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Sonntag, 5. Dezember 2021

Benda, Franz - Violinsonaten

Violinsonaten vom Preußischen Hof


Label/Verlag: Glossa
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Geigerin Leila Schayegh erweist sich in dieser Einspielung der Sonaten Franz Bendas als perfekte Interpretin.

Es gibt wenige Manuskripte des 18. Jahrhunderts, in die detailliert Verzierungsvorschläge eingetragen sind. Da die damals übliche Praxis der ornamentalen Ausgestaltung der Musik jedem Interpreten vertraut war, war dies schlichtweg nicht notwendig. Heutige Musiker sind deshalb sehr dankbar, wenn sie dennoch ausgeschmückte Notentexte auffinden, in denen sie die teilweise verloren gegangene Musizierpraxis der Vergangenheit studieren können. So sind die in Berlin lagernden Violinsonaten Franz Bendas ein wahrer Glücksfall: In sie hat ein Musiker aus dem Umfeld des Komponisten minutiös die eleganten Umspielungen und Verzierungen eingetragen, für die der Violinist Benda bei seinen Zeitgenossen berühmt war.

Der aus Böhmen stammende Benda (1709–1786) war nach Stationen in Prag und Dresden an den Hof Friedrich II. nach Preußen gekommen, dem er 53 Jahre lang – unter anderem als Kapellmeister – diente. Daneben war er ein gefeierter Musiklehrer, der für seine Liebenswürdigkeit und Bescheidenheit von seinen Mitmenschen sehr geschätzt wurde. Seinen Zeitgenossen gefiel besonders Bendas Adagio-Spiel, seine Interpretation langsamer Sätze. So ist überliefert, dass er seine Zuhörer zu Tränen rührte. Dabei war Benda sowohl als Violinist als auch Komponist Autodidakt. Seine musikalische Ausbildung hatte er an der Dresdner Hofkapelle als Sänger genossen, was wohl die hohe Kantabilität seiner Musik beeinflusst haben mag. Die auf der vorliegenden CD versammelten Violinsonaten Bendas entstammen einer Handschriftensammlung der Staatsbibliothek zu Berlin, die 34 Manuskripte enthält. Einige der Werke können auf die Jahre um 1760 datiert werden und stammen somit aus Bendas Spätwerk. Sie sind von großer gesanglicher Qualität und virtuoser Eleganz.

Die Geigerin Leila Schayegh erweist sich in der Einspielung der Sonaten als perfekte Interpretin dieser Musik. Ihr schlanker, heller Geigenton glitzert lebhaft in allen Klangfarben. Die Art, in der sie die musikalischen Ornamente nicht als aufgesetzten Selbstzweck, sondern als logische Entwicklung der Komposition vorträgt, machen diese Aufnahmen zu etwas ganz Besonderem. Alles an ihrem Spiel strahlt große Leichtigkeit aus. Mit Felix Knecht (Violoncello) und Vácav Luks (Cembalo und Fortepiano) stehen Leila Schayegh ferner zwei ebenbürtige Kammermusikpartner zur Seite, die einfühlsam auf ihre Interpretation einzugehen wissen. Alle drei sind Absolventen der Schola Cantorum Basiliensis, und spielten schon in diversen europäischen Spezialensembles für Alte Musik. Seit zwei Jahren leitet Leila Schayegh in Basel die Klasse für Barockvioline, die sie von Chiara Banchini übernommen hat.

Da die Berliner Manuskripte nicht immer genaue Angaben zu den erforderlichen Basso-continuo-Instrumenten machen, haben sich die drei Musiker dazu entschlossen, in wechselnden Besetzungen zu spielen. So pausiert das Cello in der Sonate XXIII in c-Moll. In den Sonaten XI, VII und XIII spielt Luks auf einem Cembalonachbau von Michael Mietke, während er in den Sonaten XXXII und XXIII ein Hammerklavier aus der Werkstatt von Denzil Wraight verwendet. Durch diese klug gewählten Besetzungswechsel werden dem Hörer immer neue Facetten von Bendas Musik vermittelt. In den schnellen Sätzen schwingt die Musik mit tänzerischem Elan. Die langsamen Sätze sind von unendlicher Schönheit. Man sich die Rührung des damaligen Publikums über Bendas Spiel vorstellen, wenn diese Musik heute so bezaubernd gespielt wird.

Die CD ist ein musikalisches Kleinod, das jedem Leser ans Herz gelegt sei, da sowohl die Kompositionen als auch ihre Interpretation von gleicher hoher musikalischer Güte sind. Unter allen CD-Reihen für Alte Musik ragt die Reihe der Schola Cantorum Basiliensis beim Label Glossa als herausragende Sammlung leuchtend hervor. Sie ist ein klingender Beleg für die hohe Qualität der dort ausgebildeten Musiker und verbindet auf vorbildliche Weise musikhistorische Forschung mit der Interpretationspraxis.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Benda, Franz: Violinsonaten

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Glossa
1
01.01.2012
Medium:
EAN:

CD
8424562225077


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Glossa

Spaniens renommiertestes Klassiklabel wurde 1992 von Carlos Céster und den Brüdern José Miguel und Emilio Moreno gegründet. Sein "Hauptquartier" hat es in San Lorenzo del Escorial in den Bergen nahe Madrid. Zahlreiche herausragende Künstler und Ensembles aus dem Bereich der Alten Musik (z.B. Frans Brüggen und das Orchestra of the 18th Century, La Venexiana, Paolo Pandolfo, Hervé Niquet und sein Concert Spirituel u.v.a.) finden sich im Katalog des Labels. Doch machte GLOSSA von Anfang an auch wegen der innovativen Gestaltung und Produktionsverfahren von sich reden. Zu nennen wären hier die Einführung des Digipacks auf dem Klassikmarkt und dessen konsequente Verwendung, der Einsatz von Multimedia Tracks oder die Platinum-Serie mit ihrem avantgardistischen Design. Innerhalb der vergangenen knapp zwei Jahrzehnte konnte GLOSSA so zu einem der interessantesten Klassiklabels auf dem Markt avancieren. Zu verdanken ist dies nicht zuletzt auch dem Spiritus rector und Gesicht des Labels, Carlos Céster.


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