> > > Transkriptionen: Orgelwerke von Maurice Ravel, Gabriel Faure und Franz Liszt
Samstag, 19. Januar 2019

Transkriptionen - Orgelwerke von Maurice Ravel, Gabriel Faure und Franz Liszt

Französischer Geist


Label/Verlag: Querstand
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Peter Kofler bietet ein faszinierendes Programm an Orgel-Transkriptionen, das auf den ersten Blick heterogen scheint, sich aber zu einem spannenden Bogen rundet.

Seit 2008 ist Peter Kofler Organist an der Jesuitenkirche München, deren Sandtner-Orgel aus den Jahren 1982/3 2011 durch de Orgelbaufirma Rieger reorganisiert und erweitert wurde. So kann es nicht überraschen, dass für das vorliegende vorwiegend ‚französische‘ Programm eine Vielfalt an passenden spannenden Farben zur Verfügung steht, die selbst eine Frage, die sich dem Rezensenten im Vorfeld der Besprechung stellte, sich quasi von selbst beantworten ließ.

Maurice Ravel, Gabriel Fauré, Claude Debussy – keiner dieser drei Komponisten lässt sich so ohne weiteres mit Orgelmusik assoziieren. 'Daphnis et Chloé' (Suite Nr. 2) und die 'Pelléas et Mélisande'-Suite sind überdies nicht unbedingt Werke, an die man bei Transkriptionen so bald denken würde – sehr viel mehr Debussys 'Clair de lune' –, doch erweisen sich alle drei Werke nach kurzer Eingewöhnung als überraschend gut geeignet. Die reiche Klangfarbenpalette bei diesen drei Kompositionen führt zu fast kongenialen Neuschöpfungen. Ungeachtet der Frage, ob diese Perspektive im engeren Sinne kirchenmusikalisch akzeptabel ist (gerade bei 'Daphnis et Chloé', aber auch bei Franz Liszts 'Prometheus' muss diese Frage gestattet sein) – musikalisch ist sie nicht nur akzeptabel, sondern vor allem auch überzeugend.

In der Pantomime von 'Daphnis' (Transkription David Briggs) findet Peter Kofler an ‚seiner‘ Orgel eine Vielheit an Schattierungen und Tönungen, die den Zuhörer den Atem anhalten lässt, damit man auch keinen beeindruckenden Moment verpasst. Klarer noch als sonst wird das Verdienst, das die französischen Impressionisten auch für einen Musiker wie Olivier Messiaen hatten. Ein gewisses Problem, etwa im Finale der 'Daphnis-Suite', bietet der starke Nachhall der Jesuitenkirche, der die dichte Textur der Musik teilweise ein wenig verunklart. Doch ist dies vielleicht auch nur ein scheinbares Problem – die Transparenz bleibt insgesamt im Grunde gewahrt, die Steigerungen werden teilweise fast physisch erlebbar.

Den fast neoklassizistischen Duktus der 'Pelléas'-Partitur betont die Orgeltranskription von Louis Robillard indirekt, generiert aus den originären Orchestersätzen fast Sätze einer regelrechten Orgelsuite, die man durchaus mit der Traditionslinie Vierne-Widor in Verbindung setzen kann. Diese spannende Perspektive kann 'Clair de lune' (Transkription Peter Kofler), vielleicht weil allzu häufig bemüht und wegen des nicht ohne Grund ursprünglich gewählten Titels 'Prélude sentimentale', nicht ganz halten.

Die oben erwähnte Frage betrifft die Wahl der Transkription von Franz Liszts 'Der Heilige Franz von Paula auf den Wogen schreitend'. Max Reger hat hierzu 1901 eine wenig bekannte Orgelfassung vorgelegt, die Heinz Wunderlich 1973 uraufführte. Die hier von Lionel Rogg gewählte Version ist mindestens ebenso organistisch, musikalisch insgesamt vielleicht auch noch dramatischer – hierdurch aber auch etwas deskriptiver. Ähnliches kann für Liszts Symphonische Dichtung 'Prometheus' gelten, hier in der Transkription Jean Guillous präsentiert – ein vollwertiges Pendant zu den Werken der drei Franzosen: Das ist dramatische Musik, musikdramatisch packend, kongenial dargeboten. 'Daphnis' und 'Prometheus' als Pole, zwischen denen sich die drei in musikalischer Faktur und Herkunft durchaus ganz unterschiedlichen Kompositionen positionieren, das ist dramaturgisch exzellent austariert, bietet einen ganz eigenen Klangkosmos, der nicht nur die Möglichkeiten der Orgel erkundet, sondern auch ganz unterschiedliche stilistische und interpretatorische Herausforderungen stellt.

Am wenigsten überzeugend von der gesamten Produktion ist leider das Booklet, das gerade bei dem Blick auf die Musik denn doch etwas oberflächlich bleibt und den ‚roten Faden‘ der CD nicht zusätzlich vertiefend erkundet. Hier hätten ein paar Zeilen von der Hand des Interpreten vielleicht gut getan. Aber das sind natürlich minder wichtige Einwände angesichts einer musikalisch und auch aufnahmetechnisch ansonsten durchaus überzeugenden Produktion.


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Transkriptionen: Orgelwerke von Maurice Ravel, Gabriel Faure und Franz Liszt

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Querstand
1
02.12.2015
EAN:

4025796014020


Cover vergössern

Querstand

Mit viel Liebe zum Detail bringt das querstand-Label dem interessierten Hörer die Vielfalt und Schönheit der klassischen Musik auf wenig ausgetretenen Pfaden näher. Das Label hat sich seit 1994 durch die Produktion hochwertiger klassischer CDs einen ausgezeichneten Ruf erworben. Über 500 Produktionen werden weltweit vertrieben, wobei ein Augenmerk auf Orgelmusik liegt. Die Gesamteinspielung der Orgelwerke von Johann Ludwig Krebs (bisher 11 CDs) und des Kantaten- und Orchesterwerkes des berühmten Bachschülers bilden ein Glanzlicht des Labels, dem mit der Serie ?Die Orgeln von Gottfried Silbermann? (8 CDs) ein weiteres zur Seite gestellt wurde (Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik 2003). Auch im kammermusikalischen und sinfonischen Bereich wurden zahlreiche CDs veröffentlicht, etwa mit dem Gewandhausorchester Leipzig. Mit der Aufnahme des Passionsoratoriums ?Der Tod Jesu? von Carl Heinrich Graun mit dem MDR Rundfunkchor und dem MDR Sinfonieorchester unter Howard Arman gewann das Label 2005 einen ECHO Klassik-Award. Im Jahre 2013 erhielt die 9-CD-Box mit allen Sinfonien Anton Bruckners, eingespielt von Herbert Blomstedt mit dem Gewandhausorchester Leipzig, den ICMA (International Classical Music Award). Mit Verlagssitz im Thüringischen Altenburg kann querstand von der einzigartigen Vielfalt der mitteldeutschen Musiklandschaft profitieren, die sich auch im Verlagsprogramm niederschlägt. Neben den vielseitigen Einflüssen der fantastischen Orgellandschaft der Region, ist es auch die Nähe zur Musikstadt Leipzig mit ihrer wunderbaren Tradition und facettenreichen Szene, auf die das Label besonderes Augenmerk richtet.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Querstand:

  • Zur Kritik... Mitteldeutsche Orgelromantik: Wer glaubt, dass die Orgelmusik sich zur Zeit der Romantik auf Mendelssohn-Bartholdy und Max Reger beschränke, wird hiermit eines Besseren belehrt. Außer Mendelssohn wurden drei andere, zumeist unbekannte Komponisten eingespielt. Weiter...
    (Diederich Lüken, )
  • Zur Kritik... Wenig innig: Weitgehend entschlackte Sichtweise auf einen Komponisten der musikalischen Romantik. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Lebendige Musikpflege: Eine runde und hochwertige h-Moll-Messe und ein lebendiges Abbild der engagierten und fruchtbaren Arbeit Michael Schönheits in Merseburg. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von Querstand...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Jürgen Schaarwächter:

  • Zur Kritik... Vorbildliche Referenz: Eine weitere Folge von Caroline Weicherts herausragender Schulhoff-Edition. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Jenseits der Zeiten: Der Musiker als eklektischer Komponist – und als leider nicht genügend restaurierter Interpret seiner eigenen Musik. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Ein treues Weib mal anders: Ein wichtiges, äußerst erhellendes Werk der Musikgeschichte in leider allzu minderwertiger Wiedergabe. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Jürgen Schaarwächter...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Goldstandard: Das Orlando Consort steht seit einigen Jahren für den Goldstandard bei Guillaume de Machaut. Und die Vokalisten setzen das im sechsten Teil ihrer Reihe ohne Mühe fort. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Spannender 'Macbeth' mit eklatanter Schwäche: Gäbe es in einer zentralen Partie keinen Totalausfall, müsste man diesen 'Macbeth' dringend empfehlen. So bleibt er ein Dokument für historisch Interessierte oder eingefleischte Fans einzelner Künstler. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Lebendige Musik: Rubén Dubrovsky interpretiert zusammen mit Andreas Scholl, dem Salzburger Bachchor und dem Bach Consort Wien Werke von Antonio Vivaldi aus seiner Zeit als künstlerischer Leiter in einem venezianischen Waisenhaus. Weiter...
    (Anneke Link, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

Class aktuell (4/2018) herunterladen (2986 KByte) NOTE 1 - Mitteilungen (1/2019) herunterladen (2248 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich