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Donnerstag, 27. Februar 2020

Scarlatti, Domenico - Sonatas & Canzonas

Mit Feuer und Raffinesse


Label/Verlag: Brilliant classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die vorliegende Aufnahme besticht nicht nur durch eine reizvolle Programmzusammenstellung, sondern auch mit einer lebendigen und absolut stilsicheren Interpretation.

Mit dem vorliegenden CD-Programm ist eine überaus reizvolle Kombination von Cembalosonaten Domenico Scarlattis und neapolitanischen Liedern aus dem 17. und 18. Jahrhundert gelungen. Mir ist keine Aufnahme bekannt, die auch nur annähernd eine so raffinierte, erfrischende und hervorragend begründete Auswahl der Cembalosonaten Scarlattis vorlegt. Es ist zugegebenermaßen kein leichtes Unterfangen, eine geschickte und gleichzeitig möglichst repräsentative Auswahl der bislang immer noch ungezählten Sonaten Scarlattis zu treffen. Die Gesamtzahl der Einspielungen wird immer unübersichtlicher ebenso wie es bei den Musikern kaum Favoriten unter den Scarlatti-Sonaten gibt.

Die vorliegende Aufnahme ist bereits 2009 entstanden. Die Interpreten sind der Cembalist Francesco Cera und die Sopranistin Letizia Calandra sowie der Barockgitarrist Michele Pasotti. Die Einspielung besteht aus insgesamt neun Sonaten, gepaart mit neapolitanischen Liedern von Leornado Vinci, Giovanni Pergolesi, Sant’ Alfonso de Liguori und weiteren anonymen Komponisten. Weil Scarlatti in Neapel geboren ist und einen Großteil seiner Jugend dort verbracht hat, ist er mit der neapolitanischen Volksmusik aufgewachsen, die sich auch in seinem Werk deutlich widerspiegelt. Es sind sogar direkte Bezüge aufzuweisen; manche Komposition scheint eine unmittelbare, ganz konkrete Reaktion auf populäres Volksmusikgut zu sein. Ein besonders überzeugendes Beispiel für solche Gemeinsamkeiten ist die musikalische Konzeption von Scarlattis Sonate in d-Moll K. 176 im Vergleich zum ähnlich melancholischen, aber auch doppelseitigen Charakter von Pergolesis 'Chi disse ca la femmena'. Ganz ähnlich ist auch der Eindruck bei der Kombination des anonymen Lieds 'Michelemmà' mit Scarlattis Sonate in G-Dur K. 153.

Interpretatorisch überzeugt die Aufnahme aufgrund des erfrischend lebhaften, sehr expressiven Temperaments der beiden Hauptinterpreten. Bereits mit der ersten Scarlatti-Sonate (K. 103) gelingt Cera ein hervorragender Einstieg. Der lebhafte Eindruck bei hoher musikalischer Konzentration setzt sich im Gesang der Sopranistin Calandras fort. Die große Flexibilität und überaus experimentierfreudige Stimme Calandras vermag den Charakter der temperamentvollen, aber auch sehr ausdrucksstarken neapolitanischen Lieder perfekt zu vermitteln. Besonders hervorzuheben ist das mühelose Beherrschen einer höchst virtuosen Stimme und der sichere, stets passende Einsatz von Portamenti.

Die Leichtigkeit und die interpretatorische Sicherheit Calandras überträgt sich auf das Spiel des Cembalisten Cera. Das feinfühlige Gespür für den besonderen musikalischen Ausdruck neapolitanischer Kompositionen – feurig, energiegeladen, aber dennoch gleichermaßen auch sehr gefühlvoll und sensibel – scheint sich im Klang des Cembalos fortzusetzen. Für diese Aufnahme wurde ein nachgebautes Instrument Roberto Livis von 1995 nach einem Original eines anonymen Cembalobauers aus Neapel (ca. 1650)verwendet. Der obertonreiche, außerordentlich helle Klang des Instruments sorgt für eine erstaunliche Transparenz der spieltechnisch herausfordernden Sonaten Scarlattis. Gleichzeitig harmoniert der Cembaloklang wunderbar mit der klaren, hellen Stimme Calandras.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Marion  Beyer Kritik von Marion Beyer,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Scarlatti, Domenico: Sonatas & Canzonas

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Brilliant classics
1
03.01.2013
Medium:
EAN:

CD
5028421944883


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