> > > Petit, Roland: La Chauve-souris: Ballett nach "Die Fledermaus" von Johann Strauss
Dienstag, 12. November 2019

Petit, Roland - La Chauve-souris: Ballett nach "Die Fledermaus" von Johann Strauss

Getanzte Operettenspitze


Label/Verlag: Arthaus Musik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Roland Petits Ballettversion des Straußschen Operettenklassikers 'Die Fledermaus' ist umwerfend gut gelungen, nicht zuletzt wegen der herausragenden Tänzer dieses Mailänder Mitschnitts.

Gesungen wird nur einmal, ganz kurz, im Gefängnis. Das kleine Lied vom Täubchen, mit schöner leichter Stimme aus dem Off von Tenor Giorgio Trucco, dieweil der Tänzer Massimo Murro als Johann dazu die Lippen bewegt. Es gibt keinen Gefängniswärter Frosch. Somit bleiben einem unerträgliche, übliche Witzeleien und dumme Sprüche erspart. Das Ganze spielt auch nicht in Wien, sondern in Paris, wo es eigentlich auch hingehört. Es nur drei Hauptpersonen für diesen flotten Tanz auf dem Vulkan der geschickt von Douglas Gamley arrangierten Musik aus der Operette 'Die Fledermaus' von Johann Strauß.

In dem vorliegenden Mitschnitt aus dem Interimsquartier der Mailänder Scala, dem Teatro degli Arcimboldi, aus dem Jahre 2003 steht Kevin Rhodes am Pult des Orchesters, und es klingt genauso flott wie es die Choreografie verlangt. Kein geringerer als der in so gut wie allen Ballett- und Tanzstilen erfahrene Roland Petit hatte 'Die Fledermaus' 1979 als Stoff für sich entdeckt, für das Ballet National de Marseille kreiert und in Monte Carlo wurde die Premiere als rauschender Erfolg gefeiert. Das lag natürlich auch daran, dass nach verletzungsbedingter Pause mit Zizi Jeanmaire ein Star der Tanzszene in der Hauptpartie auf die Bühne zurück gekehrt war. Jeanmaire war Petits Frau und Muse, und man liegt nicht falsch, wenn man glaubt, dass der anhaltende Erfolg etlicher weiterer Einstudierungen wie etwa der vorliegenden aus Mailand, jetzt mit der wunderbaren Alessandra Ferri in der Hauptrolle, auch ihr zu verdanken ist.

Roland Petit, der 2011 im Alter von 87 Jahren verstarb, gehörte zu den Erneuerern des Balletts, nicht nur in Frankreich. Dabei riss er gekonnt die Grenzen zwischen der Show und der klassischen Aura der Unnahbarkeit ein und verzichtete in seinen Ansprüchen ganz und gar nicht auf die Akkuratesse, freilich meistens im Kontext überschäumender Charmeoffensiven. Um seine Geschichte von der 'Fledermaus' zu erzählen, braucht er als Handlungsträger nur noch drei Typen.

Aus der Familie Eisenstein werden Bella und Johann inmitten ihrer Kinderschar zu einer gut- und großbürgerlichen Familie. Man füttert sich durchs Leben, es geht so dahin, die Träume aber gehen weit hinaus über die Grenzen wohlgeordneter Häuslichkeit. Im Ehebett herrscht stiller Friede. Da entschwebt Massimo Murro als Gatte, dessen erste flotte Tanzschritte schon verraten, dass da weit mehr als das brave Feuer des Ehestandes unterm hochgeschlossenen, schwarzen Anstandsdress glüht, als Fledermaus davon. Unschwer zu erraten: Bald gerät auch Alessandra Ferri als Gattin mit gut gewähltem Namen Bella in kaum bekleidete Fluglust und noch weniger schwer zu erraten, dass beide im Maxim regelrecht aufeinander fliegen ohne ganz operettengemäß einander zu erkennen. Oder etwa doch – und sie treiben das Spiel nur ganz raffiniert auf die Spitze? Es gibt auch einen Spielmeister als geniale Tanzerfindung, so ein Hausfreund und Clown mit dem traurigen Blick eines Chaplin und dem sprungfidelen Tanz eines Gebrauchskavaliers, der in jede der gerade nötigen Rollen springend tanzt. Luigi Bonino lässt die Herzen des Publikums Sprünge machen. Ja, ja, es geht ganz gut aus. Nimmt man den nächtlichen Traumausflug als Vorspeise, weiß man ja, dass noch ein Hauptgericht samt Dessert folgt, wieder zu Hause, natürlich mit Walzerfinale, wie sonst?

Diese DVD mit dem Ballett der Mailänder Scala bietet einen tänzerischen Hochgenuss, grandiose Technik beim Corps de ballet, außergewöhnliche Momente bei den Solisten. Hier kann sich ein Meister wie Roland Petit ganz sicher fühlen – ob die Raffinesse der neoklassisch geprägten Spitzentanzkunst oder ob der kreiselnde Charme der Walzerwellen gefragt ist, der große Auftritt, als gelte es, das revueverwöhnte Pariser Publikum zu gewinnen, oder die vielen tänzerischen Eskapaden gemischt mit dem ironisierten Repertoire der Pantomime. Das Zusehen ist purer Genuss. Natürlich liegt das an diesem solistischen Trio infernale: Allesandra Ferri als Bella, Massimo Murro als Johann und Luigi Bonino als Ulrich. Und auf keinen Fall zu vergessen: Mick Zeni als Solist in einer hinreißenden Csárdás-Variation. Mag dieser exzellente Tanzspaß auch schon etliche Jahre alt und die vorliegende Aufnahme auch schon vor elf Jahren entstanden sein – angestaubt wirkt hier gar nichts.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:







Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Petit, Roland: La Chauve-souris: Ballett nach "Die Fledermaus" von Johann Strauss

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Arthaus Musik
1
11.06.2012
Medium:
EAN:

DVD
807280726596


Cover vergössern

Arthaus Musik

Arthaus Musik wurde im März 2000 in München gegründet und hat seit 2007 seinen Firmensitz in Halle (Saale), der Geburtsstadt Georg Friedrich Händels.

