> > > Lehar, Franz: Operetta Films: Der Graf von Luxemburg, Paganini, Zigeunerliebe
Samstag, 20. April 2019

Lehar, Franz - Operetta Films: Der Graf von Luxemburg, Paganini, Zigeunerliebe

Fernsehoperetten-Trilogie


Label/Verlag: Arthaus Musik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Für den 'Graf von Luxemburg' und vor allem die 'Zigeunerliebe' lohnt sich die vermutlich kostengünstigere Dreier-Box. Den 'Paganini' kann man da verschmerzen oder einfach verschenken.

Ende der 1960er Jahre erlebte die Fernsehoperette eine Renaissance und bis in die 1980er produzierten die großen Fernsehsender eigene Operettenverfilmungen, in teilweise mehr oder weniger starken Bearbeitungen. Besetzt waren diese Fernsehversionen mit internationalen Gesangsstars aus der Oper-, Operetten-, Schauspiel- und Schlagerwelt – es war also für jeden Zuschauer ein bekanntes Gesicht dabei. Ob diese Bemühungen um die schwierige leichte Muse dem Genre vielmehr geschadet als geholfen haben, sei dahingestellt, für einen kurzen Moment wurden die Melodien wieder populär, und heute kann man sich aus sicherem Abstand allemal über diese Verfilmungen amüsieren oder sie gar genießen.

Bei Arthaus ist eine Box erschienen, die drei Operettenverfilmungen von Werken Franz Lehárs beinhaltet, die auch schon einzeln auf DVD erhältlich waren: 'Der Graf von Luxemburg' von 1972, die 'Paganini'-Version von 1973 und schließlich die 'Zigeunerliebe' (1974). Die Qualität der drei Produktionen ist höchst verschieden, gemeinsam haben sie aber eine illustre Starbesetzung, deren Namen schon die Ohren klingeln lässt.

Unterhaltsamer 'Graf von Luxemburg'

Der 'Graf von Luxemburg' in der Regie von Wolfgang Glück fängt in einem typischen Fernsehstudio-Bühnenbild mit beneidenswerter Gemütsruhe das Bohème-Leben im Paris des frühen 20. Jahrhunderts ein. Historisch genau nehmen es die Ausstatter zwar nicht, aber das tut dem Charme dieser Inszenierung keinen Abbruch. Mit der richtigen Mischung aus Unaufgeregtheit und guter Laune setzen alle Darsteller auf eine Wiederbelebung der guten, alten Salon-Operette mit ihren Intrigen, gesellschaftlichen und moralischen Hürden und der notwendigen Leichtigkeit im Umgang mit den handelnden Charakteren und sich selbst. Allen voran begeistert hier Erich Kunz in der Rolle des Basil Basilowitsch als konkurrenzloser Charakterdarsteller mit immer noch beneidenswerten stimmlichen Reserven. Auch das mit dem Schauspieler Peter Fröhlich und der Soubrette Helga Papouschek besetzte Buffo-Paar nimmt darstellerisch und musikalisch für sich ein. Fröhlich ist zwar kein stimmgewandter Tenor, aber die charmante Eleganz, mit der er seinen Gesangspart meistert und dabei stets textverständlich und inhaltlich intoniert ist schlicht entwaffnend.

Das ‚hohe‘ Paar ist mit Lilian Sukis und Eberhard Wächter zwar prominent und durchaus ansprechend besetzt, stimmlich hinterlassen aber beide einen zwiespältigen Eindruck. Eberhard Wächter ist für den Grafen René nicht mehr jugendlich genug; sein Bariton orgelt sich in tiefen Lagen mit Eleganz durch die Partie, aber jeglichen Glanz lässt er vermissen. Der Graf von Luxemburg ist nun mal kein Eisenstein in Strauß‘ 'Fledermaus', den Wächter so unnachahmlich darstellen konnte. Auch Lilian Sukis ist als Angèle Didier nicht ganz auf der Höhe ihrer Kunst. Ständig hat man das Gefühl, dass sie ihre Stimme künstlich verkleinert, Höhenpiani nur antippt und in hauchiger Manier, Leichtigkeit zu simulieren versucht. Ihr Sopran ist außerordentlich schön, die ständig angezogene Handbremse ermüdet aber auf Dauer. Immerhin spricht die Amerikanerin ihre Dialoge selbst – und das mit großer Souveränität.

Das musikalische Arrangement von Bert Grund ist fraglos dem Zeitgeschmack geschuldet, letztlich aber vertretbar, wenn man einmal vom Buffo-Terzett des dritten Aktes und der typischen kleinen Chorbesetzung absieht. Absolut verzichtbar ist das enervierende Fernsehballett, das gefühlt jede zweite Nummer mit Ausdruckstanz und schlimmen Choreografien anreichern muss.

Schwacher 'Paganini'

Das verbindet diesen 'Graf von Luxemburg' mit der ein Jahr später entstandenen Verfilmung von Lehárs 'Paganini'. Die Freude am endlich erreichten Farbfernsehen spiegelt sich in den aggressiv bunten Kostümen und der Ausstattung wider sowie in der Dauerbeschäftigung des aufdringlichen Balletts. Auch die Regie von Eugen York schafft es nicht, die Mischung aus Eleganz und Melancholie, Tragik und Komik im Fernsehbild einzufangen. Da retten auch die Darsteller nichts mehr. Antonio Theba ist ein optisch ansprechender Paganini, der dauerhaft in dämonisches Schwarz gekleidet ist, und in nahezu jeder Nummer an seine stimmlichen Grenzen stößt. Als Anna-Elisa verströmt Teresa Stratas zwar ihren berührenden Silberglanz, darstellerisch bleibt sie aber blass und die Dialoge spricht sie auch nicht selbst, sondern eine deutsche Synchronstimme. Dagmar Koller und Peter Kraus geben sich als Bella Giretti und Pimpinelli redliche Mühe, so etwas wie Stimmung zu verbreiten, sind aber von der Choreografie zu fragwürdigen Peinlichkeiten verdammt, die auch diesen Zauber gerne verpuffen lassen. Da erwischt man sich, dass man den ‚erst‘ 69-jährigen Johannes Heesters in der Charakterrolle des Fürsten Felice trefflich besetzt findet – und das will etwas heißen.

