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Donnerstag, 13. Dezember 2018

The Sound Of Weimar - Stücke von Franz Schubert und Franz Liszt

Der Klang des Lisztschen Weimar


Label/Verlag: Alpha Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Aufnahme des Orchester Wiener Akademie präsentiert den Weimarer Klang mit Orchesterwerken Franz Liszts und dessen Bearbeitung einzelner Schubert-Werke.

Franz Liszt war bekanntermaßen ein berühmter Komponist, der sich zeitlebens intensiv mit dem Schaffen anderer aufstrebender Komponisten und Musiker auseinandersetze. Wie das Booklet ausführlich beschreibt, gab es wohl kaum einen anderen Komponisten mit einem derartigen Pensum an musikalischen Bearbeitungen sowohl fremder als auch eigener Werke wie Franz Liszt.

Die im Jahr 2014 bei Alpha erschienene CD bildet durch die Aufnahme im Geburtsort Liszts eine besondere Nähe zum Komponisten, allerdings erklingen zu Beginn Stücke eines Wiener Klassikers an der Schwelle zur Romantik. Franz Schuberts heutige Bekanntheit gründet auch auf Bearbeitungen seiner Werke durch später wirkende Komponisten wie Mendelssohn, Schumann oder Liszt, die seine Werke bearbeiteten und an ihren jeweiligen Wirkungsstätten aufführten. Der 'Reitermarsch' aus den 'Deux Marches Caractéristiques' kennzeichnet die Übergänge Schuberts klassischer Ausbildung hin zur romantischen Musiksprache. Das ursprünglich für Klavier geschriebene Werk erhält durch Liszts orchestrale Bearbeitung zusätzliche Farbenvielfalt. In der Hervorhebung tänzerischer Holzbläserpassagen und Hornsignale in den Klaviermärschen Schuberts lässt sich Liszts musikalische Verbindung zu Beethoven förmlich heraushören. Geschickt fängt der Orchestrierungsvirtuose die Stimmungen der unterschiedlichen Phasen der Stücke ein, besonders der schwermütige Beginn des 'Trauermarsches' aus den 'Six Grande Marches' wirkt in Liszts orchestraler Fassung stark und mächtig. Schuberts 'Ungarischer Marsch' gewinnt durch die Bearbeitung des im ungarischen Kronland geborenen Liszt zusätzliches ungarisches Nationalkolorit.

Die 'Große Fantasie' op.15 erhält durch die musikalische Umstrukturierung die Charaktereigenschaften eines romantisch anmutenden Klavierkonzertes mit Orchester, jedoch bewahren die klassischen Satzmuster den ursprünglichen Gestus der sogenannten "Wanderer-Fantasie". Die vier in ihrem Wesen gänzlich unterschiedlichen Sätze verdeutlichen die variierenden Arten des Zusammenspiels zwischen dem filigranen Pianisten Gottlieb Wallisch und dem Orchester Wiener Akademie.

Den Abschluss der Aufnahme bilden drei Werke Franz Liszts, jeweils mit starken autobiografischen Bezügen. Das Orchester Wiener Akademie zeigt hier die dunkler gefärbte musikalische Seite Liszts und fängt den trauernden Charakter der beiden Traueroden 'Les Morts' und 'La Notte' ein. Beeindruckend hierbei ist der Kontrast zur Aufnahme der Schubert-Fantasie. Während letztere im tänzerisch-leichtfüßigen Charakter dargeboten wurde, erklingen die Traueroden in voller Schwere. Beide Wesensarten fusionieren in 'Vexilla Regis Prodeunt', der Kreuzeshymne. Weiche Streicher-Holzbläser-Passagen werden von bedrohlichen Blechbläserklängen vertrieben. Schließlich vermischen sich beide Klangfarben und klingen ab.

Die Aufnahme zeigt die musikalische Sensibilität der Interpreten, die jegliche musikalische Stimmungen der dargebotenen Werke eindrucksvoll einfangen und somit dem Hörer eine spannende Aufnahme liefern. Auch die Dramaturgie erweist sich als äußerst abwechslungsreich und beinhaltet durch die Bearbeitung der 'Großen Fantasie' als Klavier-Orchester-Dialog einen besonderen Höhepunkt. Für Verehrer der symphonischen Dichtungen Franz Liszts ist diese Aufnahme ein Muss.

Robert Pfretzschner Kurzkritik von Robert Pfretzschner,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    The Sound Of Weimar: Stücke von Franz Schubert und Franz Liszt

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Alpha Classics
1
02.10.2015
EAN:

370014194719


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Alpha Classics

"Haute-Couture-Label", "Orchidee im Brachland der Klassikbranche" oder schlicht "Wunder", das sind die Titel mit denen das französische Label ALPHA von der Fachpresse hierzulande bedacht wird. In der Tat ist die Erfolgsgeschichte des Labels ein kleines Wunder. Honoriert wurde hiermit die Pionierlust und Entdeckerfreude des Gründers Jean-Paul Combet und die außerordentliche Qualität seiner Künstler und Ensembles (z.B. Vincent Dumestre, Marco Beasley, Christina Pluhar u.v.a.), aber auch die auffallend schöne, geschmackvolle Präsentation der Serie "ut pictura musica" mit ihren inzwischen mehr als 200 Titeln. Das schwarze Front-Layout und die Grundierung mit venezianischem Papier im Innern sind mittlerweile genauso zum Markenzeichen geworden wie die ausgesprochen stimmungsvollen Fotografien der Aufnahmesitzungen durch den Fotografen Robin Davies. Das Programm umfasst die Zeitspanne von der mittelalterlichen Notre Dame-Schule bis hin zur klassischen Moderne, doch ist nach wie vor ein deutlicher Schwerpunkt auf Alte Musik zu erkennen. Innerhalb des Labels möchte die zweite, auch "Weiße Reihe" genannte, Serie "Les Chants de la terre" die ältesten Quellen musikalischen Ausdrucks erkunden. Mit Virtuosität und Spielfreude widmet man sich hier dem Beziehungsfeld von schriftlich überlieferten und mündlich weitergegebenen Musiktraditionen, um alte Melodien zu neuem Leben zu erwecken. Trotz akribischer musikwissenschaftlicher Recherche geht es hier nicht um eindimensionale, akademisch trockene Werktreue, sondern um lebendigen Umgang mit altem Material.


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