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Sonntag, 1. August 2021

Fleisher, Leon spielt - Klavierwerke von Beethoven & Mozart

Erstveröffentlichung früher Aufnahmen Leon Fleishers


Label/Verlag: ICA Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Historisches Zeugnis der 'pianistischen Entdeckung des Jahrhunderts' (Pierre Monteux). Bevor die Lähmung seines rechten Armes ihm das zweihändige Konzertieren unmöglich machte, galt Fleisher als aufstrebender Stern am amerikanischen Pianistenhimmel.

Die Legacy-Reihe des Labels ICA Classics, das in den letzten Jahren schon frühe Aufnahmen von Arrau, Cziffra und Gilels und anderen veröffentlicht hat, hat erneut einen Schatz aus dem Archiv des WDR geborgen. Die 2014 erschienene CD vereinigt zwei Klassiker des Klavierkonzertrepertoires: Mozarts A-Dur Konzert Nr. 12 KV 414 und Beethovens Klavierkonzert Nr. 1 in C-Dur. Die Mozart-Aufnahme entstand 1957 unter Georg Ludwig Jochum (nicht zu verwechseln mit Eugen Jochum), fünf Jahre nachdem Fleisher als erster amerikanischer Pianist den Brüsseler Königin-Elisabeth-Wettbewerb gewonnen hatte. Drei Jahre später entstand die Beethoven-Aufnahme unter André Cluytens.

1965 erkrankte Fleisher an fokaler Dystonie in der rechten Hand, die ihm das (zweihändige) Klavierspiel unmöglich machte. Er konzentrierte sich daraufhin auf die Lehrtätigkeit (seine berühmteste Schülerin dürfte Hélène Grimaud sein). Nach jahrzehntelanger Pause konnte Fleisher dank Botox-Behandlungen wieder beidhändig musizieren. 2004 entstand die CD Two Hands, 2010 erschien seine Autobiographie My Nine Lives: A Musical Memoire.

Cluytens beginnt das Orchestervorspiel ausgesprochen nobel-majestätisch. Der Klaviereinsatz markiert den Einsatz einer schwungvollen Auseinandersetzung zwischen der verspielten Verve des Pianisten und dem etwas behäbigen Duktus des Orchesters. Der zweite Satz dient den beiden als romantisches Zwischenspiel, bis im abschließenden Rondo wieder der Schwung des Kopfsatzes regiert. Fleisher gestaltet das Finale nicht als Parforceritt, sondern besonnen-zurückhaltend. Die Rückführungen zum Rondo-Thema geben ihm Gelegenheit, feinsinnig-phantasievoll mit den Erwartungen des Hörers zu spielen. Sein Zugriff ist dabei ungeheuer differenziert und umfasst alle Zwischenstufen von graziös bis zupackend, von sachlich bis lyrisch.

War die Interpretation des Beethoven-Konzertes von Zurückhaltung geprägt, so fällt das fast 20 Jahre zuvor entstandene Konzert KV 414 durch prononcierten Vorwärtsdrang auf. Fleisher brilliert mit den makellosen Figurationen des Klaviersatzes, tönt sie aber auch gern dunkel ein, wenn es die musikalische Dramaturgie erfordert, wie die den Kopfsatz beschließende Kadenz beweist. In ihrem kurzen, wehmütigen Innehalten zeigt sich die sanfte Romantisierung, mit der Dirigent und Pianist sich das Konzert zu eigen machten.

Der Ton der Originalbänder wurde für die CD aufpoliert und fällt vor allem durch den wunderbar plastischen Klavierklang und die voluminösen Bässe auf. Ein leichtes Rauschen verweist auf das Alter der Aufnahmen, stört den Hörgenuss aber nicht im Mindesten. Für die Bewunderer der Klavierkunst Leon Fleishers, und nicht nur für diese, eine willkommene Bereicherung!

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Fleisher, Leon spielt: Klavierwerke von Beethoven & Mozart

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
ICA Classics
1
17.02.2014
Medium:
EAN:

CD
5060244551213


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ICA Classics

Mit ICA (International Classical Artists) entstand im Jahr 2011 das erste DVD- und CD-Label einer Künstleragentur. ICA bietet in seinem Katalog unter dem Label Legacy sowohl wertvolles Archivmaterial, das aus Quellen der BBC, des WDR Köln oder des Boston Symphony Orchestra stammt, als auch die in renommierten Konzertsälen entstandenen Aufnahmen der hauseigenen Künstler, die unter dem Label Live präsentiert werden. Die meisten der ICA-Titel erscheinen erstmals auf DVD oder CD. Alle historischen Aufnahmen sind nach dem neuesten Stand der Technik liebevoll und fachmännisch restauriert worden.

Für diese einmaligen Aufnahmen wurde das Label ICA bereits mit bedeutenden Preisen - wie dem Toblacher Komponierhäuschen, dem Internationalen Mahler Preis und mehreren Diapasons d'Or geehrt. Zu den besonders erfolgreichen Titeln gehören die 1986 entstandene Aufnahme von Mahlers Dritter mit Klaus Tennstedt und dem London Philharmonic Orchestra sowie die DVD mit dem Royal Philharmonic Orchestra und dem BBC Symphony Orchestra unter Rudolf Kempe mit Musik von Dvorak und Richard Strauss.

Das Team von ICA, dem auch die in der Musikindustrie erfahrenen Experten Stephen Wright und John Pattrick angehören, war in den vergangen Jahren am Erfolg von zahlreichen CD- und DVD-Produktionen beteiligt. Dazu gehören beispielsweise The Art of Conducting, The Art of Piano, The Art of Violin sowie die DVD-Serie Classic Archive. Darüber hinaus entstanden in Koproduktion Dokumentationen über Richter, Fricsay, Mravinsky und Toscanini. Das bereits 1998 gegründete BBC Legends Archiv-Label umfasst mittlerweile mehr als 250 CDs. Für EMI Classics entstand die CD-Serie Great Conductors of the 20th Century.


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