Gelungene 'Zigeunerliebe'

Die dritte DVD im Bunde ist die 'Zigeunerliebe' aus dem Jahr 1974. Inszenatorisch ist sie wohl die gelungenste Verfilmung mit zahlreichen Außenaufnahmen und fantasie- und effektvollen Kameraeinstellungen. Das sonst so schwer verdauliche und klischeebeladene Zigeunerthema des Werks ist von Regisseur Václav Kaslík mit der nötigen Brisanz und Klarheit umgesetzt worden.

Musikalisch lässt die Produktion fast keine Wünsche offen – nur beim herrlich kraftvollen Tenor von Ion Buzea als Jószi wünschte man sich eine größere Textverständlichkeit. Janet Perry ist eine sympathische und feurige Zorika, Adolf Dallapozza ein edel besetzter Jonel und Heinz Friedrich glänzt in der komischen Rolle des Dragotin. Als Ilona darf man die Sopranistin Colette Lorand in Hochform erleben. Die Sängerin muss nicht an Stimme und Volumen sparen, sie singt den Csárdás mit Inbrunst und vokalem Glanz, dabei immer auf saubere Diktion und komödiantisches Feuer bedacht. Das Münchner Rundfunkorchester unter der Leitung von Heinz Wallberg beruft sich auf Lehárs Fassung von 1911 und liefert den für die damaligen Verfilmungen wohl authentischsten Klang.

Für den 'Graf von Luxemburg' und vor allem die 'Zigeunerliebe' lohnt sich die vermutlich kostengünstigere Dreier-Box – den schwer erträglichen 'Paganini' kann man da verschmerzen oder einfach verschenken.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Regie:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Lehar, Franz: Operetta Films: Der Graf von Luxemburg, Paganini, Zigeunerliebe

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Arthaus Musik
3
19.11.2012
EAN:

807280752595


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Arthaus Musik

Arthaus Musik wurde im März 2000 in München gegründet und hat seit 2007 seinen Firmensitz in Halle (Saale), der Geburtsstadt Georg Friedrich Händels.

Das Pionierlabel für Klassik auf DVD veröffentlicht nunmehr seit 13 Jahren hochkarätige Aufzeichnungen von Opern, Balletten, klassischen Konzerten, Jazz, Theaterinszenierungen sowie ausgesuchte Dokumentationen über Musik und Kunst. Mit bis zu 150 Veröffentlichungen pro Jahr sind bisher über 1000 Titel auf DVD und Blu-ray erschienen. Damit bietet Arthaus Musik den weltweit umfangreichsten Katalog von audiovisuellen Musik- und Kunstproduktionen und ist seit Gründung des Labels international führender Anbieter in diesem Segment des Home Entertainment Marktes.

In vielen referenzgültigen Aufzeichnungen sind die größten Künstler unserer Zeit wie auch aus vergangenen Tagen zu hören und zu sehen. Unter den Veröffentlichungen finden sich Aufnahmen mit Plácido Domingo, Cecilia Bartoli, Luciano Pavarotti, Maria Callas, Jonas Kaufmann, Elīna Garanča; mit Dirigenten wie Carlos Kleiber, Claudio Abbado, Nikolaus Harnoncourt, Lorin Maazel, Pierre Boulez, Zubin Mehta; aus Opernhäusern wie der Mailänder Scala, der Wiener Staatsoper, dem Royal Opera House Covent Garden, der Opéra National de Paris , der Staatsoper Unter den Linden, der Deutschen Oper Berlin und dem Opernhaus Zürich.

Zahlreiche Veröffentlichungen des Labels wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter der Oscar-prämierte Animationsfilm ?Peter & der Wolf? von Suzie Templeton, die aufwändig produzierte ?Walter-Felsenstein-Edition? und die von Sasha Waltz choreographierte Oper ?Dido und Aeneas?, die beide den Preis der deutschen Schallplattenkritik erhielten. Mit dem Midem Classical Award wurden u. a. die Dokumentationen ?Herbert von Karajan ? Maestro for the Screen? von Georg Wübbolt und ?Celibidache ? You don?t do anything, you let it evolve? von Jan Schmidt-Garre ausgezeichnet. Die Dokumentation ?Carlos Kleiber ? Traces to nowhere? von Eric Schulz erhielt den ECHO Klassik 2011.

Mit der Tochterfirma Monarda Arts besitzt Arthaus Musik eine ca. 900 Produktionen umfassende Rechtebibliothek zur DVD-, TV- und Onlineauswertung. Seit 2007 entwickelt das Unternehmen kontinuierlich die Sparte Eigenproduktion mit der Aufzeichnung von Opern, Konzerten, Balletten und der Produktion von Kunst- und Musikdokumentationen weiter.

Arthaus Musik DVDs und Blu-ray Discs werden über ein leistungsfähiges Vertriebsnetz, u.a. in Kooperation mit Naxos Global Distribution in ca. 70 Ländern der Welt aktiv vertrieben. Darüber hinaus veröffentlicht und vertreibt Arthaus Musik die 3sat-DVD-Edition und betreut für den Buchhandel u.a. die Buch- und DVD-Edition über Pina Bausch von L’Arche Editeur, Preisträger des Prix de l’Académie de Berlin 2010.


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