> > > Zelenka, Jan Dismas: Responsoria pro hebdomada sancta ZWV 55
Samstag, 24. August 2019

Zelenka, Jan Dismas - Responsoria pro hebdomada sancta ZWV 55

Prächtige Passionsmusiken


Label/Verlag: Accent
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Werke des böhmischen Barockkomponisten Jan Dismas Zelenka erfreuen sich seit einiger Zeit bei Musikern und Publikum wachsender Beliebtheit. Vorliegende Einspielung kann dazu beitragen, diese Tendenz weiter zu steigern.

Die Werke des böhmischen Barockkomponisten Jan Dismas Zelenka erfreuen sich seit einiger Zeit bei Musikern und Publikum wachsender Beliebtheit. Meist stehen seine Kompositionen für den Dresdner Hof, die in ihrer melodischen und harmonischen Originalität einnehmend schön sind, im Zentrum des Interesses. Auch die vorliegende CD des tschechischen Ensembles Collegium 1704 und seines Leiters Vaclav Luks präsentiert Passionsmusiken, die speziell für diese Schaffensperiode entstanden sind.

Zelenka war seit 1710 in Dresden als Kontrabassist angestellt, bis er 1735 zum Kirchenkomponisten ernannt wurde. Zwar erfüllte sich seine Hoffnung nicht, Heinichen als Kapellmeister zu beerben, doch wurde seine Musik von der aus Wien stammenden Habsburger Königin Maria Josepha sehr geschätzt. Sie versuchte durch gezielte Förderung italienischer Kirchenmusik, die katholische Messe in ihrer neuen Heimat zu stärken, da diese seit dem Konfessionswechsel August des Starken noch nicht wieder fest im öffentlichen Leben etabliert war. Hierzu versuchte man die prächtige Wirkung großer Musikaufführungen an Karfreitag und Ostersonntag zu nutzen, um den katholischen Glauben in Sachsen attraktiv zu machen. Maria Josepha regte deshalb die bei Hof beschäftigten Künstler dazu an, neue Messen zu schaffen, die sich an österreichischen Vorbildern orientierten. So erhielt auch Zelenka in den 1720er Jahren den Auftrag, Musik für die Karwoche zu komponieren.

Zelenka hatte sich während seiner ganzen musikalischen Laufbahn immer wieder intensiv mit der musikalischen Ausgestaltung der Kar- und Osterzeit beschäftigt, weshalb viele seiner Kompositionen für diesen Abschnitt des Kirchenjahres entstanden. So schrieb er seine frühesten erhaltenen Werke für die Karfreitagsprozessionen der Jesuiten in Prag, und er vertonte immer wieder die Texte der Karwoche. Die von Vaclav Luks und seinem Collegium neu eingespielten 'Responsoria pro hebdomada sancta' ZWV 55 aus dem Jahr 1723 und die 'Lamentatio Ieremiae Prophetae' ZWV 53 von 1722 stehen in genau dieser kirchenmusikalischen Tradition. Zelenka nutzt eine sehr expressive Tonsprache, die zugleich prächtig und andächtig klingt. Wie kaum ein anderer Komponist seiner Zeit verstand er es, in seiner Musik seine tiefe Religiosität mit einem untrüglichen Gespür für unkonventionelle musikalische Effekte und dramatische Wendungen zu kombinieren. Seine Kompositionen zeichnen sich deshalb durch Innerlichkeit und Pathos gleichermaßen aus. Teilweise mit funkelnden Trompeten, die für Zelenkas Tonsprache typisch sind, entwirft er ein Klanggemälde von großer Eindringlichkeit. Die Klage um den Erlöser ist vielfältig ausgestaltet. So wird Orchester und Sängern großes technisches Können abverlangt, um die unterschiedlichen Facetten herauszuarbeiten.

In der vorliegenden Einspielung verwendet Vaclav Luks ein kleines Orchester mit vier ersten Violinen, drei zweiten Geigen sowie jeweils einer Bratsche und einem Cello. Hinzu kommen zwei Oboen, ein Fagott sowie drei Trompeten. Das Basso continuo besteht aus den vier Musikern Pablo Kornfeld (Orgel), Libor Masek (Cello), Ludek Brany (Kontrabass) sowie Jan Krejca (Theorbe). Auch der Chor ist kammermusikalisch besetzt, was es Luks auch in den größeren Chorsätzen ermöglicht, die unterschiedlichen, feinen Nuancen plastisch aus der Musik herauszuarbeiten. Die solistischen Passagen lässt er durch wechselnde Sänger gestalten, deren Leistung durchweg einheitlich auf sehr hohem Niveau liegt. Ihre Stimmen sind meist relativ jung, aber nicht ganz so gerade geführt, wie es bei englischen Ensembles häufig der Fall ist. Stattdessen nutzen die meisten ihr kultiviert geführtes Vibrato, um der Musik zusätzliche Farbigkeit zu verleihen. Das Orchester begleitet sie einfühlsam und ausdrucksstark. Besonders die beiden Oboistinnen Luise Haugk und Tereza Pavelkova glänzen mit sensibel geführten Partien, die eine eindringliche Ergänzung zu den gesungenen Worten darstellen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Zelenka, Jan Dismas: Responsoria pro hebdomada sancta ZWV 55

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Accent
2
01.03.2012
Medium:
EAN:

CD
4015023242593


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Accent

Schon bei der Gründung des Labels 1979 durch Andreas Glatt war klar, dass ACCENT sich fast ausschließlich mit Alter Musik in historischer Aufführungspraxis beschäftigen würde. Die Künstler, die für ACCENT aufnehmen oder aufgenommen haben, gehörten von Anfang an zu den renommiertesten Interpreten der "Alte-Musik-Szene": darunter die Brüder Barthold, Sigiswald und Wieland Kuijken, René Jacobs, Jos van Immerseel, Maria Cristina Kiehr mit La Colombina, Paul Dombrecht, Marcel Ponseele mit seinem Ensemble Il Gardellino, aber auch jüngere Künstler wie Ewald Demeyere und sein Bach Concentus, das Ensemble Private Musicke mit Pierre Pitzl oder das Amphion Bläseroktett. Der ACCENT-Katalog möchte den neugierigen Musikfreund auf eine Reise durch die Welt der Alten Musik mitnehmen. Dabei wird er, neben ausgewählten Standardwerken, nicht selten Stücken begegnen, die kaum im Konzertbetrieb oder auf CD anzutreffen sind. Erstaunlicherweise stammen sie nicht nur von wenig bekannten Komponisten, sondern auch von so großen Namen wie Johann Sebastian Bach oder Georg Philipp Telemann. Diese Raritäten werden für ACCENT nicht allein um ihres Seltenheitswerts aufgenommen, sondern vielmehr, weil sie wichtige, bislang sträflich vernachlässigte Werke sind, deren Entdeckung zu einem persönlichen Anliegen der Interpreten wurde.


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