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Freitag, 19. August 2022

Purcell, Henry - The fairy Queen

'Fairy Queen' aus Ravenna


Label/Verlag: Brilliant classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Dantones Einspielung von Purcells 'Fairy Queen' wird von Brillant Classics wieder aufgelegt. Die musikalische Gestaltung ist ansprechend und melodiebetont, auf die Zwischentexte muss man auch hier verzichten.

Es kommt nicht oft vor, dass ein Finderlohn für die Partitur einer verschwundenen Oper ausgesetzt wird. Genau dies geschah 1701 in London, als man sich auf die Suche nach einer der beliebtesten Opernproduktionen der Zeit begab. Eine Zeitung versprach 20 Guineen für den, der es schaffte, die Noten zu Purcells 'Fairy Queen' wieder zu besorgen. Dennoch blieb das Werk verschwunden und wurde erst zweihundert Jahre später im Archiv der ‚Royal Academy of Music‘ wiederentdeckt. Seitdem erfreut sich das Werk wieder ungetrübter Beliebtheit bei Publikum und Musikern, auch wenn das Genre der ‚Semi-Opera‘, der es angehört, heutzutage nur selten auf den Spielplänen der Opernhäuser zu finden ist. Meist ist es in konzertanter Version zu erleben.

Dies liegt unter anderem daran, dass eine Semi-Opera zu allererst eine kostspielige, extrem aufwändige Hofbelustigung war, die zur Verherrlichung des Herrschers und zur demonstrativen Prachtentfaltung des hohen Adels diente. Entsprechend aufwändig waren die Kostüme und Kulissen. So gab es eine echte, das Wasser mehrere Meter nach oben katapultierende Fontaine auf der Bühne, Drachen und Schwäne, die sich in Feen verwandelten. Augenzeugen waren überwältigt ob der Opulenz des dargebotenen Spektakels. Auch die Handlung der Semi-Operas ist meist hoch komplex, da sich in ihnen verschiedene allegorische Deutungsebenen überlagern und immer um die zentrale Figur des Königs kreisen. Auch die 'Fairy Queen' ist ohne Wissen um das Herrscherpaar William und Mary von England nicht zu verstehen. Denn woher kommen die Chinesen im letzten Akt, die rein gar nichts mit der Handlung von Shakespeares ‚Sommernachtstraum‘ zu tun haben? Wenn man hingegen weiß, dass die Königin eine begeisterte Sammlerin chinesischer Porzellane war, dann versteht man, dass die singenden Chinesen zur Verherrlichung Marys auftreten. Ebenso finden sich verschiedene Anspielungen auf den Hochzeitstag von William und Mary, der am Tag der Uraufführung des Werks gefeiert wurde.

Dass die Musik zu 'Fairy Queen' aber, trotz der komplizierten Allegorien, auch heute noch so gerne aufgeführt wird, liegt an Purcells zauberhafter, immer wieder überraschender Musik. Die fantasievoll gestalteten Tanzsuiten, die prächtigen Chöre und virtuosen Arien stellen eine einzigartige Mischung aus den besten Zutaten europäischer Musikstile dar. Italienische Melodien treffen auf französische Tänze und kunstvoll gearbeitete englische Kontrapunkte. Purcell war ein Meister musikalischer Effekte, weshalb seine Tonsprache ihre Interpreten zu schwelgerisch, sinnlichen Interpretationen einlädt.

Zu der mittlerweile beträchtlichen Anzahl an Einspielungen kommt nun der vor über 10 Jahren entstandene Konzertmitschnitt der Accademia Bizantina vom Ravenna Festival unter der Leitung von Ottavio Dantone wieder hinzu. Vormals beim Label Arts blue Line im Jahr 2005 veröffentlicht, erscheint der Mitschnitt nun bei Brilliant Classics zu einem günstigen Preis, aber in sparsamer Ausstattung.

Wie bei den meisten anderen Aufnahmen ist nur Purcells Musik eingespielt, nicht aber die gesprochenen Dialoge des ‚Sommernachtstraums‘. Als Sänger wurde ein rein englisches Ensemble zusammengestellt, das mit dieser Musik bestens vertraut ist. Carolyn Sampson, Gillian Keith und Rebecca Outram gestalten die Sopranpartien und William Towers singt die Altpartie. Die Tenöre Andrew Carwood und Robert Murray sind ebenfalls dabei sowie der Bassist Michael Bundy. Die Liste der Interpreten macht das hohe Niveau der damaligen Aufführung deutlich und verspricht dem Hörer eine anspruchsvolle und klangschöne Einspielung. Als Chor wurden die New English Voices verpflichtet, die Michael McCarthy einstudierte. Im Vergleich mit anderen Aufnahmen der 'Fairy Queen' besticht Dantones Interpretation durch große melodische Klangschönheit. Dank der schlank geführten Stimmen von Sampson Outram, Carwood und Murray entsteht der Eindruck lieblicher Schönheit. Das Orchester agiert in vielen Details mit Inspiration und Ausdruckskraft, auch wenn sich die Rezensentin stärkere rhythmische Impulse in den Tanzsätzen wünschen würde. Hier ist Jordi Savalls Einspielung der Suiten mit ihrer intensiven Dramatik unerreicht. Dantones Lesart ist hingegen mehr auf eine perfekte lineare Ausgestaltung der Oberstimmen konzentriert, weshalb seine Einspielung schön aber vorhersehbar konventionell ist. Die insgesamt hohe Qualität der Interpretation sowie ihr relativ günstiger Preis machen die CD zu einer lohnenden Anschaffung, auch wenn die Musiker nicht ganz so risikofreudig und temperamentvoll agieren wie Purcells Partitur es ihnen gestatten würde.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Purcell, Henry: The fairy Queen

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Brilliant classics
2
02.03.2012
Medium:
EAN:

CD
5028421942216


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