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Montag, 30. Januar 2023

Couperin, Francois - Concerts Royaux & Les Gouts-Reunis

Unkonventionelles Markenzeichen


Label/Verlag: Brilliant classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine unkonventionelle Spielweise ist das Markenzeichen des renommierten Ensembles Musica ad Rhenum, die aber nicht immer Zustimmung in den Reihen der Historischen Aufführungspraxis findet.

Quasi unabhängig von einer Form, einer Besetzung oder eines regional geprägten Stils bezeichnet die Sonate seit ihren Anfängen im 14. Jahrhundert bis hinein ins 18. Jahrhundert nichts weiter als eine auf Instrumenten zu spielende Komposition. Aufgrund der offenen, ‚ungeschützten‘ Bedeutung der Sonate wird die Bezeichnung im Laufe des Barock im zunehmenden Maße für nahezu jede Form von Kammermusik verwendet. Das ungebrochene Prestige der ‚Gattung‘ und der beständig wachsende Bedarf an Instrumentalmusik für ein Soloinstrument oder ein kleines Ensemble sorgen vor allem im 17. und 18. Jahrhundert für eine anhaltende reiche Produktion der Sonate. In Frankreich ist das 17. Jahrhundert eine noch weitestgehend sonatenfreie Zone. Erst François Couperin wird zu Kompositionen für diese recht formlose Gattung angeregt, sorgt er doch auch bei anderen Gattungen für die Auflösung starrer Grenzen, so unter anderem auch in seinen zahlreichen unterhaltsamen ‚Concerts‘, die für kleine Besetzung geschrieben sind.

Das Ensemble Musica ad Rhenum hat unter der musikalischen Leitung des Flötisten Jed Wentz bereits 2004 eine große Anzahl der Sonaten und Konzerte Couperins eingespielt und 2006 in einer siebenteiligen CD-Box bei Brilliant Classics veröffentlicht. Für eine zweite Veröffentlichung reduzierte sich das Programm um die Hälfte. Die vorliegende Auswahl entspricht genau den Werken in der Faksimile-Notenausgabe des Erstdrucks der ‚Concerts Royaux‘ und ‚Les Goût-Réunis ou Nouveaux Concerts‘, die seit Januar 2010 im Musikverlag Jean-Marc Fuzeau herausgegeben werden.

Jed Wentz zählt zu den führenden Traversflötisten der Gegenwart und hat sich besonders mit seiner erstaunlichen Virtuosität und seinen unkonventionellen Interpretationen barocker und frühklassischer Musik einen Namen gemacht. Zu den Besonderheiten der Interpretationen seines Ensembles Musica ad Rhenum zählt die stets außergewöhnlich große Bandbreite an Tempi. Auch bei der vorliegenden Einspielung bestätigt sich das markante Kennzeichen des Ensembles: Viele lebhaftere Sätze werden rasch und zügig genommen. Dies erfordert eine sichere technische Beherrschung besonders der Melodieinstrumente und ein hervorragend abgestimmtes Zusammenspiel. Leider gelingt dies dem Ensemble nicht immer gut.

Viele Sätze wirken flüchtig, sodass harmonische Besonderheiten oder hervorzuhebende motivische Wendungen erst gar nicht zum Vorschein treten. Schade, wo doch vor allem die einfallsreiche und stets überraschende Harmonik in Couperins Kompositionen so attraktiv sind. Eine positive Ausnahme bietet die dritte CD dieser Sammlung, wo in den ersten Konzerten die Violine die Melodiestimme übernimmt. Durch die spürbare Sensibilität der beiden Violinisten Aayko Matsunaga und Stefano Rossi wirken diese Interpretationen – unabhängig von den verschiedenen Tempi – sehr kantabel. Ein Lob verdient auch die Oboistin Anna Starr, die in ‚Les Goût-Réunis‘ immer wieder den Melodiepart übernimmt und mit ihrem an keiner Stelle aufdringlichen, sehr kontrollierten Oboenklang die verschiedenen Charaktere und Stilvermischungen bei Couperin hervorragend zur Geltung bringen kann.

Zudem ist Jed Wentz’ sicheres Spiel in diesen halsbrecherischen Tempi hervorzuheben. Trotz der für die Flöte in intonatorischer Hinsicht stets schwierigen B-Tonarten gelingt Wentz eine sehr solide und zugleich kraftvolle Interpretation insbesondere des fünften Konzerts, dessen Allemande zahlreiche für den Flötenansatz heikle Intervallsprünge beinhaltet. Schade, dass ausgerechnet hier das Cembalo der Flöte teils davonrennt und den lebhaften Charakter der Melodiestimme nicht konstant aufzunehmen vermag. Dabei bestechen doch insgesamt der meist satte Cembaloklang und die angemessene Aussetzung des Generalbasses durch Michal Borgstede auf dieser Aufnahme.

Alles eingerechnet ist die vorliegende Aufnahme aufgrund ihrer abwechslungsreichen Interpretationen, die sich weit weg jedes gezwungenen Spiels und starrer Muster barocker Musik bewegen, empfehlenswert, wenngleich viele interpretatorische Feinheiten so einigen Anlass zu Diskussionen um historisch aufführungspraktische Korrektheit geben dürften.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Marion  Beyer Kritik von Marion Beyer,


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    Couperin, Francois: Concerts Royaux & Les Gouts-Reunis

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Brilliant classics
3
01.02.2013
Medium:
EAN:

CD
5028421944890


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