> > > Schumann, Robert: Violinkonzerte & Phantasie
Freitag, 24. März 2017

Schumann, Robert - Violinkonzerte & Phantasie

Eine reife Leistung


Label/Verlag: ORFEO
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Baiba Skride überzeugt durch eine facettenreiche Interpretation der konzertanten Violinwerke Robert Schumanns, zu deren Gelingen das Danish National Symphony Orchestra unter John Storgårds wesentlich beiträgt.

‚Genugtuung für Schumann: Baiba Skride, das Danish National Symphony Orchestra und der geigenkundige John Storgårds lassen miterleben, wie konsequent und fantastisch-romantisch sich der Komponist in die konzertante Form hineingesteigert hat.‘ Es ist eine zugegebenermaßen etwas krause, zwischen Werbung und Klischee angesiedelte Aussage, die das Label Orfeo auf die Rückseite seiner CD mit Baiba Skrides Einspielung sämtlicher konzertanter Werke Robert Schumanns – dem Violinkonzert d-Moll WoO 23, der Phantasie C-Dur op. 131 und der Violinfassung des Cellokonzerts a-Moll op. 129 – abgedruckt hat. Immerhin wird beim Hören rasch deutlich, dass die Aufnahme ihre Besonderheiten hat, dass es sich um eine reife, in die Tiefe gehende Interpretation handelt, die ich ohne Zögern zu den besten Einspielungen der Geigerin überhaupt zählen würde.

Dies hängt mit dem besonderen Zugang zusammen, den Skride den Werken angedeihen lässt: Sie ist eher an den Gemeinsamkeiten, denn an den Unterschieden zwischen den drei Kompositionen interessiert. Mit Unterstützung ihrer Partner wählt sie einen ähnlichen Duktus und stellt vor allem das Moment der lyrischen Klage in den Mittelpunkt – wobei der Charakter der Werke in der gewählten Anordnung immer stärker von dem rezitativischen Element, einem in die Kompositionen eingelagerten sprachnahen Agieren des Solisten, bestimmt wird. Auffällig ist auch, dass die Tempowahl über weite Strecken hinweg ruhig wirkt, auch wenn im Vergleich zu anderen Einspielungen aus jüngerer Zeit – etwa jenen Ulf Wallins oder Lena Neudauers – meist kaum wesentliche Unterschiede in der Gesamtdauer der einzelnen Werke oder Werkteile zu beobachten sind. Der entscheidende Unterschied ist eher die innere Haltung, die besonders in den ausgiebig zelebrierten Ruhepunkten der Musik zur Geltung kommt.

Hierbei fällt der Gestaltung des Orchesters durch Storgårds eine ganz entscheidende Rolle zu, denn der Dirigent musiziert von Anfang an auf übergeordnete Zusammenhänge hin, so dass es ihm gelingt, auch dort die Spannung zu halten, wo aufgrund des gemächlichen Ausspielens entsprechender Passagen die Gefahr des Auseinanderbrechens besteht. Dadurch hat Skride die Möglichkeit, diese Stellen auf ganz andere Art auszuspielen: Momente wie die Durchführung im Kopfsatz des Violinkonzerts, die dialogische, zwischen Solovioline und Fagott angestimmte Überleitung zur Reprise oder der langsame Mittelsatz entfalten hierbei eine enorme Kraft, die ganz vom deklamierenden, fein abgestuften und dynamisch genau geformten Spiel der Geigerin getragen wird. Dass diese Passagen zudem als Steigerung gegenüber den doch wesentlich energetischeren Tuttiteilen wahrgenommen werden, hängt damit zusammen, dass Storgårds den kompakten Schumann-Klang von Anfang an auf Durchhörbarkeit für feine Details der Instrumentation hin anlegt und diese Tendenz dann durch einen Übergang zu kammermusikalischen Darstellungen hin vertieft.

Diese Tendenzen lassen sich auch in den übrigen Werken der Einspielung ausmachen: Die Phantasie überzeugt durch Skrides ruhigen, improvisatorisch anmutenden Beginn, der einer allmählichen Tempofindung von Violine und Orchester weicht und zu einem eher zurückhaltenden Duktus führt. Selbst bei den von der Geigerin mit enormer Sicherheit vorgetragenen akkordischen Passagen, Doppelgriffeinwürfen oder Skalen bleibt die einmal angestimmte lyrische Grundstimmung erhalten. Das a-Moll-Konzert gerät schließlich zur interpretatorischen Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Arten instrumentalen Singens und Deklamierens, die von Skride, unterstützt durch eine sorgfältige Formung von Vibratoabstufungen, in vielerlei Graden realisiert wird. In ihrer Gesamtheit fasziniert diese Aufnahme gerade durch solche Differenzierungen und markiert dadurch einen weiteren Höhepunkt der Auseinandersetzung mit Schumanns konzertanter Violinmusik.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schumann, Robert: Violinkonzerte & Phantasie

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
ORFEO
1
27.08.2013
EAN:

4011790854120


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ORFEO

Erschienen die ersten Aufnahmen des 1979 in München gegründeten Labels noch in Lizenz bei RCA und EMI, produziert und vertreibt ORFEO seit 1982 unter eigenem Namen. Durch konsequente Repertoire- und Künstlerpolitik konnte sich das Label seit seinem aufsehenerregenden Auftritt am Anfang der Digital-Ära dauerhafte Präsenz auf dem Markt verschaffen. Nicht nur bekannte Werke, sondern auch weniger gängige Musikliteratur und interessante Raritäten - davon viele in Ersteinspielungen - wurden dem Publikum in herausragenden Interpretationen zugänglich gemacht. Dabei ist es unser Bestreben, auch mit Überraschungen Treue zu klassischer Qualität zu beweisen.
Der Musik der Moderne wird mit den gleichen Qualitätsstandards Beachtung geschenkt - in exemplarischen Neuaufnahmen wie in Mitschnitten bedeutender Uraufführungen. Wichtige Akzente setzen dabei die Serien Edition zeitgenössisches Lied, die bis in die unmittelbare Gegenwart vorstößt, und Musica Rediviva mit Werken verbotener oder zu Unrecht vergessener Komponisten.
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