Das Pionierlabel für Klassik auf DVD veröffentlicht nunmehr seit 13 Jahren hochkarätige Aufzeichnungen von Opern, Balletten, klassischen Konzerten, Jazz, Theaterinszenierungen sowie ausgesuchte Dokumentationen über Musik und Kunst. Mit bis zu 150 Veröffentlichungen pro Jahr sind bisher über 1000 Titel auf DVD und Blu-ray erschienen. Damit bietet Arthaus Musik den weltweit umfangreichsten Katalog von audiovisuellen Musik- und Kunstproduktionen und ist seit Gründung des Labels international führender Anbieter in diesem Segment des Home Entertainment Marktes.

In vielen referenzgültigen Aufzeichnungen sind die größten Künstler unserer Zeit wie auch aus vergangenen Tagen zu hören und zu sehen. Unter den Veröffentlichungen finden sich Aufnahmen mit Plácido Domingo, Cecilia Bartoli, Luciano Pavarotti, Maria Callas, Jonas Kaufmann, Elīna Garanča; mit Dirigenten wie Carlos Kleiber, Claudio Abbado, Nikolaus Harnoncourt, Lorin Maazel, Pierre Boulez, Zubin Mehta; aus Opernhäusern wie der Mailänder Scala, der Wiener Staatsoper, dem Royal Opera House Covent Garden, der Opéra National de Paris , der Staatsoper Unter den Linden, der Deutschen Oper Berlin und dem Opernhaus Zürich.

Zahlreiche Veröffentlichungen des Labels wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter der Oscar-prämierte Animationsfilm ?Peter & der Wolf? von Suzie Templeton, die aufwändig produzierte ?Walter-Felsenstein-Edition? und die von Sasha Waltz choreographierte Oper ?Dido und Aeneas?, die beide den Preis der deutschen Schallplattenkritik erhielten. Mit dem Midem Classical Award wurden u. a. die Dokumentationen ?Herbert von Karajan ? Maestro for the Screen? von Georg Wübbolt und ?Celibidache ? You don?t do anything, you let it evolve? von Jan Schmidt-Garre ausgezeichnet. Die Dokumentation ?Carlos Kleiber ? Traces to nowhere? von Eric Schulz erhielt den ECHO Klassik 2011.

Mit der Tochterfirma Monarda Arts besitzt Arthaus Musik eine ca. 900 Produktionen umfassende Rechtebibliothek zur DVD-, TV- und Onlineauswertung. Seit 2007 entwickelt das Unternehmen kontinuierlich die Sparte Eigenproduktion mit der Aufzeichnung von Opern, Konzerten, Balletten und der Produktion von Kunst- und Musikdokumentationen weiter.

Arthaus Musik DVDs und Blu-ray Discs werden über ein leistungsfähiges Vertriebsnetz, u.a. in Kooperation mit Naxos Global Distribution in ca. 70 Ländern der Welt aktiv vertrieben. Darüber hinaus veröffentlicht und vertreibt Arthaus Musik die 3sat-DVD-Edition und betreut für den Buchhandel u.a. die Buch- und DVD-Edition über Pina Bausch von L’Arche Editeur, Preisträger des Prix de l’Académie de Berlin 2010.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Arthaus Musik:

  • Zur Kritik... Züricher Opern-Triptychon: Diese Box liefert einen repräsentativen Querschnitt durch Jonas Kaufmanns frühe Jahre am Opernhaus Zürich. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Ballett-Ikone: Dieser Film entwirft ein spannendes – wenn auch ein wenig in die Jahre gekommenes – Porträt von John Neumeier. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Beeindruckendes Gesamtporträt: Fast non-stop dirigierte Valery Gergiev 20 der bedeutendsten Werke von Prokofjew in Moskau und St. Petersburg. Ein Filmteam schnitt mit und produzierte zusätzlich eine TV-Doku. So entstand ein umfassendes Prokofjew-Porträt. Weiter...
    (Christiane Franke, )
blättern

Alle Kritiken von Arthaus Musik...

Weitere CD-Besprechungen von Boris Michael Gruhl:

blättern

Alle Kritiken von Boris Michael Gruhl...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Das Liszt-Problem: Boris Giltburgs Diskographie weist ihn als Experte der romantischen Pianistik aus. Mit Liszts 'Transzendentaletüden' ergänzt er sein Repertoire nun um einen wichtigen Baustein. Weiter...
    (Sebastian Rose, )
  • Zur Kritik... Europäische Zusammenarbeit: Eine vorbildliche Kooperation bei der orchestralen Erkundung der Musik eines vergessenen jüdischen Meisters. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Der Botschaft verschrieben: Komponistenschicksale in Töne gemeißelt, davon künden die Cellokonzerte von Schostakowitsch und Weinberg. Genau das fördern Nicolas Altstaedt und das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin in ihrer großartigen Interpretation zu Tage. Weiter...
    (Christiane Franke, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (11/2019) herunterladen (4454 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

 Folkwang Kammerorchester Essen im Portrait Mit Vollgas ins Haus des Teufels
Das Folkwang Kammerorchester Essen ? jung, energiegeladen, hochmusikalisch

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich