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Dienstag, 21. November 2017

Violinkonzerte - Gernsheim, Friedrich

Fürsprache für einen fast Vergessenen


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Linus Roth widmet sich den Violinkonzerten Friedrich Gernsheims und macht sich zum Fürsprecher dieser selten erklingenden Musik.

Die Musik von Friedrich Gernsheim (1839-1916), so Jens S. Lourson in seinem vierseitigen, substanzreichen Booklet-Text, sei ‚geradezu das Sinnbild einer ganzen Kulturepoche‘ – verströme sie doch in gewissem Sinne den ‚Zeitgeist‘ der Gesellschaft aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, was sich vor allem in ihrer Vertrautheit äußere: ‚Auch wenn wir sie noch nie gehört haben, erscheint uns Gernsheims Musik sofort vertraut, da sie ganz im Geiste der deutschen Romantik verfasst und Mendelssohn, Schumann, Brahms und Bruch beeinflusst ist.‘ Die vorliegende cpo-Produktion mit den beiden im Abstand von drei Jahrzehnten zueinander entstandenen Violinkonzerten Nr. 1 D-Dur op. 42 (1880) und Nr. 2 F-Dur op. 86 (1912) sowie dem kurzen Fantasiestück D-Dur op. 33 (1876) kann als deutlicher Beleg für diese Behauptung gelten. Dabei fällt als wesentliche Charakteristik der lyrische Ausdruck auf, der in den beiden Konzerten selbst dort dominiert, wo der Komponist den Solopart mit allerlei technischen Schwierigkeiten ausgestattet hat.

Dies ist auch der Leitgedanke, an dem sich die Wiedergabe durch den Geiger Linus Roth und die Hamburger Symphoniker unter Leitung von Johannes Zurl orientiert. Bereits der Beginn der CD führt die Qualitäten der Aufnahme plastisch vor, denn die in Bezug auf die Instrumentalfarben klanglich sorgfältig ausbalancierte, zunächst den Holzbläsern und Hörner anvertraute und schließlich das ganze Orchester ergreifende Exposition des D-Dur-Konzerts nimmt einen sofort gefangen: Das einfache Thema, das trotz der 'Allegro non troppo'-Angabe und dem auf mäßigen Halben gehenden Tempo ruhig wirkt, wird hier in einem über 54 Takte reichenden, besonders klangschön gestalteten Instrumentationscrescendo entfaltet und gibt dann dem selbstbewussten, kadenzartigen Ansatz des Solisten Raum, der nun seinerseits die Führung des Geschehens übernimmt und die thematischen Gedanken immer stärker ausschmückt.

Roths Zugriff ist zupackend: Der Geiger weiß, wie diese Musik zu handhaben ist, und vermag der Musik mit einer erfrischend variablen Mischung aus sonorer Tonformung und leichtfüßig umgesetzter Virtuosität unter die Arme zu greifen, ohne indes die große Geste und den dramatischen Ausdruck – exemplarisch etwa in der mächtigen Kadenz von op. 42 an der Übergangsstelle von Durchführung zur Reprise des Kopfsatzes – zu verschmähen. Zu den schönsten Momenten der Einspielung gehören vor allem all jene Momente, wo er ganz über den Dingen zu stehen scheint, so wenn er beispielsweise im eleganten Kopfsatz des F-Dur-Violinkonzerts mit den hier eher kammermusikalisch eingesetzten Klangfarben des Orchesters in Wechselwirkung tritt, wenn er den Gesang des Soloparts im Fis-Dur-Mittelteil des ersten Konzerts zu einem wahren Strahlen formt oder wenn er im Fantasiestück, gleichfalls die kantablen Anteile voll ausspielend, das Orchester mit seinem Spiel regelrecht an der Hand führt. Danach wünscht man sich eigentlich nur noch, diese Werke gelegentlich auch einmal im Konzertsaal hören zu können.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Violinkonzerte: Gernsheim, Friedrich

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
1
15.09.2015
EAN:

761203786121


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Gernsheim, Friedrich
 - Violinkonzert Nr.1 in D-Dur op. 42 - Allegro non troppo
 - Violinkonzert Nr.1 in D-Dur op. 42 - Andante affetuoso
 - Violinkonzert Nr.1 in D-Dur op. 42 - Finale. Allegro energico e con brio
 - Fantasiestück für Violine & Orchester in D-Dur op. 33 -
 - Violinkonzert Nr.2 in F-Dur op. 86 - Allegro risoluto
 - Violinkonzert Nr.2 in F-Dur op. 86 - Andante cantabile
 - Violinkonzert Nr.2 in F-Dur op. 86 - Allegro giocoso


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Dirigent(en):Zurl, Johannes
Orchester/Ensemble:Hamburger Symphoniker
Interpret(en):Roth, Linus


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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