> > > Beethoven: Symphonie Nr. 3 (Version für Klavierquartett)
Donnerstag, 9. Juli 2020

Beethoven - Symphonie Nr. 3 (Version für Klavierquartett)

Entdeckungsreise zum "unerhörten" Beethoven


Label/Verlag: Metier Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Klavierquartett-Bearbeitung von Beethovens Dritter Sinfonie verschafft einem die Möglichkeit, das Werk wie neu zu hören. Daran haben die exzellenten Interpreten einen ganz entscheidenden Anteil.

Vor der Erfindung der Aufnahmetechnik war die Bearbeitung von Orchesterwerken für kammermusikalische Besetzungen ein gängiges Verfahren, umso mehr, da auch die Zusammensetzung der Orchester noch nicht verbindlichen Normen unterworfen war. Bearbeitungen symphonischer Werke für Kammerensemble gerieten in dem Maße in Vergessenheit, in dem sich das Musikleben dahin entwickelte, dass auch außerhalb der Metropolen Sinfonien vom Schlage Beethovens in ihrer orchestralen Originalgestalt aufgeführt werden konnten. Im 20. Jahrhundert, als das Werktreue-Ideal einerseits und technische Medien andererseits an Einfluss gewannen, verbannte man solche Transkriptionen gänzlich auf den Dachboden der Musikgeschichte.

In der Reihe ‚Beethoven explored‘ des Labels Metiér liegt nun Beethovens Dritte Sinfonie in einem Arrangement für Klavierquartett vor, das 1807 im Druck erschienen ist. Spannend hieran ist, dass es im Gegensatz zu einigen weiteren Einrichtungen der ‚Eroica‘ noch zu Beethovens Lebzeiten entstanden ist. Einige Forscher vermuten, dass Beethoven selbst diese Fassung betreut hat, da er selbst der Auftraggeber war.

Wer nun einen knöchernen, blutleeren Beethoven erwartet hatte, wird eines Besseren belehrt. In keinem Moment vermisst man den orchestralen Klang. Aaron Shorr (Klavier), Peter SheppardSkaerved (Violine), Dov Scheindlin (Viola) und Neil Heyde (Cello) gelingtg eine in vielerlei Hinsicht überzeugende Interpretation. Sie überzeugen nicht nur durch schlanke, dynamische Proportionen, sondern durch gleichsam zur ‚Wahrheit‘ gebrachte zentrale Ausdrucksmomente.

Die motivische Entfaltung wird mit einer außergewöhnlicher Deutlichkeit und scharfer Attacke nachvollziehbar, gerade an den ‚Knackpunkten‘, zum Beispiel am Übergang von der Exposition zur Durchführung im ersten Satz oder der Coda des letztes Satzes. Der zweite Satz wird spannungsreich, lebhaft, von Kontrasten ebenso bewegt wie von innerer Logik gekennzeichnet musiziert.

Die Aufnahme gewährt einen großartigen Einblick in die Kompositionswerkstatt Beethovens und ermöglicht, dass man die Dritte Sinfonie gewissermaßen als neues Werk erlebt. Der Dirigent und Musikwissenschaftler Peter Gülke sprach im Zusammenhang mit der Dritten Sinfonie von einer Musik, die an ‚den Rändern der Integrierbarkeit angesiedelt‘ sei, und es ist eben dieses Moment, das diese Musik noch immer so überaus modern erscheinen lässt. Genau das gelingt mit dieser Aufnahme und macht sie so anregend, hebt sie in den Rang des Exemplarischen. Nicht weil hier eine Einspielung vorgelegt wurde, die den Status des Endgültigen für sich beansprucht, sondern weil sie eben genau das negiert. Fazit: Eine famose Aufnahme, geprägt von technischer Akribie, historisch-stilistischer Feinfühligkeit und nachschöpferischer Empfindungsfähigkeit.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Beethoven: Symphonie Nr. 3 (Version für Klavierquartett)

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Metier Records
1
26.01.2015
Medium:
EAN:

CD
809730008825


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Metier Records

1992 gegruendet, hat METIER schnell einen Namen fuer eine augezeichnete moderne Repertoire- und Produktionsqualitaet erworben. Metier ist mittlerweile einer der wichtigsten Namen der heutigen klassischen Musik ? durch die Zusammenarbeit mit Tonkünstlern aus Grossbritannien, aber auch international mit grossen Komponisten der Welt wie Roberto Gerhard, Charles Ives, George Crumb, Walter Zimmermann, Georg Rochberg, unter anderen.

Metier stellt eine breite Auswahl von musikalischen Stilen und Ideen der ganzen heutigen Komposition vor und schliesst eine grosse Zahl von wichtigen Weltpremieren, insbesondere der Komponisten, welche von den multinationalen Firmen vernachlaessigt werden, mit ein. Metier legt keinen grossen Wert auf schwaermerisches Werbematerial, Prominenten-Empfehlungen und falsche Versprechungen, die die moderne Reklame charakterisieren, sondern einfach auf kuenstlerische Qualitaet. Metier ist daher ein unentbehrlicher Name fuer serioese Sammler.

Die Firma stellt in ihrer ?Re-appraisal? (Neubewertung) Serie auch Musik der Vergangenheit dar ? zum Beispiel Bach und Beethoven, aber mit neuen Herangehensweisen von hochrangigen Künstlern, deren Erfahrung und Innovationsgeist neue, faszinierende Interpretationen hervorbringen.

METIER hat 12 ?CD of the Year? und ?Critic?s Choice? Preise gewonnen und wurde 2007 ein Teil der Divine Art Gruppe. Eine neue Serie von wichtigen modernen Werken ist im Werden, abermals von sehr positiver Kritik begleitet.


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