> > > Saint-Saens, Camille: Klaviertrios op. 18 & 92
Montag, 24. Juli 2017

Saint-Saens, Camille - Klaviertrios op. 18 & 92

Verbrahmster Mendelssohn auf Französisch


Label/Verlag: MDG
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Aufnahme der beiden Klaviertrios von Camille Saint-Saëns durch das Wiener Klaviertrio ist äußerst hörenswert - vor allem für jene, die diese Klaviertrios noch nicht kennen.

Das Wiener Klaviertrio hat seine Diskographie um zwei hörenswerte Klaviertrios erweitert. Im großen Werk ihres Komponisten stehen sie eher im Schatten anderer Werke, wie zum Beispiel der berühmten ‚Orgelsymphonie‘, dem ersten Cellokonzert oder dem 'Karneval der Tiere'. Und auch in der Literatur stehen die neu eingespielten Klaviertrios etwas stiefmütterlich hinter großen Vertretern der Gattung, wie den Trios von Beethoven, Schubert oder Mendelssohn. Während das erste, etwas bekanntere, Trio (op. 18 in F-Dur) schon 1863 entstand, als der Komponist noch keine 30 Jahre alt war, steht das zweite Trio (op. 92 in e-Moll) in einer zeitlichen Distanz von abermals knapp 30 Jahren zu seinem Vorgänger.

Die Rede ist von den beiden Klaviertrios von Camille Saint-Saëns – zwei ausgesprochen hörenswerten Werken. Und dass sich diese Werke nicht hinter den etablierten Kompositionen für Klaviertrio verstecken müssen, demonstrieren Bogdan Bozovic (Violine), Matthias Gredler (Violoncello) und Stefan Mendl (Klavier) mit ihrer Interpretation auf souveräne Art. Sie lassen der Musik genügend Zeit zum Atmen und verstehen es, die bewegten Momente mit gebündelter Energie zu den Höhepunkten zu führen, ohne sich in ihrer Virtuosität zu verlieren. Gleich im ersten Satz des ersten Trios fällt der anspruchsvolle Klavierpart auf, der sofort Erinnerungen an Mendelssohn wachruft. Diese Beziehung ist im Scherzo dann kaum mehr zu überhören. Kein Wunder, denn auch Saint-Saëns war, wie Mendelssohn, ein virtuoser Pianist. Dennoch drängt sich das Klavier in dieser Aufnahme nie in den Vordergrund, sondern trägt die hervorragend disponierten Streicher. Der Ensembleklang ist insgesamt rund, die Instrumente sind transparent abgebildet und die Themen fliegen wie aus einem Guss durch die einzelnen Instrumente. Die drei Musiker des Wiener Klaviertrios sprechen eindeutig die gleiche musikalische Sprache, singen wie mit einem Atem aus einem gemeinsamen Mund.

Und dann erinnern Saint-Saëns Klaviertrios immer wieder an bekanntes, namentlich an Mendelsohn, Schubert, Schumann und zuweilen auch an Brahms – und doch handelt es sich hier keinesfalls um Stilkopien, wie auch Elisabeth Deckers in ihrem ausführlichen Booklettext diskutiert. Vielmehr klingen Saint-Saëns Klaviertrios sofort vertraut. Und doch sind sie anders, etwas ganz eigenes. Als höre man einen verbrahmsten Mendelssohn auf Französisch, so könnte man den Höreindruck vielleicht beschreiben.

So ist diese Einspielung insgesamt äußerst hörenswert, nicht nur durch das gewohnt hervorragende Spiel des Wiener Klaviertrios. Auch klanglich fährt man mit dieser von MDG produzierten Aufnahme wieder einmal sehr gut. Sollte man die Werke nicht ohnehin schon kennen, macht die Entdeckung der beiden Klaviertrios von Saint- Saëns den größten Spaß.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Saint-Saens, Camille: Klaviertrios op. 18 & 92

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
MDG
1
03.09.2012
EAN:

760623176369


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MDG

Die klangrealistische Tonaufnahme

»Den beim Sprechen oder Musizieren entstehenden Schall festzuhalten, um ihn zu konservieren und beliebig reproduzieren zu können, ist eine Idee, die seit langem die Menschen beschäftigte. Waren zunächst eher magische Aspekte im Spiel, die die Phantasie beflügelten wie etwa bei Giovanni deila Porta, der 1598 den Schall in Bleiröhren auffangen wollte, so führte mit fortschreitender Entwicklung naturwissenschaftlichen Denkens ein verhältnismäßig gerader Weg zur Lösung...« (Riemann Musiklexikon)

