> > > Rozhdestvensky, Gennadi dirigiert: Werke von Tschaikowsky & Janacek
Mittwoch, 1. April 2020

Rozhdestvensky, Gennadi dirigiert - Werke von Tschaikowsky & Janacek

Ohne Kitsch


Label/Verlag: ICA Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Roschdestwenskij sucht hier eine ungekünstelte Interpretation von Tschaikowskys Fünfter Sinfonie, überzeugt jedoch nicht in allen Punkten.

Die Fünfte Sinfonie e-Moll op. 64 von Tschaikowsky wird zuweilen als ‚germanisch’ beschrieben. Diesem Attribut versucht der Dirigent Gennadi Roschdestwenskij, der insbesondere durch seine Interpretationen der Ballette dieses Komponisten Bekanntheit erlangte, mit dem BBC Symphony Orchestra nachzukommen.

Dabei fällt bald auf, dass gesangliche Stellen in der Musik nicht die Stärke des Dirigenten sind. In den ersten Takten mit dem ruhigen Thema in der Klarinette zeigen sich die Problempunkte, die auch weiterhin im Laufe der Sinfonie immer wieder auftauchen: Die Musiker kommen oft nicht zusammen auf den Schlag und auch die Struktur der Musik ist schwer zu erkennen. Dagegen erscheinen die lauten Stellen umso majestätischer mit einem angenehmen Maß an Pomp. Roschdestwenskij vergreift sich hier ab und zu in der Lautstärke, was aber durchaus auch positiv aufgefasst werden kann, wird damit doch auch das energische Potenzial der Musik zum Ausdruck gebracht.

Daher beeindrucken besonders die Höhepunkte der ersten beiden Sätze und erstrahlen regelrecht. Der dritte Satz wirkt hingegen seltsam uninspiriert und belanglos. Gefühllos plätschern die Walzertakte dahin und hinterlassen keinen bleibenden Eindruck. Der vierte Satz gelingt Roschdestwenskij am besten, weil er die Spannungsmomente des ausgedehnten Finales bis zum Schluss ausreizt und den Spannungsbogen noch in den Applaus des Publikums aufrecht hält. Kitsch oder überzogene Emotionalität bleiben jedoch die meiste Zeit hintergründig.

Janáček überzeugt

Die drei Jahre später entstandene Aufnahme von Janáčeks Rhapsodie 'Taras Bulba' zeigt sich von den Problemen, die in der Sinfonie teils auftreten, unangekränkelt. Die lyrischen Stellen sind meistens genau zusammen und weisen viel Gefühl auf, die dynamischen Kulminationspunkte bringen dagegen die Gewalt, die dem Werk eigen ist, gut zum Ausdruck. Die spannungsreiche Unruhe von Taras Bulba scheint dem Dirigenten besser zu liegen als die Strukturiertheit der Sinfonie. Als Solist brilliert hier der Geiger Béla Dekany mit beeindruckendem Spiel.

Das größte Problem der CD ist die Tonqualität im Mitschnitt der Fünften Sinfonie. Ein fast permanentes Rauschen, das sich manchmal mit anderen Störgeräuschen abwechselt, mindert das Hörerlebnis gewaltig. Es sticht besonders in den leisen und gesanglichen Stellen heraus, welche, wie oben beschrieben, sowieso nicht zu den Stärken dieser Interpretation zählen. Dies kann durch das Alter der Aufnahmen (1978/1981) nur teilweise entschuldigt werden. Das knapp gehaltene Booklet enthält einige interessante Informationen über den Dirigenten und die Werke.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Kritik von Robert Puzik,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Rozhdestvensky, Gennadi dirigiert: Werke von Tschaikowsky & Janacek

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
ICA Classics
1
11.11.2013
Medium:
EAN:

CD
5060244551169


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ICA Classics

Mit ICA (International Classical Artists) entstand im Jahr 2011 das erste DVD- und CD-Label einer Künstleragentur. ICA bietet in seinem Katalog unter dem Label Legacy sowohl wertvolles Archivmaterial, das aus Quellen der BBC, des WDR Köln oder des Boston Symphony Orchestra stammt, als auch die in renommierten Konzertsälen entstandenen Aufnahmen der hauseigenen Künstler, die unter dem Label Live präsentiert werden. Die meisten der ICA-Titel erscheinen erstmals auf DVD oder CD. Alle historischen Aufnahmen sind nach dem neuesten Stand der Technik liebevoll und fachmännisch restauriert worden.

Für diese einmaligen Aufnahmen wurde das Label ICA bereits mit bedeutenden Preisen - wie dem Toblacher Komponierhäuschen, dem Internationalen Mahler Preis und mehreren Diapasons d'Or geehrt. Zu den besonders erfolgreichen Titeln gehören die 1986 entstandene Aufnahme von Mahlers Dritter mit Klaus Tennstedt und dem London Philharmonic Orchestra sowie die DVD mit dem Royal Philharmonic Orchestra und dem BBC Symphony Orchestra unter Rudolf Kempe mit Musik von Dvorak und Richard Strauss.

Das Team von ICA, dem auch die in der Musikindustrie erfahrenen Experten Stephen Wright und John Pattrick angehören, war in den vergangen Jahren am Erfolg von zahlreichen CD- und DVD-Produktionen beteiligt. Dazu gehören beispielsweise The Art of Conducting, The Art of Piano, The Art of Violin sowie die DVD-Serie Classic Archive. Darüber hinaus entstanden in Koproduktion Dokumentationen über Richter, Fricsay, Mravinsky und Toscanini. Das bereits 1998 gegründete BBC Legends Archiv-Label umfasst mittlerweile mehr als 250 CDs. Für EMI Classics entstand die CD-Serie Great Conductors of the 20th Century.


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