> > > Beethove, Ludwig van: Die Violinsonaten Vol. 2
Samstag, 24. Februar 2018

Beethove, Ludwig van - Die Violinsonaten Vol. 2

Herausragendes Doppel


Label/Verlag: Gramola
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Nach der rundum sehr positiv bewerteten ersten Folge ihrer Gesamteinspielung der Violinsonaten Ludwig van Beethovens erscheint nun Vol. 2 mit dem Beiger Thomas Albertus Irnberger und dem Pianisten Michael Korstick.

Die Anzahl der auf dem Markt verfügbaren Einspielungen der Beethovenschen Violinsonaten ist langsam, aber sicher ins Unüberschaubare angestiegen, auch in Bezug auf Gesamteinspielungen. Der junge Salzburger Geiger Thomas Albertus Irnberger, der sich schon bestens auf dem Plattenmarkt eingeführt hat, stellt sich ebenfalls dieser Herausforderung - und der Konkurrenz. Sein musikalischer Partner dieses Projekts ist der Kölner Pianist Michael Korstick, einer der führenden Beethoven-Interpreten der Gegenwart, der mit diesem Projekt auch sein kammermusikalisches Gespür unter Beweis stellt. Auf der nun veröffentlichten zweiten Folge sind die Sonaten Nr. 1-3 (op. 12) und Nr. 8 (op. 30 Nr. 3) zu hören; erschienen ist das Ganze beim österreichischen Label Gramola.

Beide Musiker verstehen Beethovens Musik in ähnlicher Weise, bleiben jedoch ihrer Haltung und Tongebung treu. Auch die künstlerische Herangehensweise der beiden Musiker ergänzt sich: Korsticks Spiel ist markant und stellenweise scharf, was sich mit Irnbergers wohl dosiertem Vibratoeinsatz außerordentlich gut verträgt. So werden dem Hörer an manchen Stellen gewissermaßen die Ohren geputzt und die alten Hörgewohnheiten ordentlich auf den Kopf gestellt. Doch gerade diese Herangehensweise steht den Sonaten gut zu Gesicht. Bei aller Entschlackung verliert Irnbergers Vortrag jedoch nicht an Spannungsreichtum und legt eine breite Palette an musikalischer Gestik frei. In den langsamen Sätzen wird durch den im Piano geforderten leisen Tonfall eine Welt voller Zartheit und Empfindsamkeit eröffnet, was eine große Bandbreite klanglicher wie auch emotionaler Färbungen mit sich bringt. Dies offenbart sich am intensivsten im 'Adagio con molta espressione' der Sonate Nr. 3 Es-Dur op. 12. Innig scheinen die beiden Musiker miteinander zu agieren, lassen einander aussprechen und führen die Gestik des anderen sensibel weiter. Die feinsinnig herausgearbeiteten dramatischen Wendungen werden stets behutsam zurückgeführt.

Den Einstieg bildet die Sonate Nr. 8 G-Dur op. 30/3 – er hätte kaum prägnanter oder energischer sein können. Die motivischen Läufe in Violine und Klavier können miteinander verschmelzen, sich voneinander absetzten und auseinander hervorgehen. Der große dynamische Kontrast lässt dieses Wechselspiel noch lebendiger werden. Dem Überschwang folgt das 'Tempo di minuetto, ma molto moderato e grazioso', in dem sanftere Töne anschlagen werden; Korstick arbeitet hier die Linien fein heraus und Irnberger folgt in weichem Violinenklang. Das 'Allegro vivace' bildet einen fulminanten Schlusspunkt für das einzige spätere Sonatenwerk dieser Aufnahme – vorwärtsstrebend, stellenweise aufbrausend, doch nie gehetzt.

Die Rolle von Michael Korstick ist auf dieser Einspielung keineswegs zu unterschätzen, dominiert doch das Klavier in den ersten Sonaten. Dieses Verhältnis gleicht sich erst in der F-Dur-Sonate op. 24, der sogenannten ‚Frühlingssonate‘ (die auf der dritten Folge erscheinen wird) in Richtung der Violine an. Ein nicht zu unterschätzendes Detail, in Anbetracht dessen, dass auf dieser CD die ersten drei Sonaten op. 12 zu hören sind. Diese orientieren sich formal noch am Mozartschen Vorbild, dennoch sind auch deutlich Elemente von Beethovens späterer musikalischer Sprache zu erkennen. Das mag das geneigte Ohr des zeitgenössischen Publikums wohl durchaus gefordert haben.

Auch hier bleiben Irnberger und Korstik ihrem Ansatz treu: Der absolut notengetreue Kurs und das stellenweise ‚radikale‘ Musizieren lassen einen lebendigen, knackigen und präzise ausformulierten Vortrag und Dialog der beiden Interpreten entstehen. Dieser Zugang ist manchmal durchaus unbequem, als Hörer hat man so aber auch die Möglichkeit, Beethoven neu zu entdecken. Mit dieser zweiten Folge wird letztendlich einmal mehr ihr Potential zum Referenzzyklus unterstrichen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Beethove, Ludwig van: Die Violinsonaten Vol. 2

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Gramola
1
27.04.2015
EAN:

9003643990517


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Gramola

Gramola wurde im Jahr 1924 als Detailgeschäft und Vertrieb der beiden englischen Plattenlabels „Gramola“ und „His Master’s Voice“ gegründet. Durch den damaligen Vertrieb dieser Labels ist eines der ganz wenigen, weltweit noch existierenden Originalbilder des legendären, der Stimme seines Herrn lauschenden Hundes „Nipper“ noch heute im Geschäft zu besichtigen. Das Unternehmen ist heute das älteste Tonträgergeschäft Österreichs und arbeitet inzwischen als Familienbetrieb in der fünften Generation. In internationalen Rankings um das beste Klassikfachgeschäft der Welt nahm Gramola mehrmals Spitzenränge ein. Das denkmalgeschützte Geschäftslokal in Wien am Graben wurde nach einem Jugendstilentwurf von Dagobert Peche in den frühen Zwanzigerjahren des vorigen Jahrhunderts erbaut.

Vor etwa 10 Jahren wurde bei Gramola die Produktion von Klassik-CDs wieder aufgenommen und konnte seither durch seine international vielfach ausgezeichneten Produktionen den allerhöchsten Qualitätsstandard österreichischer Musikschaffender nachdrücklich unter Beweis stellen. Gramola-CDs sind inzwischen in allen klassikinteressierten Ländern zwischen Tokyo und New York zu haben. Ergänzt wird das Gramola-Angebot durch ein Webshop, das rund um den Kalender bereitsteht, Kundenwünsche auch außerhalb regulärer Ladenöffnungszeiten zu erfüllen.


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