> > > Vasks, Peteris: Flötenkonzert
Montag, 18. Juni 2018

Vasks, Peteris - Flötenkonzert

Hochexpressiv und emotional


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das ausdrucksstarke, emotionale Flötenkonzert Peteris Vasks geht in vorliegender Interpretation, die ein sehr hohes musikalisches Niveau aufweist, tief unter die Haut.

Peteris Vasks (* 1946) ist ein lettischer Komponist, dessen Werke ein Reichtum an Klangfarben und Expressivität aufweisen. Vasks Werke für Cello sorgten besonders in der Interpretation der Cellistin Sol Gabetta in den vergangenen Jahren für begeisterte Reaktionen. Die Erwartungen an seine Flötenwerke sind dementsprechend hoch.

Michael Faust spielte für die vorliegende Aufnahme vier verschiedene Flötenwerke des Komponisten ein. Das Konzert für Flöte und Orchester wurde im Auftrag des WDR für Faust komponiert. Damit bietet die CD eine Erstveröffentlichung des Flötenkonzerts wie auch der 'Aria e danza' für Flöte und Klavier; Michael Faust wird dabei von der Pianistin Sheila Arnold begleitet. In dem recht kurzweiligen Werk 'Aria e danza' beeindruckt Fausts durchweg voller Flötenklang, die vollkommene Beherrschung des gesamten Flötentonambitus und der musikalisch-spielerische Witz zwischen den beiden Musikern, auch wenn das Zusammenspiel vor allem im zweiten Satz 'Danza: Giocoso' zunächst etwas feiner gestaltet sein könnte; doch die Musiker finden zunehmend im wechselseitigen Dialog zusammen.

Die beide Flötensolowerke 'Sonata' für Flöte und Altflöte sowie 'Landscape with Birds' loten das gesamte Ton- und Klangspektrum der Flöte aus, bieten viel Raum für musikalische Assoziationen und fordern die Konzentration und Aufmerksamkeit des Hörers aufgrund des leicht verständlichem Ausdruck nicht über die Maßen. Mit Flötentechniken der Neuen Musik wird verhältnismäßig sparsam umgegangen; im Vordergrund steht der expressive, klare und gradlinige Ausdruck des Instruments, den Michael Faust hervorragend souverän umzusetzen weiß.

Höhepunkt der vorliegenden Aufnahme ist Vasks Flötenkonzert, das Faust zusammen mit der Sinfona Finlandia Jyväskylä unter der Leitung von Patrick Gallois eingespielt hat. Bereits der klangschöne, sehr zarte Beginn des Konzerts verdient besondere Hervorhebung. Dem grandiosen, träumerischen Beginn folgt eine hervorragende Einbettung der Soloflöte in das fein ausgelotete Klanggeschehen. Gelegentlich übersteuert Fausts Flötenton durch sehr viel expressiven Nachdruck. Insgesamt lobenswert ist die emotionale Interpretation des Werks nicht nur des Flötisten, sondern auch des Orchesters, das seine einzelnen Stimmen wie selbstverständlich zu einem hervorragenden Klanggewebe zu verzahnen weiß. In der Kadenz des zweiten Satzes 'Quasi una Burlesca' gelingt Faust und dem Orchester nach einer sehr feinsinnig gestalteten Solokadenz ein geschickter, fließender Übergang zum Orchester. Der erste Satz von Vasks Flötenkonzert zeichnet sich durch nahezu melancholische Emotionalität aus, die unter die Haut geht und den Hörfokus auf Klangkombinationen und -entwicklung legt. Im zweiten, wesentlich konzentrierteren und nahezu dramatischen Satz wäre eine deutlichere, schärfere Artikulation in der Soloflöte wünschenswert. Reizvoll ist die rhythmische Betonung dieses Satzes, die teilweise an die rhythmische Energie einiger Orchesterwerke Strawinskys denken lässt.

