> > > J. Brahms: Ein Deutsches Requiem: Enoch zu Guttenberg
Dienstag, 25. Februar 2020

J. Brahms: Ein Deutsches Requiem - Enoch zu Guttenberg

Dynamisch & pulsierend


Label/Verlag: Farao Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Was haben Johannes Brahms, Giuseppe Verdi, Hector Berlioz, George Bizet, Wolfgang Amadeus Mozart, Heinrich Schütz und Luigi Cherubini gemeinsam? Sie alle haben eine große Totenmesse für Chor und Orchester komponiert. Was Schütz (Musikalischen Exsequien) und Brahms (Deutsches Requiem) darüber hinaus verbindet, ist nicht nur die Komposition der Trauermusik in deutscher statt in lateinischer Sprache. Beide Werke können kaum als Gottesdienstmusik bezeichnet werden. Jedes für sich ist eher ein ?geistliches Konzertwerk?. So entstammt der Text des Deutschen Requiems nicht etwa einer einzigen Quelle. Brahms verwendete Passagen aus dem Alten und Neuen Testament sowie aus den Apokryphen. Trotz dieser vielen unterschiedlichen Quellen gelang es ihm, die ausgesuchten Textstellen zu einer einheitlichen Botschaft der Hoffnung, bzw. der Gewissheit, dass der Tod zu überwinden ist, zu formen. Brahms wollte kein Requiem für Tote schreiben, sondern, wie er Zeitgenossen anvertraute, zum Trost für lebende Menschen. Gerade deshalb durfte sich Brahms auch nicht in die enge Gestalt der katholischen Missa pro defunctis mit Ihren Kernaussagen der Schrecken des jüngstes Gerichts und der Bitte um Erbarmen begeben. So sucht man zum Beispiel ein ?Dies irae? vergeblich im Deutschen Requiem.
Heinrich Schütz war für die Komposition des Deutschen Requiems ebenso eine künstlerische Quelle wie die Werke Johann Sebastian Bachs, dessen kompositorischen Schaffens Brahms sich gleich mit dem Erscheinen der Bachschen Werkausgabe (1851) mit großer Begeisterung widmete. So fallen insbesondere die Kreuzmotive in der Fuge des zweiten Satzes ?Die Erlöseten des Herrn? sowie im Bariton Solo des dritten Satzes ?Siehe ich sage euch ein Geheimnis? auf.

Nach der Einspielung zahlreicher Chorwerke wie der Matthäus-Passion Johann Sebastian Bachs und der Großen Messe in c-moll von Wolfgang Amadeus Mozart hat sich der Dirigent Ennoch zu Guttenberg nun dem Deutschen Requiem von Johannes Brahms angenommen. Mit Chor und Orchester der Tschechischen Staatsphilharmonie Brünn sowie mit Dietrich Henschel (Bariton) und Malin Hartelius (Sopran) als Solisten stehen ihm sehr gute Kräfte zur Verfügung.
Schwachpunkt der Aufnahme ist die Staatsphilharmonie Brünn. Sie spielt leider mit beeinträchtigter Intonation, und Einsätze kommen nicht immer auf den Punkt genau.
Der Chor der Staatsphilharmonie Brünn darf als herausragend bezeichnet werden. Besonders erwähnt sei der Chorsopran. Er singt auch schwierige Passagen mühelos, mit außerordentlich schönem und klarem Ton. In den großen Tutti-Stellen entfacht der Chor ein wahres Feuerwerk und Klangrauschen. Besonders schön kommt dies im sechsten Satz ?Zu der Zeit der letzten Posaune? zum Ausdruck. Ebenfalls beeindruckend ist die Steigerung des Chores im zweiten Satz, wenn es heißt ?Denn alles Fleisch, es ist wie Gras?. So gerät die Wiederholung der Passage noch emphatischer als die ursprüngliche.

Ebenso Klangschön wie Ausdrucksstark ist Malin Hartelius in Ihrem Sopran-Solo des fünften Satzes. Dietrich Henschel hingegen wird seiner Rolle leider nicht ganz gerecht. Sicherlich ist an seiner Intonation nichts auszusetzen, aber dass alleine macht noch keine Musik. So trägt er zum Beispiel sein Solo ?Ach, wie gar nichts sind alle Menschen? nahezu emotionslos und mit zuviel Tremolo vor. Vielleicht liegt dies aber auch an den teilweise recht langsamen Tempi Guttenbergs.
Guttenbergs Kollege Richard Hickox benötigt für die Aufführung des Werkes 74 Minuten, Roger Norrington und Wolfgang Sawallisch jeweils 68 Minuten, Kurt Masur 60 Minuten und Philippe Herreweghe braucht sogar nur 58 Minuten. Mit rund 77 Minuten darf deshalb Guttenbergs Interpretation als eine der langsamsten bezeichnet werden, was vor allem an den recht getragenen Tempi der Ecksätze liegt. Allerdings schlägt dieser einfache Zeitvergleich nicht negativ zu Buche, da alles sehr dynamisch abgestuft und pulsierend wirkt. Guttenberg fordert von seinen Musikern viel und der Hörer profitiert davon.

Insgesamt eine sehr schöne Aufnahme mit ausdrucksstarken Momenten. Diese CD kann man getrost in die eigene Sammlung aufnehmen. Vor allem aber für jene, die bisher nur die Aufnahme des Deutschen Requiems mit Philippe Herreweghe besitzen und nun eine Einspielung mit modernen Instrumenten suchen, ist diese CD geeignet, da sie ? was die Tempi betrifft - genau den Gegenpart darstellt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 



Kritik von Boris Boechel,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    J. Brahms: Ein Deutsches Requiem: Enoch zu Guttenberg

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Farao Classics
1
08.01.2003
1:16:44
1996
2001
Medium:
EAN:
BestellNr.:
CD
4025438080062
B 108 006

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Brahms, Johannes
 - Ein Deutsches Requiem -


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Dirigent(en):Guttenberg, Enoch zu
Orchester/Ensemble:Czech State Philharmonia Brno
Interpret(en):Czech Philharmonic Choir Brno,


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Farao Classics

Ein Idee wird zum Erfolg

FARAO classics wurde vor über einem Jahrzehnt mit der Vision gegründet, den künstlerischen Prozess einer Musikproduktion von der Planung über die Aufnahme, den Schnitt und die Mischung bis zur Veröffentlichung maßgeblich in die Hände von Musikern zu legen. Mit dem Ziel eine einzigartige Aufnahme mit künstlerischer Persönlichkeit zu schaffen, finden bei uns kurzlebige kommerzielle Erfolgsaussichten und marketingtechnisches Kalkül keine Berücksichtigung. Vielmehr stellt sich vor jeder neuen Produktion die Kernfrage: Gibt es einen zwingenden künstlerischen Grund, warum die Aufnahme erscheinen soll? Auch in den Bereichen Vertrieb und Öffentlichkeitsarbeit zeigen sich die Vorteile einer unabhängigen Plattenfirma - kurze Wege, persönliches Engagement und Liebe zum Produkt.

In München zu Hause, international anerkannt

Erstklassige Künstler, spannende Projekte und Interpretationen, hervorragende Klangqualität und eine aufwändige Produktausstattung sorgen bei Presse und Publikum immer wieder für Furore. So konnten sich unsere Veröffentlichungen auch weltweit im Tonträgerhandel etablieren und sind in allen wichtigen Märkten erhältlich.

Hörgenuss in Surround - Pure Audio Blu-ray Disc | SACD

Eine außergewöhnliche Klangqualität unserer Aufnahmen ist seit jeher eines der wichtigsten Ziele von FARAO classics. Musik außerhalb des Opernhauses oder Konzertsaales hören und dennoch ein Höchstmaß an musikalischer Authentizität und klanglicher Brillanz zu genießen, war und ist bei uns Standard. Der Traum aber, den Zuhörer zuhause in ein verblüffend reales Hörerlebnis zu versetzen ist Realität geworden - 5.0 Surround!

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Pure Audio Blu-ray Disc

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Die Blu-ray Disc unterstützt die Tonformate der nächsten Generation: Dolby TrueHD, DTS-HD und originäres LPCM. FARAO classics produziert in Stereo (LPCM 96 kHz/24bit) und im Surround Format 5.0 (DTS-HD).

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Eine SACD-Hybrid kann sowohl auf CD-Playern (in CD-Qualität), als auch auf SACD-Playern (hochauflösend in Stereo oder Mehrkanal) abgespielt werden. Durch diese Kompatibilität macht der Kauf einer SACD auch dann Sinn, wenn die entsprechende Anlage erst in der Zukunft angeschafft werden soll.

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Wir hoffen, Ihnen mit unseren Produktionen musikalische Freude zu bereiten!


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