Seit Beginn der elektrischen Schallaufzeichnung ist der Tonmeister als »Klangregisseur« bei der Aufnahme natürlich dem Komponisten und dem Interpreten, aber auch dem Hörer verpflichtet. Die Mittel zur Tonaufzeichnung sind hinlänglich bekannt. Die Kriterien für ihren Einsatz bestimmt das Ohr. Deshalb für den Hörer hier eine Beschreibung unserer Hörvorstellung.

Lifehaftigkeit

In der Gewißheit, daß der Konzertsaal im Wohnzimmer (leider) nicht realisierbar ist, konzentriert sich unser Bemühen darauf, die Illusion einer Wirklichkeit zu vermitteln. Die Musik soll im Hörraum so wiedererstehen, daß spontan der Eindruck der Unmittelbarkeit entsteht, das lebendige Klanggeschehen mit der ganzen Atmosphäre der »Lifehaftigkeit« erlebt wird. Da wir praktisch ausschließlich menschliche Stimmen und »klassische« Instrumente - auch sie haben ihren Ursprung im Nachahmen der Stimme - aufnehmen, konzentriert sich unsere Klangvorstellung auf natürliche Klangbalance und tonale Ausgeglichenheit im Ganzen, und instrumentenhafte Klangtreue im Einzelnen. Darüber hinaus natürliche, ungebremste Dynamik und genaueste Auflösung auch der feinsten Spannungsbögen. Weitestgehend bestimmend für die Illusion der Lifehaftigkeit ist auch die Ortbarkeit der Klangquellen im Raum: freistehend, dreidimensional, realistisch.

Musik entsteht im Raum

Um diesen »Klangrealismus« einzufangen, ist bei den Aufnahmen von MDG eine natürliche Akustik unbedingte Voraussetzung. Mehr noch, für jede Produktion wird speziell in Hinblick auf die Besetzung und den Kompositionsstil der passende Aufnahmeraum ausgesucht. Anschließend wird »vor Ort« die optimale Plazierung der Musiker und Instrumente im Raum erarbeitet. Dieser ideale »Spielplatz« ermöglicht nun nicht nur die akustisch beste Aufnahme, sondern inspiriert durch seine Rückwirkung die Musiker zu einer lebendigen, anregenden Musizierlust und spannender Interpretation. Können Sie sich die Antwort des Musikers vorstellen auf die Frage, ob er lieber in einem trockenen Studio oder in einem Konzertsaal spielt?

Die Aufnahme

Ist der ideale Raum vorhanden, entscheidet sich der gute Ton an den Mikrofonen - verschiedene Typen mit speziellen klanglichen Eigenheiten stehen zur Auswahl und wollen mit dem Klang der Instrumente im Raum in Harmonie gebracht werden. Ebenso wichtig für eine natürliche Abbildung ist die Anordnung der Mikrofone, damit etwa die richtigen Nuancen in der solistischen Darstellung oder die Kompensation von Verdeckungseffekten realisierbar werden. Das puristische Ideal »nur zwei Mikrofone« kann selten den komplexen Anforderungen einer Aufnahme mit mehreren Instrumenten gerecht werden. Aber egal wie viele Mikrofone verwendet werden: Stellt sich ein natürlicher Klangeindruck ein, ist die Frage nach dem Zustandekommen des »Lifehaftigen« zweitrangig. Entscheidend ist, es klingt so, als wären nur zwei Mikrofone im Spiel.

Ohne irgendwelche »Verschlimmbesserer« wie Filter, Limiter, Equalizer, künstlichen Hall etc. zu benutzen, sammeln wir die Mikro-Wellen übertragerlos in einem puristischen Mischpult und geben das mit elektrostatischem Kopfhörer kontrollierte Stereosignal linear und unbegrenzt an den AD-Wandler und zum digitalen Speicher weiter. Dadurch bleiben auch die feinsten Einschwingvorgänge erhalten. Auf der digitalen Ebene wird dann ohne klangmanipulierende Eingriffe mit dem eigenen Editor in unserem Hause das Band zur Herstellung der Compact Disc für den Hörer erstellt, für Ihr hoffentlich großes Hörvergnügen.


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