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Montag, 30. Januar 2023

Schostakowitsch, Dmitri - Schostakowitsch Edition

Lebenswerk


Label/Verlag: Brilliant classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Nicht ganz komplett, aber nahe dran: Die Schostakowitsch-Box enttäuscht nicht.

Die bei Brilliant Classics in schöner Regelmäßigkeit erscheinenden Editionen haben ihre Vor- und Nachteile. Bei einem überwiegend Instrumentalmusik schaffenden Komponisten wie Luigi Boccherini fällt der Umstand, dass die Begleithefte in der Regel dünn sind und keine Libretti mitgeliefert werden, wenig ins Gewicht. Bei jemandem wie Nikolai Rimsky-Korsakow, der zahlreiche Opern auf Russisch komponierte, tun sich da schon eher Hindernisse auf. In Bezug auf die jüngst erschienene, 51 CDs schwere Schostakowitsch-Edition sind ähnliche Probleme zu verzeichnen. Wer kein Russisch versteht, wird sich bei den Opern 'Lady Macbeth von Mzensk' (Originalfassung) und 'Die Spieler' sowie den kompletten Liedzyklen mit dem Verständnis schwer tun. Der großen Qualität der Aufnahmen tut das freilich keinen Abbruch. 'Lady Macbeth' liegt von EMI neu lizensiert in der Referenzeinspielung mit Mstislaw Rostropowitsch und Galina Vishnevskaya, der Schostakowitsch einige Werke auf den Leib schrieb, in der Hauptrolle vor. Gleiches gilt für Rostropowitsch, ihren Ehemann, dem er bekanntlich die beiden Cellokonzerte widmete. Das Erste Cellokonzert gibt es hier dann auch in einer Aufnahme mit Rostropowitsch. Übrigens sind fast alle Einspielungen dieser Box, wie bei Brilliant Classics nicht unüblich, von anderen Labels übernommen.

Zeitzeugnisse

Mag es bei den Vokalwerken sprachliche Hürden geben – die über weite Strecken grandiose Qualität der versammelten Aufnahmen lässt dieses Defizit in den Hintergrund treten. Dass viele CDs zugleich historisch wertvolle Zeugnisse einer Epoche enthalten, deren dunkle Seiten in Schostakowitschs Musik gleichsam widerhallen, trägt zur unbestrittenen Qualität auf tragische Weise bei. Denn wie die mittlerweile zum großen Teil verstorbenen Zeitgenossen Schostakowitschs im sowjetischen Musikleben wussten, war und ist das Werk Schostakowitschs nicht nur biographisch eng an den Terror in der Sowjetunion gekoppelt. Wer über diesen wichtigen Aspekt der Musik gleichsam hinweghört, läuft Gefahr, ihren tönenden Gehalt bei der Interpretation zu vernachlässigen. Da viele Aufnahmen jedoch aus der Sowjet-Ära stammen oder mit Dirigenten, Musikern und Orchestern gemacht wurden, die aus der ehemaligen Sowjetunion kommen, braucht man sich um diesen Punkt kaum zu sorgen.

Beinahe enzyklopädisch

Eines der besten Beispiele für die Expertise in Sachen Schostakowitsch mag sein ehemaliger Schüler, der 2010 verstorbene Dirigent und Geiger Rudolf Barshai sein, dessen Sinfonien-Zyklus mit dem WDR Sinfonieorchester hier vorliegt, ebenso übrigens wie Barshais Bearbeitungen einiger Streichquartette Schostakowitschs zu Kammersinfonien. Letztere hat Barshai mit dem Orchestra Sinfonica di Milano Giuseppe Verdi eingespielt. Nimmt man zu den 15 Sinfonien die 15 Streichquartette hinzu, gespielt vom flämischen Rubio Quartett, hat man bereits 18 CDs erfasst. Zwar atmen die Interpretationen nicht den oft beschworenen ‚russischen Geist‘, als im Tonfall vielseitig und wach, sensibel, mitunter kratzbürstig vermögen sie jedoch zu überzeugen. Über die beiden Violinkonzerte mit David Oistrakh als Solisten braucht man keine Worte zu verlieren. Überhaupt wird der Schostakowitsch-Fan manche Einspielung vielleicht schon besitzen oder zumindest wiedererkennen. Da die Box so viel enthält, ist es sinnvoller, die Werke zu nennen, die nicht darin aufgeführt sind. Das wären zum Beispiel die frühe, progressive Oper 'Die Nase' nach Gogol und das Klaviertrio Nr. 1, ebenfalls ein Frühwerk.

Filmmusik und andere Raritäten

Daneben aber stößt der interessierte Hörer auf eine ganze Reihe wenig bekannter Orchestermusik, die den Schostakowitsch hervorkehrt, den man als Komponisten von ‚leichter‘ Musik bezeichnen kann. Dazu zählt Filmmusik wie ‚Das neue Babylon‘, ‚Der Fall von Berlin‘, ‚Allein‘, ‚Hamlet‘, ‚King Lear‘ oder die ‚Maxim-Trilogie‘. Hier versieht Michail Jurowski unter anderem mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester-Berlin ganze Arbeit. Hinzu tritt die Ballettmusik mit ‚Der Bolzen‘, ‚Das goldene Zeitalter‘ und eine kleinere Menge an Suiten, die Theodor Kuchar mit dem Nationalsinfonieorchester der Ukraine unnachahmlich perkussiv wie schwungvoll gibt; die mächtigen Blechbläser tun ihr übriges.

Eine ganze Menge an Nebenschauplätzen tut sich weiter auf: die durch Schostakowitsch vervollständigte Oper 'Rothschilds Violine' von Venianim Fleischmann, das – sieht man von den 24 Präludien und Fugen op. 87 ab – weitgehend unbekannte Klavierwerk, das eine CD umfassende Chorwerk. Was die Box abrundet, sind eine Reihe als ‚historisch‘ gekennzeichnete Interpretationen als Zugabe. So gibt es eine atemberaubende Sinfonie Nr. 5 mit den Leningrader Philharmonikern unter Evgeny Mravinksy sowie das Violinkonzert Nr. 1 mit Leonid Kogan. Alles in allem hält die Schostakowitsch-Box, was sie verspricht: die umfangreichste Sammlung an Musik eines der faszinierendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts zu sein.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schostakowitsch, Dmitri: Schostakowitsch Edition

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Brilliant classics
51
25.09.2012
Medium:
EAN:

CD
5029365924528


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Mit den Veröffentlichungen von komplettierten Gesamtwerks- Editionen und Zyklen berühmter Komponisten, hat sich das Label erfolgreich am Musikmarkt etabliert. Der Klassikmusikchef, Pieter van Winkel, ist Musikwissenschaftler und selbst Pianist. Mit seinem professionellen musikalischen Gespür für den Klassikmarkt, hat er in den letzten Jahren ein umfangreiches Klassikprogramm aufgebaut. Neben hochwertigen Lizenzprodukten fördert er mit Eigenproduktionen den musikalischen Nachwuchs und bietet renommierten Musikern eine ideale Plattform.


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