr. 1 ein ‚gültiges Meisterwerk‘, in dem sich ‚die [in Paris] neu gewonnene Freiheit der Polyphonie zum ersten Male formuliere‘. Nur 10 Tage hat der Komponist für die Niederschrift benötigt, was ihn selbst verblüffte. Eine erste Berufung zum Professor am Brünner Konservatorium und weitere Berufungen später lehnte er jedoch ab. Er wollte erst die schöpferische Ernte seiner ‚Experimentierjahre‘ einbringen. Auch die Nr. 2 'Adagio' klingt exzeptionell. Nicht nur so dargeboten, sondern auch in ihrer dualistischen Anlage. So etwas hat Brahms auch gemacht in seinem c-Moll-Trio op. 101 im 'Andante grazioso'. Bei Martinů klingt es noch schmerzlicher, schroffer, weil dissonanter. Das darf es auch, obwohl es lediglich 44 Jahre danach ist. Doch der Weltkrieg liegt dazwischen. Vier Minuten ganz große Musik sind das. Was dann kommt, ist drei Mal reine Technik. Auch hier gibt es nichts dran zu deuteln. Eine Platte, die es verdient, angehört zu werden, wenn auch nur von einer kleinen Fangemeinde.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Martinu, Bohuslav: Die Klaviertrios

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Supraphon
1
04.03.2016
EAN:
BestellNr.:

099925419721
SU 4197


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Martinu, Bohuslav


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Supraphon

Supraphon Music ist das bedeutendste tschechische Musiklabel und besitzt bereits eine lange Geschichte. Der Name "Supraphon" (der ursprünglich ein elektrisches Grammophon bezeichnete, das zu seiner Zeit als Wunderwerk der Technik galt) wurde erstmals 1932 als Warenzeichen registriert. In den Nachkriegsjahren erschien bei diesem Label ein Großteil der für den Export bestimmten Aufnahmen, und Supraphon machte sich in den dreißiger und vierziger Jahren besonders um die Verbreitung von Schallplatten mit tschechischer klassischer Musik verdient. Die künstlerische Leitung des Labels baute allmählich einen umfangreichen Titelkatalog auf, der das Werk von BedYich Smetana, Antonín Dvorák und Leos Janácek in breiter Dimension erfasst, aber auch andere große Meister der tschechischen und der internationalen Musikszene nicht vernachlässigt. An der Entstehung dieses bemerkenswerten Katalogs, auf den Supraphon heute stolz zurückblickt, waren bedeutende in- und ausländische Solisten, Kammermusikensembles, Orchester und Dirigenten beteiligt.


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