> > > Scarlatti, Domenico: Sonatas & Canzonas
Donnerstag, 18. Juli 2019

Scarlatti, Domenico - Sonatas & Canzonas

Mit Feuer und Raffinesse


Label/Verlag: Brilliant classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die vorliegende Aufnahme besticht nicht nur durch eine reizvolle Programmzusammenstellung, sondern auch mit einer lebendigen und absolut stilsicheren Interpretation.

Mit dem vorliegenden CD-Programm ist eine überaus reizvolle Kombination von Cembalosonaten Domenico Scarlattis und neapolitanischen Liedern aus dem 17. und 18. Jahrhundert gelungen. Mir ist keine Aufnahme bekannt, die auch nur annähernd eine so raffinierte, erfrischende und hervorragend begründete Auswahl der Cembalosonaten Scarlattis vorlegt. Es ist zugegebenermaßen kein leichtes Unterfangen, eine geschickte und gleichzeitig möglichst repräsentative Auswahl der bislang immer noch ungezählten Sonaten Scarlattis zu treffen. Die Gesamtzahl der Einspielungen wird immer unübersichtlicher ebenso wie es bei den Musikern kaum Favoriten unter den Scarlatti-Sonaten gibt.

Die vorliegende Aufnahme ist bereits 2009 entstanden. Die Interpreten sind der Cembalist Francesco Cera und die Sopranistin Letizia Calandra sowie der Barockgitarrist Michele Pasotti. Die Einspielung besteht aus insgesamt neun Sonaten, gepaart mit neapolitanischen Liedern von Leornado Vinci, Giovanni Pergolesi, Sant’ Alfonso de Liguori und weiteren anonymen Komponisten. Weil Scarlatti in Neapel geboren ist und einen Großteil seiner Jugend dort verbracht hat, ist er mit der neapolitanischen Volksmusik aufgewachsen, die sich auch in seinem Werk deutlich widerspiegelt. Es sind sogar direkte Bezüge aufzuweisen; manche Komposition scheint eine unmittelbare, ganz konkrete Reaktion auf populäres Volksmusikgut zu sein. Ein besonders überzeugendes Beispiel für solche Gemeinsamkeiten ist die musikalische Konzeption von Scarlattis Sonate in d-Moll K. 176 im Vergleich zum ähnlich melancholischen, aber auch doppelseitigen Charakter von Pergolesis 'Chi disse ca la femmena'. Ganz ähnlich ist auch der Eindruck bei der Kombination des anonymen Lieds 'Michelemmà' mit Scarlattis Sonate in G-Dur K. 153.

Interpretatorisch überzeugt die Aufnahme aufgrund des erfrischend lebhaften, sehr expressiven Temperaments der beiden Hauptinterpreten. Bereits mit der ersten Scarlatti-Sonate (K. 103) gelingt Cera ein hervorragender Einstieg. Der lebhafte Eindruck bei hoher musikalischer Konzentration setzt sich im Gesang der Sopranistin Calandras fort. Die große Flexibilität und überaus experimentierfreudige Stimme Calandras vermag den Charakter der temperamentvollen, aber auch sehr ausdrucksstarken neapolitanischen Lieder perfekt zu vermitteln. Besonders hervorzuheben ist das mühelose Beherrschen einer höchst virtuosen Stimme und der sichere, stets passende Einsatz von Portamenti.

Die Leichtigkeit und die interpretatorische Sicherheit Calandras überträgt sich auf das Spiel des Cembalisten Cera. Das feinfühlige Gespür für den besonderen musikalischen Ausdruck neapolitanischer Kompositionen – feurig, energiegeladen, aber dennoch gleichermaßen auch sehr gefühlvoll und sensibel – scheint sich im Klang des Cembalos fortzusetzen. Für diese Aufnahme wurde ein nachgebautes Instrument Roberto Livis von 1995 nach einem Original eines anonymen Cembalobauers aus Neapel (ca. 1650)verwendet. Der obertonreiche, außerordentlich helle Klang des Instruments sorgt für eine erstaunliche Transparenz der spieltechnisch herausfordernden Sonaten Scarlattis. Gleichzeitig harmoniert der Cembaloklang wunderbar mit der klaren, hellen Stimme Calandras.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Marion  Beyer Kritik von Marion Beyer,


