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Donnerstag, 27. April 2017

Beethoven, Ludwig van - Sämtliche Klavierstücke

Neues von Beethoven?


Label/Verlag: CAvi-music
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Tobias Kochs Annäherung an die "freien" Stücke Ludwig van Beethovens profitiert von dem Klangfarbenspiel der verwendeten historischen Instrumente sowie Kochs subtiler Gestaltung.

Gleichzeitig zu Ronald Brautigams Gesamteinspielung von Beethovens Klaviermusik legt Tobias Koch auf gut zwei CDs immerhin die freien Klavierstücke vor, also die Werke, die keine Sonaten, Variationswerke und Tänze sind. In einigen Fällen ist er inkonsequent – er integriert diverse Stücke, die ursprünglich für Sonaten gedacht waren (dies teilt der Booklettext leider nicht mit – überhaupt gibt dieser viel zu wenig Informationen zur Genese der einzelnen Stücke), und auch die Polonaise C-Dur op. 89 hat er eingespielt. Aber stört diese Inkonsequenz auch nur im Mindesten? Keineswegs, denn anders als nahezu alles andere, was am Markt verfügbar ist, bietet Koch Klangfarben, die teilweise geradezu unglaublich sind.

Wenn Pianisten, auch historisch informiert musizierende, ihre Instrumente auswählen, folgt diese Auswahl nicht selten teilweise rein äußerlichen Gesichtspunkten. Auch hier ist dies der Fall, doch mit umgekehrten Vorzeichen. Hier sind nicht die Standard-Flügel der Beethovenzeit zu hören, sondern Instrumente ganz unterschiedlicher Art, die auch in der denkbar vielfältigsten Weise zum Klingen gebracht werden. Vier Stücke der Jahre 1783-95 spielt Koch auf einem leichten, im Forte etwas metallisch klirrenden Tangentenflügel von Christoph Friedrich Schmahl aus dem Jahre 1790, der in der Dämpfung teilweise fast lautenhaften Klänge erzeugt. Die Position zwischen Cembalo und Hammerklavier ist den beiden Rondos WoO 48 und 49 sowie dem Klavierstück WoO 54 und der Fuge C-Dur Hess 64 in höchstem Maße adäquat. Sechs Stücke (aus den Jahren 1796–1803) interpretiert Tobias Koch auf einem Fortepiano von Michael Rosenberger aus den Jahren 1805-10 mit Prellzungenmechanik. Das Instrument verfügt über einen äußerst warmen, intimen Klang, vor allem in der Tiefe, mit silbernen Obertönen in mittlerem und höherem Register. Die beiden Präludien op. 39 erkunden die unterschiedlichen Klangcharaktere des Instruments auf das Spannendste. Mit Leichtigkeit kann es Koch hier gelingen, die Poesie der Musik auf das Vorteilhafteste zu präsentieren. In den beiden Rondos op. 51 kommt der Moderator mit viel Geschmack zum Einsatz. Mit den beiden 'Allegretto'-Sätzen c-Moll WoO 53 und Hess 69 wird die Erkundung des Instruments komplettiert, im ersten Fall unter Hervorhebung der tiefen Register, im zweiten durch extensiven Einsatz des Moderatorkniehebels.

Das Gegenstück zu diesem Flügel ist ein Instrument von Conrad Graf aus den Jahren 1827-8, das zwar auch über Prellzungenmechanik verfügt, klanglich aber viel ausgeglichener klingt. In dem 'Rondo a capriccio' C-Dur op. posth. 129 'Die Wut über den verlorenen Groschen' (1795) nutzt Koch zu gutem Effekt die verschiedenen Pedale, so auch jenes für türkische Musik und lässt dadurch das ansonsten gelegentlich etwas ‚abgenudelte’ Stück in völlig neuer Frische klingen. Die Fantasie H-Dur h-Moll op. 77 (1809) ertönt in ungekannter Klarheit, auch wenn der Rahmen des Instruments im Forte vergleichweise stark den Klang ‚hält’, Pausen so etwas durchbrochen werden. In der Polonaise C-Dur op. 89 (1814-5) kommen die mittleren und leiseren Klangkomponenten des Instruments bestens zur Geltung, im 'Andante favori' WoO 57 (1803-4) der warme, runde Klang des Hammerflügels, der dem Stück eine noble Intimität verleiht, bei der moderne Konzertflügel zwangsläufig nicht mithalten können; das Präludium f-Moll WoO 55 fungiert bei Koch als eine Art Vorspiel zu dem vielgespielten Werk.