Die Flötenwerke Vasks sind erstaunlich reizvoll aufgrund schöner Klangkombinationen und angemessenem Kontrastreichtum. Insbesondere das Flötenkonzert verdient eine absolute Hör- und Repertoireempfehlung – es bleibt zu wünschen, dass dieses wunderbare Konzert schnell Einzug in das verbreitete Flötenkonzertrepertoire halten wird.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Marion  Beyer Kritik von Marion Beyer ,


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Vasks, Peteris: Flötenkonzert

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
1
30.09.2013
EAN:

747313263479


Cover vergössern

"Der 1946 im lettischen Aizpute geborene Peteris Vasks gehört zu den bekanntesten Komponisten der ehemaligen Sowjetrepubliken. Seine Musik zeichnet sich durch eine direkt zugängliche und ungekünstelte Tonsprache aus, mit der Vasks seine Hörer direkt anspricht. Regelmäßig verarbeitet er archaische und folkloristische Elemente aus seiner Heimat in seinen Werken, denen er häufig sich auf die Natur beziehende programmatische Titel verleiht. Doch geht es dabei nicht um die poetische Lobpreisung der Natur oder um eine Landschaftsbeschreibung; Vasks fokussiert vielmehr das gegenseitige Verhältnis von Natur und Mensch, die Schönheit des Lebens und die drohende ökologische Zerstörung dieser Werte. Das Konzert für Flöte und Orchester, das Vasks zwischen 2007 und 2008 für den Flötisten Michael Faust schrieb, gehört zu seinen umfangreichsten Orchesterwerken und ist hier in einer Weltersteinspielung mit dem Auftraggeber Michael Faust zu hören. „Es versteht sich von selbst, dass Patrick Gallois zu den bedeutendsten Künstlern unserer Zeit zu rechnen ist. Seine (?) überzeugenden Fähigkeiten als Dirigent (?) hätten (?) mehr Beachtung verdient.“ (The Listener)"


Cover vergössern

Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Naxos:

  • Zur Kritik... Frühe Schätze: Die breite Hörerschaft wird diese CD vermutlich nicht erreichen, aber für alle Wolf-Ferrari-Fans ist diese Neuerscheinung ein Muss. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Opernkomponisten als KIrchenmusiker: Diese CD aus dem Hause Naxos gefällt mit eher unbekannter Kirchenmusik von bekannten Opernkomponisten. Weiter...
    (Simon Haasis, )
  • Zur Kritik... Cage für Flöte: Die erste Kompletteinspielung von Cages Werken für Flöte ist eine zwiespältige Angelegenheit. Weiter...
    (Tanja Geschwind, )
blättern

Alle Kritiken von Naxos...

Weitere CD-Besprechungen von Marion Beyer:

  • Zur Kritik... Inspiration und Prävention: Dieses Grundlagenwerk richtet sich an alle, die praktisch mit Musik zu tun haben. Trotz des breit adressierten Zielpublikums geht es in angemessener Weise in die Tiefe. Der Abschnitt mit praktischen Übungen könnte allerdings umfangreicher sein. Weiter...
    (Marion Beyer, )
  • Zur Kritik... Wiederbelebte Gattung der Opernfantasie: Die vorliegende Aufnahme ist ein schöner Beitrag zur immer mehr vergessen Gattung der Opernfantasie, deren Zweck als Erinnerung an Opern und ihre Melodien in Zeiten der ständigen Abrufbarkeit von Medien hinfällig ist. Weiter...
    (Marion Beyer, )
  • Zur Kritik... Mädchenhaftes Sein und Fühlen: Packende, mitreißende Interpretationen von Liedern Hugo Wolfs und Richard Strauss' und seltenes Repertoire mit Kompositionen von Ludwig Thuille sorgen für ein genussvolles, spannendes Hörerlebnis. Weiter...
    (Marion Beyer, )
blättern

Alle Kritiken von Marion Beyer...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Gesang der Instrumente: Tomás Netopil und das Prague Symphony Orchestra überzeugen mit atmosphärischen Suiten aus Janáčeks Opern. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Aus der Emigration: Raphael Wallfisch und das Konzerthausorchester Berlin mit Cellokonzerten von Berthold Goldschmidt und Franz Reizenstein. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Manieriert, aber beeindruckend: Ewa Podles zieht noch einmal alle Register ihrer Kunst. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (6/2018) herunterladen (2361 KByte) Class aktuell (2/2018) herunterladen (3463 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Henri Marteau: Huit Melodies op.19 - Chanson de Mer

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

 Folkwang Kammerorchester Essen im Portrait Mit Vollgas ins Haus des Teufels
Das Folkwang Kammerorchester Essen – jung, energiegeladen, hochmusikalisch

weiter...
Alle Interviews...


Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich