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Donnerstag, 23. November 2017

Mahler, Gustav - Symphonie Nr. 7

Ruckender Kondukt


Label/Verlag: ACCENTUS Music
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine prägnant ausgearbeitete, konzise, durchaus diesseitig und naturnah empfundene Siebte von Mahler legt Riccardo Chailly auf einer Live-DVD mit dem Leipziger Gewandhausorchester vor.

Maestro Riccardo Chaillys Übersicht über Mahlers 80-minütige Siebte Sinfonie mit ihren fünf Sätzen ist, obwohl er die Partitur vor sich aufgeschlagen hat, phänomenal. Sehr feinsinnig und subtil werden die Nachtmusiken als jenseitige Traumbilder aufgefasst. Auch das elfenhaft leichte Scherzo löst die Partiturangabe ‚schattenhaft‘ bei aller hochvirtuosen Transparenz der Gewandhaus-Musiker voll ein. Glutvoll und zugriffig hart, aber auch mit orchestralem Glanz sind die Ecksätze ausmusiziert. Das dreisprachige Textheft (englisch-deutsch-französisch) enthält eine knapp und gut informierende Werkanalyse.

Vehemente, aber nie bullige Orchesterkraft obwaltet im Kopfsatz. Die dramatischen Trauergesten erlebt man machtvoll angestoßen. Neben straffer rhythmischer Disziplin dominieren grelle instrumentale Einfärbungen, zugespitzte Artikulation und eine scharf gestanzte Markanz. Sforzato-Effekte vermitteln den Eindruck eines ruckenden Kondukts. Das alles kontrastiert scharf mit den weich empfundenen lyrischen Geigen-Sentenzen und den zarten Solostellen im kammermusikalischen Piano. Auch der üppige Klang bitter-süßer Fülle, der momentweise durchscheint, lässt im Hörer den Wunsch aufkommen, die ganze Härte möge abklingen. Doch der prophetisch-stabile Posaunenruf fährt wie ein Jüngstes Gericht in die Idylle hinein. Wo Leonard Bernstein euphorischer, Michael Gielen vergeistigter war, da ist Riccardo Chailly direkt-diesseitig.

In den Nachtliedern lässt der Dirigent feines Kolorit auftragen. Die dynamisch extrem gestuften Hornrufe der ersten Nachtmusik suggerieren die Echo-Effekte der Hochgebirgswelt. Überhaupt spielen die Bläser mit einer derartigen Klangschönheit, dass der Satz etwas Bukolisches bekommt. Fein und als intime Miniatur liebevoll ausgehört erklingt auch der zweite Nachtsatz 'Andante amoroso'. Er ist mehr impressionistisches Genrebild als anrufendes Serenaden-Ständchen. Das Scherzo zieht als säuselnder Spuk vorüber. Die kontrapunktischen Gegenbewegungen sind nur behutsam angedeutet. Das Trio bekommt die huschende Eile der Schemen-Bewegung eines spukenden Geistes auf leisen Sohlen.

Wiederkehrender Elan

Das Rondo-Finale lässt Chailly dann kraftvoll vorwärtsstürmen. Er reduziert die Dynamik immer wieder, um von Neuem Elan zu mobilisieren. Diese umtriebige Final-Lebendigkeit ist auch den eleganten, spielerischen Zwischensätzen zu verdanken, die mitunter in sie fast versteckendes Piano abgedimmt werden. Die polyphonen Entwicklungen sind souverän und sicher verzahnt, die Freuden-Rhythmik konzis markiert. Alles ist klangakustisch bestens hörbar reproduziert. Die Regie nutzt das Bildformat voll aus und symbolisiert so das Allumfassende Mahlers optisch mit. Man wird so visuell zum Zeugen der Klangentstehung.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:







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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mahler, Gustav: Symphonie Nr. 7

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
ACCENTUS Music
1
11.09.2015
EAN:

4260234830996


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ACCENTUS Music

ACCENTUS Music wurde 2010 als Produktionsfirma mit einem sehr erfahrenen Team aus Produzenten, Regisseuren, Kameraleuten, Tonmeistern und Cuttern und als gleichnamiges DVD Label auf dem Klassikmarkt gegründet. Die Firma mit Sitz in der Musikstadt Leipzig, unweit der Thomaskirche, produziert weltweit erstklassige Konzertereignisse, Opern sowie Künstlerportraits und Dokumentarfilme. Auf den DVD- und Blu-ray Veröffentlichungen finden sich herausragende Künstler wie Claudio Abbado, Daniel Barenboim, Evgeny Kissin, Martha Argerich, Riccardo Chailly, Pierre Boulez, Joshua Bell, Lucerne Festival Orchestra, New York Philharmonic und das Simón Bolívar Jugendorchester. ACCENTUS Music erfüllt sowohl künstlerisch wie auch technisch höchste Ansprüche von Klassik-Liebhabern rund um den Globus.


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