> > > Schumann, Robert: Sinfonien Nr. 1-4
Freitag, 24. März 2017

Schumann, Robert - Sinfonien Nr. 1-4

Energisch und effektvoll


Label/Verlag: Coviello Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese vor allem die tiefen Lagen in den Vordergrund stellende Einspielung der Sinfonien Robert Schumanns ist durchaus ansprechend.

Schumanns sinfonisches Schaffen bildet eine komplexe musikalische Einheit. Der Komponist schöpft hier – moderne, neudeutsche Strömungen außer Acht lassend –ausschließlich aus seiner individuellen musikalischen Tonsprache. Damit sind die insgesamt vier Sinfonien einander sehr ähnlich hinsichtlich ihres Stils und ihrer Wirkung. Trotzdem fällt es schwer, wirklich handfeste Gemeinsamkeiten hinsichtlich der musikalischen Struktur unter den Sinfonien auszumachen; vielmehr sind es die dramatische Klangwucht und die schwellende, wogenhafte Melodik, die für diesen Eindruck sorgen. Im Beihefttext der vorliegenden Einspielung wird das als ‚typischer Schumann‘ bezeichnet.

Der Deutschen Staatsphilharmonie unter der Leitung von Karl-Heinz Steffens gelingt mit vorliegender Aufnahme sämtlicher Sinfonien Robert Schumanns eine solide, bodenständige Interpretation. Die klangliche Präsenz des Orchesters ist bekannt. Auch hier arbeiten die Musiker mit einem charakteristisch kraftvollen und insgesamt sehr tiefenlastigen Klang. Schade, dass dabei die Brillanz der Holzbläser hin und verloren geht, insbesondere in den Rahmensätzen der vier Sinfonien. Hier zeigt sich allerdings auch, dass Schumann der Zugriff aufs Orchester zunächst nicht leicht fiel; die Instrumentation (das Tasteninstrument Klavier beherrschte klar seine musikalischen Ideen und begrenzte daher zunächst seine kompositorischen Fähigkeiten auf Solo- und Kammermusik) fiel ihm nicht leicht von der Hand. Das spiegelt sich auch in den Stimmen der Holzbläser wieder. Wer spieltechnische Herausforderungen, Virtuosität und solistisches Material in den Sinfonien sucht, ist hier fehl am Platz. Die Schwierigkeit bereiten flächige Klänge, die intonatorisch teils eine ziemliche Herausforderung an die Bläser stellen. Eine gute Intonation zählt zu den Stärken dieser Aufnahme. Schade also, dass noch der Mut zu mehr klanglicher Präsenz in den hohen Stimmen fehlt.

Bemerkenswert ist in der Ersten Sinfonie (mit dem Beinnamen ‚Frühlingssinfonie‘) vor allem im abschließenden 'Allegro animato e grazioso' der ‚scheppernde‘, energische und effektvolle Tonfall des Orchesters. Dennoch ist bereits hier eine den musikalischen Fluss aufhaltende Klangschwere spürbar, die zum vorherrschenden Merkmal der Interpretation wird. Auch der Eingangssatz der Zweiten Sinfonie ('Sostenuto assai – Allegro ma non troppo') ist von sehr schwerem Charakter; überzeugende Ausdruckstiefe wird dadurch nicht ganz erreicht. Gut gelingt wiederum das Scherzo dieser Sinfonie mit kurzer und doch kraftvoller Artikulation; auch die Scherzi der Sinfonien Nr. 3 und 4 beeindrucken durch Präzision und klangliche Bestimmtheit.

Höhepunkt dieses Schumann-Zyklus ist die fesselnde Interpretation der Vierten Sinfonie in d-Moll. Im ersten Satz können sich die Musiker virtuos austoben und unterstreichen im gesamten Orchesterapparat ein hohes spieltechnisches Niveau. Im Gegensatz zur düsteren und teils entrückten Stimmung des Satzes steht der stürmische Finalsatz, der alle romantische Individualität des Komponisten vereint und einen Höhepunkt im sinfonischen Schaffen des 19. Jahrhunderts darstellt. Diese erschütternde Musik vermag unter die Haut zu gehen.

 

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schumann, Robert: Sinfonien Nr. 1-4

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Coviello Classics
1
07.02.2014
EAN:

4039956914037


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Schumann, Robert
 - Sinfonie Nr. 1 in B-Dur op. 38 - Andante un poco maestoso - Allegro molto vivace
 - Sinfonie Nr. 1 in B-Dur op. 38 - Larghetto
 - Sinfonie Nr. 1 in B-Dur op. 38 - Scherzo: Molto vivace - Trio I: Molto più vivace - Trio II
 - Sinfonie Nr. 1 in B-Dur op. 38 - Allegro animato e grazioso
 - Sinfonie Nr. 2 in C-Dur op. 61 - Sostenuto assai - Allegro ma non troppo
 - Sinfonie Nr. 2 in C-Dur op. 61 - Scherzo. Allegro vivace - Trio I - Trio II
 - Sinfonie Nr. 2 in C-Dur op. 61 - Adagio espressivo
 - Sinfonie Nr. 2 in C-Dur op. 61 - Allegro molto vivace


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Dirigent(en):Steffens, Karl-Heinz
Orchester/Ensemble:Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz


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Coviello Classics

Für Coviello Classics steht bei einer Musikproduktion immer das besondere Hörerlebnis im Vordergrund ? alle technischen und organisatorischen Entscheidungen müssen sich diesem ästhetisch definierten Ziel unterordnen. Wesentliche Entscheidungen treffen bei coviello classics nicht gewinnorientierte Manager, sondern kreative Musik-Gestalter: zum einen die Gründer, Geschäftsführer und prägenden Köpfe Olaf Mielke und Moritz Bergfeld, die als Diplom-Tonmeister und Aufnahmeleiter den coviello classics-Produktionen ihr ?klangliches Gesicht? geben, zum anderen die Interpreten, die für coviello classics immer die wichtigsten Partner sind. Ihre künstlerische Aussage ist das zentrale Kriterium für die Qualität einer Aufnahme; sie sind in alle ästhetischen Fragen einer Veröffentlichung einbezogen.

Hoher Repertoirewert

Grundvoraussetzung für unsere Neuproduktionen sind die besonderen Anforderungen an Künstler und Repertoire. Um dem Klassikmarkt neue Impulse zu geben, produziert coviello classics bislang wenig beachtetes Repertoire, oftmals in Weltersteinspielungen, und sorgt damit immer wieder für überraschende Entdeckungen. Bekanntere Werke erscheinen durch ungewöhnliche Interpretationen in neuem Licht ? hier gibt es keine ideologischen Grenzen oder vermeintlichen Authentizitäts-Anspruch; lebendige Musikkultur zeigt oft das vertraute in ganz anderem klanglichem Gewand. Ein besonderer Schwerpunkt ist die seit einigen Jahren etablierte Reihe coviello contemporary, in der sich die Nähe zum weltbekannten Darmstädter Institut für neue Musik in ganz aktuellen Kompositionen bemerkbar macht.

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