> > > Distler, Hugo: Die Weihnachtsgeschichte op. 10
Mittwoch, 30. November 2022

Distler, Hugo - Die Weihnachtsgeschichte op. 10

Schönheit des zweiten Blicks


Label/Verlag: Carus
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine ausgewogen feine Deutung der Weihnachtsgeschichte von Hugo Distler durch das Athesinus Consort Berlin und Klaus-Martin Bresgott.

Hugo Distlers 'Weihnachtsgeschichte' op. 10 aus dem Jahr 1933 ist eine seiner populärsten Kompositionen. Entstanden in den glücklichen Lübecker Jahren, fand sie schon zu Lebzeiten des Komponisten positive Aufnahme. In der aktuell vorliegenden Interpretation durch das von Klaus-Martin Bresgott geleitete Athesinus Consort Berlin ist sie mit einer schönen Reihe weiterer charakteristischer Motetten gekoppelt, darunter die ausgreifende Nummer vier aus der 'Geistlichen Chormusik' op. 12 'Singet frisch und wohlgemut': Gerade hier werden die metrisch und rhythmisch so eigentümlichen Komplexitäten in Verbindung mit innigster Klangschönheit ideal verdeutlicht, der leicht verwehende Duktus, der neben vibrierender Energie und dem sich aus satztechnischer Strenge ergebenden rauen harmonischen Reichtum. Jener Personalstil also, der Distlers Musik im Grunde unverwechselbar macht.

Die Weihnachtsgeschichte selbst im Kern des Programms ist in ihrer affektiven Haltung schlicht, auf eine dezente Weise stimmungsvoll, wirkt licht, nie überladen, behutsam aus dem wunderbaren Text der Weihnachtsevangelien entfaltet, hervorgebracht, empfunden – freilich ohne je empfindsam oder gar gefühlig zu sein. In diesem konzentrierten Ton, in der Schlüssigkeit von Geste und Satz ist sie in ihrem Rang wohl nur der Weihnachtsgeschichte von Heinrich Schütz vergleichbar, zu der sie einige bemerkenswerte Parallelen aufweist.

Behutsame Deutung

All das greift das Athesinus Consort von Klaus-Martin Bresgott absolut gelungen auf. Man hört jeder Phrase an, dass die Vokalisten intim vertraut sind mit dem Idiom Distlers: In exzellent geformten Registern wird ein leichtes Klangideal geformt, verbunden mit der Fähigkeit, weite Bögen zu spannen, Distlers oft spröden Lyrismus zu verlebendigen. Die Soprane singen silbrig-klar, gelegentlich mit einem Hang zur Schärfe, die Mittelstimmen überzeugen mit schlanker Beweglichkeit ebenso wie die Bässe, die jene bei Distler so angemessene weiche Fülle präzis zu entfalten wissen. Die Textverständlichkeit ist vorbildlich, die Intonation problemlos.

Das Geschehen in der Weihnachtsgeschichte wird maßgeblich vom Evangelisten vorangetrieben. Und diesen Part singt Thomas Volle auf einer vorbildlichen Linie, in dezenter, nie vordergründig dramatisierter Eloquenz. Er bringt die vor allem schlichte Geste seiner Partie ohne äußeres Wollen zur Blüte und weiß, wann immer das gefordert ist, auch in deutlicher stimmlicher Entfaltung zu überzeugen. Auf Augenhöhe mit Volle bewegen sich die aus dem Ensemble hervortretenden Soliloquenten. Klanglich überzeugt ein sehr schön dimensionierter Raum, die klare Disposition der Präsentation, die feine strukturelle Note: Ein insgesamt stimmiges, verhalten erwärmtes Bild.

Diese Musik ist kein Vergnügen für den ersten Blick, für das Hören im Vorbeigehen. Wenn man aber einen Zugang findet, wenn man sich konzentriert, sich auf Distlers Ästhetik einlässt, dann wird man reich belohnt – auch dank der sehr stimmigen Deutung des Athesinus Consorts.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Distler, Hugo: Die Weihnachtsgeschichte op. 10

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Carus
1
04.09.2015
75:36
2014
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4009350834729
8347200


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"Die "Weihnachtsgeschichte op. 10" galt schon zu Lebzeiten als eines der beliebtesten geistlichen Werke des jungen Hugo Distler und ist in ihrer berührenden Zartheit eine der schönsten Versuchungen für jedes A-cappella-Ensemble in der Advents- und Weihnachtszeit. Durch das Geschehen führt ein Erzähler, den Hugo Distler in klassischer Form nach dem frühbarocken Vorbild der A-cappella-Passionen besetzt. Das Athesinus Consort Berlin, das alle Soli aus dem Chor heraus besetzt, überzeugt mit Expressivität und Wärme, lupenreiner Intonation und extremer Beweglichkeit der Stimmen."


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Carus

Der Name Carus steht weltweit als ein Synonym für höchsten Anspruch und Qualität auf dem Gebiet geistlicher Chormusik. Dies betrifft nicht nur unsere zuverlässigen Noteneditionen vieler zu Unrecht in Vergessenheit geratener Werke. Es ist uns ein besonderes Anliegen, gerade diese Werke - oft als Weltersteinspielungen - auch in exemplarischen Interpretationen durch hochrangige Interpreten und Ensembles auf CD vorzulegen. Der weltweite Erfolg unseres Labels führte zur Erweiterung unseres Katalogs: Neben der Chormusik, die weiterhin den Schwerpunkt des Labels bildet, haben gerade in den letzten Jahren einige Aufnahmen barocker Instrumentalwerke internationale Beachtung gefunden. Unsere Zusammenarbeit mit erstklassigen Interpreten führte zu einer hohen Klangkultur, die mit der Verleihung vieler internationaler Preise honoriert wurde (Diapason d'Or, Preis der Deutschen Schallplattenkritik, Gramophone - Editor's choice).


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