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Freitag, 23. August 2019

Millischer, Fabrice - French Trombone Concertos

Virtuos und klangsinnlich


Label/Verlag: perc.pro
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Soloposaune steht bedauerlicherweise selten im Mittelpunkt der Orchesterwelt. Mit Fabrice Millischer steigt ein neuer Star auf, der die Posaune zu altem Glanz zurückführen kann - und dies mit zeitgenössischer Musik!

Die Posaune zählt zu den ältesten Instrumenten, zudem hat sich ihre Bauweise im Lauf der Jahrhunderte kaum verändert. Der tiefe, aber warme Klang der heute gebräuchlichen Posaunen ist einzigartig und flexibel einsetzbar: Sie kann solierende Passagen übernehmen, diente Altmeistern wie Gabrieli als Choralbegleitung, war im späten 18. Jahrhundert der Sphäre des Sakralen zugeordnet und erhielt zu Zeiten der romantischen Programmmusik immer dann den Auftritt, wenn ein Weltuntergangs- oder Unheilsszenario erschaffen werden sollte. Trotz ihrer Vielseitigkeit und Anpassungsfähigkeit gilt sie heute mancherorts als aussterbendes Instrument: Schülerzahlen sinken und die Attraktionskraft gekonnten Posaunenspiels scheint zu schwinden.

Fabrice Millischer ist Absolvent des Musikkonservatoriums Toulouse, wo er Violoncello und Posaune studierte. Der 28-jährige spielt bis heute beide Instrumente, die er auch mit Bestnoten abschloss. Dazu erhielt er bereits mehrere renommierte Preise, beispielsweise 2011 den ‚Victoires de la Musique‘ als bester Nachwuchskünstler. In Deutschland gewann er den renommierten ARD-Wettbewerb und jüngst den ‚Echo‘ für vorliegende Aufnahme als Konzerteinspielung des Jahres. Seit 2008 ist Millischer Soloposaunist der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern. Mit diesem Orchester entstand auch diese spannende Aufnahme mit Posaunenkonzerten.

Das Bekannteste macht den Anfang: Henri Tomasis 'Concerto pour trombone et orchestre' ist ein aus dem Solorepertoire für Posaune herausstechendes Werk des 20. Jahrhunderts. Ursprünglich für Wettbewerbszwecke geschrieben, verwendet man es hin und wieder auch als Probespielstück für Posaunisten. Der erste Satz 'Andante et Scherzo' beginnt gleich mit der zur Schau gestellten Virtuosität des Solisten. Im kantilenenhaften Stil steht ein Posaunensolo, welches den für die Posaune so typischen großen Ambitus fordert – innerhalb kurzer Phrasen wechselt sie schnell und farbenreich zwischen weit auseinanderliegenden Tonhöhen. Diese Vielgestaltigkeit wird durch die Orchestrierung noch verstärkt. Der zweite Satz 'Nocturne' ist gänzlich im lyrischen Charakter gehalten; hier kann der Posaunist seine Versiertheit mit dem Dämpfer unter Beweis stellen. Der dritte und zugleich letzte Satz erweist sich, wie die meisten Finalsätze, als technisch sehr anspruchsvoll; hier ist vor allem ein präzises Zusammenspiel zwischen Orchester und Solist gefragt.

Die beiden darauffolgenden, weniger bekannten Konzerte sind Fabrice Millischer gewidmet. Auch wurden beide im Jahr 2009 in Lyon von ihm uraufgeführt. Das Konzert von Patrick Burgan im Stil einer symphonisch-konzertanten Dichtung stellt aufgrund des Titels gewissermaßen biblische Bilder dar ('La Chute de Lucifer'), das Orchester steht dabei stark im Hintergrund. Solierende Passagen finden sich neben der Posaune vor allem im Violoncello. Der Komponist verweist hiermit auf die beiden Instrumente des Solisten Fabrice Millischer. Jean Guillou stellt dem Solisten in seinem Konzert einen Blechbläser-Satz entgegen; im Laufe des Konzerts ringen die beiden Kontrahenten durchaus hörenswert um die Vorherrschaft, das Ensemble eher eckig und kantig, der Solist sehr auf weiche, runde Facetten bedacht.

Bei allen drei Konzerten steht die Präsentation der Virtuosität im Vordergrund. Alle Werke sind in einem Idiom zeitgenössischer Musik gehalten; man findet Cluster und geräuschhafte Passagen, wobei Millischers Zugang ganz Zeichen eines ‚französischen‘, klangfarbensensiblen Zugangs steht. Man hört an mancher Stelle diverse klangliche Einflüsse aus dem romantisch-impressionistischen Bereich. Speziell in den lyrischen Sätzen erinnert manches durchaus an Saint-Saens ('Cavatine'), und Millischer bestätigt seinen Ruf als facettenreicher junger Posaunist, der sich auch zeitgenössischen Kompositionen mit klanglicher Sensibilität annimmt. Man darf dieses Programm also vollauf empfehlen, auch wenn die Werke wohl nicht jedermanns Geschmack treffen werden.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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    Millischer, Fabrice: French Trombone Concertos

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
perc.pro
1
26.02.2014
Medium:
EAN:

CD
4260029190472


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perc.pro

perc.pro, gegründet im Januar 2000, hat sich mittlerweile als kleines exklusives Klassiklabel etabliert.
Das Team um Michael Gärtner (Geschäftsleitung und Programm) und Thomas Sick (Presse und Marketing) setzt verstärkt auf ungewöhnliches und interessantes Repertoire. Neben der Zusammenarbeit mit dem Saarländischen Rundfunk im Bereich Orchestermusik ? die sich etwa in einer Porträt-CD des Komponisten Siegfried Matthus zu dessen 70. Geburtstag spiegelt ? oder der Kooperation mit dem Ludwigsburger BlechbläserQuintett (von dem bis jetzt zwei CDs erschienen sind), produziert das Label vor allem ausgewählte zeitgenössische Werke sowie Kammermusik und Solistenporträts. Hier wurden in den letzten Monaten mehrere Exklusivverträge mit jungen vielversprechenden Künstlern geschlossen. Eine erste CD mit dem mexikanischen Geiger Erasmo Capilla ist im Sommer 2006 erschienen.
Die Produktionen von perc.pro zeichnen sich durch eine hervorragende Klangqualität und informatives Begleitmaterial aus.


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