Besonderes Augenmerk verlangen die beiden Stücke WoO 52 (1796-8) für Orphika, die hier erstmals auf dem intendierten Instrument gespielt werden, einem um 1795 erfundenen kleinen tragbaren Hammerklavier, das in seinem intimen Klang von ferne dem Clavichord verwandt scheint, aber auch den Hackbrettfamilien nicht gänzlich wesensfern scheint (erklärtes Hauptziel der Erfinder war die Imitation des Klanges der Laute), aber wegen des stärkeren Nachhalls um vieles weicher, auch ätherischer klingt (Carl Leopold Röllig, einer der beiden Erfinder des Instruments, war ein berühmter Virtuose der Glasharmonika). Um das sonst nie zu hörende Instrument aus dem Deutschen Museum München nicht nur für zehn Minuten zu nutzen, ergänzt Koch seinen Beitrag durch vier Stücke aus den 'Kleinen und leichten Tonstücken für die Orphika nebst drey Solfeggi für eine Hand'.

Zentral in der hier vorliegenden Edition ist die Sammlung von Beethovens Bagatellen und Klavierstücke nach 1815, hier auf einem ‚Patent-Pianoforte’ von Nanette Streicher und Sohn aus dem Jahre 1827 in der Ludwig-Maximilians-Universität München. Hier hat Koch naturgemäß noch mehr Konkurrenz zu gewärtigen als bei den kleineren Klavierstücken, und insgesamt überzeugt dieses Instrument im Vergleich zu anderen Interpretationen auf anderen Hammerflügeln wegen des stärkeren Nachklingens nicht immer genauso wie die älteren Produktionen, etwa der Bagatellen op. 33 mit Trudelies Leonhardt oder der Bagatellen op. 126 mit Jos van Immerseel. Kochs Darbietung der Bagatelle 'Für Elise' WoO 59 klingt aber, verglichen etwa mit der legendären Einspielung Elly Neys aus dem Jahre 1965 auf dem Graf-Flügel aus der Zeit um 1825 aus dem Besitz des Beethoven-Hauses Bonn, vergleichsweise ‚normal’, ‚glattgebügelt’, die Unwägbarkeiten, die früher nicht nur eine besondere Herausforderung waren, sondern heute auch mit den Charme dieser alten Aufnahmen ausmachen, sind heutzutage zu Gunsten größerer Professionalität schlicht nonexistent.

Tobias Koch ist ein Meister des Hammerflügels, auch wenn seine Interpretationen vielleicht nicht immer durchgängig Referenzstatus beanspruchen können. Natürlich bedeutet dies Klagen auf allerhöchstem Niveau; Ronald Brautigam mag rundum einen Tacken flotter an die Musik herangehen, sie einen Hauch temperamentvoller musizieren – doch gerade bei den kleinen Stücken und Rondos klingen Tobias Kochs Darbietungen nicht zuletzt der Instrumente wegen viel interessanter und vielfältiger noch als die wahrhaft nicht minderen Interpretationen des Niederländers. Perfekte Aufnahmetechnik und ein zumindest im Bereich Instrumentenwürdigung akzeptables Booklet komplettieren ein schönes Gesamtpaket, das ich in Zukunft in meinem CD-Regal auf keinen Fall werde missen möchten.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Beethoven, Ludwig van: Sämtliche Klavierstücke

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
CAvi-music
3
31.10.2014
EAN:

4260085533213


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CAvi-music

"Es muss nicht viel sein, wenn's man gut ist" heißt die Devise für das Label, das stets den Künstler in den Vordergrund stellt, das partnerschaftlich Projekte realisiert, das persönliche Wünsche und Ideen der Künstler unterstützt, das sich vorwiegend auf Kammermusik konzentriert, das handverlesen schöne Musik in hervorragender Interpretation anbietet, mit einer Künstlerliste, die sich sehen lassen kann. Eine sehr persönliche Sache, die von Herzen kommt !! Außerdem kommen neben dem Label CAvi-music auch die Labels "SoloVoce" und "CAvi-Autentica" aus dem Hause Avi-Service for music.


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