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Scarlatti, Domenico: Sonatas & Canzonas

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Brilliant classics
1
03.01.2013
Medium:
EAN:

CD
5028421944883


Cover vergössern

Brilliant classics

Brilliant Classics steht für hochwertige Klassik zu günstigen Preisen!

Mit den Veröffentlichungen von komplettierten Gesamtwerks- Editionen und Zyklen berühmter Komponisten, hat sich das Label erfolgreich am Musikmarkt etabliert. Der Klassikmusikchef, Pieter van Winkel, ist Musikwissenschaftler und selbst Pianist. Mit seinem professionellen musikalischen Gespür für den Klassikmarkt, hat er in den letzten Jahren ein umfangreiches Klassikprogramm aufgebaut. Neben hochwertigen Lizenzprodukten fördert er mit Eigenproduktionen den musikalischen Nachwuchs und bietet renommierten Musikern eine ideale Plattform.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Brilliant classics:

  • Zur Kritik... Neue Saitenwege zu Debussy: Das Duo Bilitis verdichtet Debussys Musik im mystischen Harfen- und Stimmklang und ergründet damit neue Wege, die faszinierend, aber auch etwas eingegrenzt wirken. Weiter...
    (Lorenz Adamer, )
  • Zur Kritik... Kammermusik von Format: Sergej Tanejew sollte man kennen. Brilliant Classics veröffentlicht auf drei CDs vier Kammermusikwerke des russischen Komponisten. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Durchwachsen: Eher unbekanntes Repertoire von Louis Vierne erkundet Muza Rubackyte mit Partnern von wechselnder Eignung. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Brilliant classics...

Weitere CD-Besprechungen von Marion Beyer:

  • Zur Kritik... Inspiration und Prävention: Dieses Grundlagenwerk richtet sich an alle, die praktisch mit Musik zu tun haben. Trotz des breit adressierten Zielpublikums geht es in angemessener Weise in die Tiefe. Der Abschnitt mit praktischen Übungen könnte allerdings umfangreicher sein. Weiter...
    (Marion Beyer, )
  • Zur Kritik... Wiederbelebte Gattung der Opernfantasie: Die vorliegende Aufnahme ist ein schöner Beitrag zur immer mehr vergessen Gattung der Opernfantasie, deren Zweck als Erinnerung an Opern und ihre Melodien in Zeiten der ständigen Abrufbarkeit von Medien hinfällig ist. Weiter...
    (Marion Beyer, )
  • Zur Kritik... Mädchenhaftes Sein und Fühlen: Packende, mitreißende Interpretationen von Liedern Hugo Wolfs und Richard Strauss' und seltenes Repertoire mit Kompositionen von Ludwig Thuille sorgen für ein genussvolles, spannendes Hörerlebnis. Weiter...
    (Marion Beyer, )
blättern

Alle Kritiken von Marion Beyer...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Inspiriert: Das United Continuo Ensemble befreit Johann Erasmus Kindermann gemeinsam mit Ina Siedlaczek und Jan Kobow aus seinem Schicksal einer bloß historischen oder papierenen Größe: inspirierte Musik, köstlich gesungen und gespielt. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Musik aus Andalusien: Das Orquestra Baroca Sevilla bringt eine CD mit Trauermusik aus dem Andalusien des 18. Jahrhunderts heraus. Weiter...
    (Anneke Link, )
  • Zur Kritik... Les Rarissimes de Gina Bachauer: Die griechische Pianistin Gina Bachauer hätte eine vertiefte diskografische Erkundung verdient. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7/2019) herunterladen (2731 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Anonymous: Pastorale

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich