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Donnerstag, 19. Oktober 2017

Beethoven, Ludwig van - Sonaten für Violine & Klavier Nr. 1 - 10

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Label/Verlag: Zig-Zag Territoires
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Midori Seiler und Jos van Immerseel liefern mit dieser Gesamteinspielung eine der wenigen Aufnahmen mit historischen Instrumenten. Ihre Interpretation der Werke ist allerdings ungewöhnlich und sicherlich nicht für jeden ein Genuss.

Beethovens Violinsonaten sind in zwischen 1797 und 1803, also innerhalb relativ knapp bemessener Zeit entstanden. Wie die meisten seiner Werke, sind sie aber überaus anspruchsvoll für beide Musizierenden und verlangen ein hohes Maß an instrumentalem Können, Ausdrucksstärke und sauberer Intonation. Dies gelingt dem Duo Midori Seiler, Violine, und Jos van Immerseel, Hammerklavier, in perfekter Präzision. Der musikalische Dialog zwischen beiden Instrumenten ist in dieser Gesamteinspielung der Beethoven-Violinsonaten deutlicher zu spürten als bei vielen anderen Aufnahmen.

Nach eigener Aussage orientieren sich die beiden Interpreten an historischen Vorgaben, die etwa in den Instrumentalschulen von Louis Spohr und Carl Czerny gefunden haben. Inzwischen ist Klang historischer Instrumente auch in diesem Repertoire nicht mehr ungewöhnlich, dennoch wirkt er etwas fremd. Demzufolge ergibt sich aber auch ein wesentlicher Unterschied zu modernen Instrumenten: Während das Kantable und der weiche Klang heute zum Standard geworden sind, überzeugen die Instrumente von damals mit schrofferem, quasi unbarmherzigerem Klang. Die Kombination der historischen Instrumente mit der Orientierung an Aussagen Beethovens unter Einbeziehung von Auskünften Spohrs und Czernys führt bei dem Duo zu einem furiosen, gleichsam widerspenstigen Spiel.

Die Sonaten besitzen in dieser Deutung durchweg ein sehr striktes Maß in der Tempogestaltung. Dennoch sind die Phrasierungsbögen sehr gut gewählt, sodass ein in sich rundes Gesamtkonzept entsteht. Seiler und van Immerseel liefern eine eine andersartige und ungewöhnliche Interpretation der Sonaten, wuchtig und energisch fließend. Sie heben sich damit aus der Reihe von unzähligen traditionellen Einspielungen ab und machen die auf drei CDs unterbrachte Gesamteinspielung der Beethoven-Sonaten zu etwas Einzigartigem. Kontrastreich gestalten sie auch den dynamischen Unterschied zwischen lärmendem Fortissimo und beinahe mystischem Piano – eine herausragende Leistung! Diese Gegenüberstellung verdeutlicht vor allem die Beethoven’sche Satzanlage und arbeitet die Gegensätze von Haupt- und Seitenthemen großartig heraus.

Dabei verzichten beide auf einen zu großen Bruch durch Ritardandi bzw. Rallentandi, sondern gehen fast nahtlos, mit kaum erkennbaren Geschwindigkeitsunterschied von einem Abschnitt zum nächsten. Diese Art der Gestaltung ist subtil ausgeführt. Sie erfordert viel Übung und Konzentration, aber es ist gleichwohl auch das beeindruckendste Mittel musikalischer Ausarbeitung. Der Wechsel von nuanciertem, sachte angedeutetem Ritardando mit der sofortigen Wiederaufnahme der Grundbewegung lassen den Hörer formale Einschnitte gut erkennen und sorgen aber gleichzeitig für Fluss, Fasslichkeit und Zusammenhang des Satzes. Herauszuheben ist an dieser Stelle auch die erstaunliche Mühelosigkeit der Interpreten in der klanglichen Darstellung der sogenannten ‚Kreutzer-Sonate’, eines der Schwergewichte der Violinsonaten-Literatur. Hier rücken sowohl die technische Perfektion wie auch die musikalische Überzeugungskraft der beiden Duopartner in den Vordergrund.

Das Booklet dieser Box ist eindrucksvoll gestaltet, mit Texten in drei Sprachen versehen und gibt Auskunft über den Entstehungshintergrund. Darüber hinaus ist ein kurzes Interview mit Midori Seiler und Jos van Immerseel zu finden. Diese im interpretatorischen Zugang ungewöhnliche, aber sehr beeindruckende CD-Box sollte bei keinem Beethoven-Interessierten fehlen, der für besondere Herangehensweisen und Interpretationsperspektiven offen ist.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Beethoven, Ludwig van: Sonaten für Violine & Klavier Nr. 1 - 10

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Zig-Zag Territoires
3
01.07.2012
EAN:

3760009293076


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Zig-Zag Territoires

Das "Label mit dem Zebra" wurde 1997 von Sylvie Brély und Franck Jaffrès gegründet. Die Idee, ausgerechnet ein Zebra als Wappentier zu wählen, kam von der Malerin Anne Peultier, die anfangs auch die eigenwillig verspielten Covers des Labels entwarf. Das Zebra soll mit seiner unbezähmbaren Energie und seinem Freiheitsdrang für die beiden Labeleigner und ihr Label stehen. Die Gründung des Labels war für beide die Erfüllung ihres Lebenstraumes, aber auch die Möglichkeit, endlich eigene Vorstellungen umzusetzen. So sollen nach ihrem Verständnis CDs nicht bloße Datenträger sein, sondern vielmehr kleine Kunstwerke, die aus der wechselseitigen Inspiration von Musiker und Produzenten entstehen. Tonmeister Franck Jaffrès stellt bei seinen Aufnahmen den Künstler in den Vordergrund, die Instrumente sind nötiges Beiwerk. Seine Aufnahmen sollen wie Porträts von Freunden sein, die einspielen dürfen, was ihnen am Herzen liegt. Der Erfolg gibt den beiden Idealisten recht: Für das Label nehmen so namhafte Künstler und Ensembles wie Jos van Immerseel, Chiara Banchini und Gérard Lesne auf, und die "Herde der Zebras", wie der Katalog liebevoll genannt wird, ist mittlerweile auf weit über 100 Titel angewachsen.


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