> > > Panufnik, Andrzej: Votiva: Orchesterwerke Vol. 5
Montag, 2. Oktober 2023

Panufnik, Andrzej - Votiva: Orchesterwerke Vol. 5

Eher lyrisch


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


CPO setzt seine verdienstvolle Panufnik-Reihe mit zwei Sinfonien und dem 'Concerto Festivo' fort. Die Einspielungen sind gut, können aber ältere Aufnahmen derselben Werke nicht grundsätzlich übertreffen.

Eine wichtige CD-Premiere präsentiert die fünfte Folge der Gesamteinspielung der Sinfonien Andrzej Panufniks: Die 1977 vollendete 'Metasinfonia' genannte Sinfonie Nr. 7 (mit Orgel und Pauken) hatte der Komponist 1985 mit dem London Symphony Orchestra, Jennifer Bate und Kurt-Hans Goedicke für Unicorn-Kanchana auf LP aufgenommen (merkwürdigerweise nie auf CD erschienen), und Borowiczs Neuaufnahme leistet in dieser Hinsicht endlich Abhilfe. Nahezu archaisch sind die Klänge dieser einsätzigen, mehr als 25-minütigen Komposition, deren Titel heute etwas missverständlich gedeutet werden kann (gemeint ist im Grunde eher ‚Metamorphosinfonia‘). Die unverstellte Kraft und meditative Tiefe des Werkes (mit gelegentlichen Messiaen-Anklängen) erfährt in der Neueinspielung eine äußerst kultivierte, lebendige Wiedergabe – kultivierter (oder, anders ausgedrückt, weniger archaisch) als in der LP-Erstveröffentlichung. Borowicz strukturiert klar Streicher-, Pauken- (Michael Oberaigner) und Orgelpart (Jörg Strodthoff an der Jehmlich-Orgel des Konzerthauses), während in der früheren Aufnahme die Klangfarben stärker verschmelzen. Beide Konzepte haben ihre Vor- und Nachteile: Deutlich größerer Klarheit bei Borowicz steht bei Panufnik ein individuellerer (gelegentlich aber vielleicht etwas pauschalerer) Klang gegenüber, und es mag Geschmackssache sein, was man vorziehen mag. Solange die Ersteinspielung noch nicht auf CD vorliegt, fällt die Wahl leicht, doch sollte dem abgeholfen werden, besonders in optimierter Klangqualität (etwa durch NMC oder Lyrita), so ist es wahrscheinlich, dass der Zeiger sich leicht in der anderen Richtung neigt.

1981 nahm der Komponist (ebenfalls für das lange vom Markt verschwundene Label Unicorn-Kanchana) auch das 1979-80 entstandene 'Concerto Festivo' auf, ein dreisätziges, überschaubarer angelegtes Werk, voller Kraft und Energie, doch gelegentlich etwas unpräzise im Zusammenspiel. Dennoch ist die Innenspannung, die Panufnik selbst an den Tag legt, offenkundig intensiver als jene Borowiczs und seiner Musiker. Wo die Berliner Musik machen, da musiziert das London Symphony Orchestra aus innerster Seele; besonders auffallend ist dies im langsamen Satz, dem in der Neueinspielung viele der Zwischenvaleurs fehlen, die die frühere Aufnahme auszeichnen. Auch im überaus spielfreudigen Finale scheint irgendwie ein eher distanziertes Verhältnis zwischen Komponist und Dirigent bestehen zu bleiben, jedenfalls im direkten Vergleich zu der Alternativeinspielung.

Die 1980/81 entstandene Sinfonie Nr. 8 'Sinfonia Votiva' liegt in zwei Einspielungen vor, mit dem Boston Symphony Orchestra unter Seiji Ozawa (1982, unmittelbar nach der Uraufführung durch dieselben Kräfte) sowie einem Live-Mitschnitt mit dem BBC Symphony Orchestra unter dem Komponisten (1983). Dieses dem Votivbild der Madonna von Czestochau gewidmete Werk scheint Borowicz in seiner lyrischen Grundhaltung deutlich besser zu liegen als die emotionalen Ausbrüche manch anderer Komposition – endlich kommen Qualitäten, die wir bereits aus früheren Folgen der Edition kennen, wieder voll zur Geltung. Gleichwohl hat Ozawas Einspielung insgesamt doch deutlich mehr Stimmung und Wärme; Borowicz wird also auch hier auf den zweiten Platz verwiesen.

Wie schon zuvor in der Panufnik-Reihe von CPO ist die Aufnahmetechnik ausgesprochen klar und gut gestaffelt, das Booklet etwas zu ausführlich und ohne wirklich eigene Note (viele, viele lange Zitate des Komponisten, durch die andere essenzielle Informationen etwas untergehen). Je mehr Folgen der Reihe vorliegen, umso klarer wird, dass dreißig Jahre ältere Einspielungen denn auch mit neuerer Aufnahmetechnik noch längst nicht ohne weiteres zu übertreffen sind.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Panufnik, Andrzej: Votiva: Orchesterwerke Vol. 5

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
1
20.09.2012
Medium:
EAN:

CD
761203768424


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Panufnik, Andrzej
 - Metasinfonia for Organ, Timpani & Strings - Sinfonie Nr. 7
 - Sinfonia Votiva: Sinfonie Nr. 8 - con devozione (andante rubato)
 - Sinfonia Votiva: Sinfonie Nr. 8 - con passione (allegro assai)
 - Concerto Festivo - pomposo
 - Concerto Festivo - lirico
 - Concerto Festivo - giocoso


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Dirigent(en):Borowicz, Lukasz
Orchester/Ensemble:Konzerthausorchester Berlin
Interpret(en):Borowicz, Lukasz


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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