> > > Beethoven, Ludwig van: Klaviertrios Nr. 3 & 7
Montag, 15. Oktober 2018

Beethoven, Ludwig van - Klaviertrios Nr. 3 & 7

Ausgeklügelter Beethoven


Label/Verlag: Genuin
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Intelligent und bescheiden eröffnet das Leipziger Trio Ex Aequo die Reihe der Gesamteinspielungen der Klaviertrios Ludwig van Beethovens.

Akademisches Spiel kann sehr reizvoll sein. Das Trio Ex Aequo beweist dies mit seiner Einspielung der Klaviertrios opp. 97 und 1 Nr. 3 von Beethoven, die zum Jahresanfang bei Genuin erschienen ist. Die sachliche Zurückhaltung, die die Musiker an den Tag legen, tut den Werken gut. Denn die Stücke sind aus sich heraus gefühlsgeladen und bedürfen nicht mehr und nicht weniger als eines exakten Vortrags ohne zusätzliches Aufbauschen, um ihre Wirkung entfalten zu können.

Nach sämtlichen Klaviertrios von Johannes Brahms (2008) steht widmet sich die Leipziger Formation nun einer Gesamteinspielung der Klaviertrios Beethovens. Den Auftakt dazu liefert die CD mit den Trios op. 1 Nr. 3 c-Moll und op. 97 B-Dur. Überraschenderweise steht das (frühere) Moll-Trio an zweiter Stelle. Das launige Stück wird gerne mit dem Temperament seines Urhebers in Verbindung gebracht und eignet sich mit seinem explosiven 'Prestissimo'-Finalsatz indes nicht wenig als Abschluss. Die drei Klaviertrios op. 1 gab Beethoven 1795 zur Publikation frei. Höhepunktverdächtig ist hier dennoch das Trio op. 97 mit seinem aufrichtig-strahlenden Eindruck. Das unter dem Beinamen ‚Erzherzog-Trio‘ bekannte Werk wurde 1811 komponiert und 1814 unter Mitwirkung des nahezu völlig ertaubten Beethoven als Pianist uraufgeführt.

Sind beide Werke insgesamt im Charakter recht verschieden – in der Forderung an die Interpreten jedenfalls sind sie sich einig: Sie stellen höchste Ansprüche durch den inneren Reichtum an Variationen. Nicht nur jeweils vier Sätze wollen da stilgerecht ausgespielt werden, sondern auch die mannigfachen Eigenheiten, die jeder Satz in sich birgt. So kommt etwa im Kopfsatz des Trios op. 1 Nr. 3 nach einem ‚kalten‘ Einstieg im Unisono und einem strengen Thema in Moll zwischendurch durchaus Heiterkeit auf. Im Durchführungsteil beherrschen wiederum völlig andere Extreme das Bild: ein reduzierter Pizzicato-Satz, Virtuosen-Passagen etc. Im Trio op. 97 reicht die Bandbreite bis hin zum frühromantischen Gestus.

Dem Trio Ex Aequo sind jedoch keine Hürden zu hoch: Gerald Fauth (Klavier), Matthias Wollong (Violine) und Matthias Moosdorf (Violoncello) sind ihrerseits alle renommierte Solisten und erfahrene Kammermusikinterpreten. Als Trio spielen sie seit sechs Jahren zusammen und bestechen mit einer ungemein präzisen Darbietung, die technisch wie im Zusammenspiel makellos ist. Die Interpretation befindet sich stets auf sicherer Distanz zur emotionalen Übersteigerung, wirkt derweil jedoch nicht nüchtern. Die Dynamik scheint durch ein ausgeklügeltes System geregelt zu sein: In überwiegend verhaltenem Rahmen werden Lautstärke-Register mal langsam, mal schnell gezogen. Plötzliche Akzente lassen Schelmenhaftes durchblitzen, was aber sogleich durch ein unmittelbares Fallenlassen des Registerhebels als nie dagewesen erscheint – kurz, knackig und vor allem: konsequent. Mit großer Aufmerksamkeit wird der Augenblick ausgemessen, stets voller Präsenz, während der nächste bereits ins Visier genommen ist. Die Streichinstrumente, die aus dem 17. Jahrhundert stammen, entfalten sehr schöne Klangfarben. Die klar konturierten Töne mischen dem sonst in allen Belangen glatten Gestus etwas Herbes bei, eine raue Fläche tut sich im Kontrast zu den zarten Gefilden auf. Die gute Aufnahmequalität leistet ihren Beitrag, um derart feine Nuancen zu Gehör zu bringen. Bescheiden und intelligent steckt das Trio Ex Aequo den Rahmen für die folgenden Einspielungen Beethovenscher Klaviertrios ab. Man darf gespannt sein.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Sophia Gustorff Kritik von Sophia Gustorff,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Beethoven, Ludwig van: Klaviertrios Nr. 3 & 7

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Genuin
1
20.01.2012
EAN:

4260036252170


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Genuin

Im Jahr 2002 standen die jungen Tonmeister von GENUIN vor einer wichtigen Entscheidung: Sollte man sich weiterhin lediglich auf das Aufnehmen und Produzieren konzentrieren, oder auf die zahlreichen Nachfragen und positiven Rückmeldungen von Musikern und Fachzeitschriften eingehen und ein eigenes Label ins Leben rufen? In einer Zeit, in der praktisch alle großen Klassik-Label ihre Produktion eingestellt oder zumindest stark gedrosselt hatten, fiel die Entscheidung nicht leicht – aber sie fiel einstimmig aus: zugunsten einer offiziellen Vertriebsplattform für die GENUIN-Aufnahmen. Und der Erfolg hat nicht lange auf sich warten lassen.

Das Label GENUIN hat sich in seinem zwölfjährigen Bestehen zu einem Geheimtipp unter Musikern und Musikliebhabern entwickelt. Schon vor dem Leipzig-Debüt im Oktober 2004, einem Antrittskonzert im Robert-Schumann-Haus mit Paul Badura-Skoda, wurden die CDs in den deutschlandweiten Vertrieb gebracht und von Fachpresse und Musikerwelt hochgelobt. Inzwischen werden GENUIN-CDs in den meisten Ländern Europas sowie in Japan, Süd-Korea, Hongkong und den USA vertrieben.

Das Erfolgsrezept von GENUIN: Die gesamte Produktion, also die Beratung der Künstler bei Aufnahmeraum und Repertoire, die Vorbereitung und Durchführung der Aufnahme selbst, der Schnitt mit allen notwendigen Korrekturen, generelle Entscheidungen beim Cover- und Bookletentwurf bis hin zur fertigen Veröffentlichung liegen in der Hand der Tonmeister. Nur so haben die Musiker den größtmöglichen Entfaltungsspielraum bei der Einspielung und Gestaltung ihrer CDs. Und gleichzeitig kann bis zuletzt eine gleichbleibend hohe Qualität garantiert werden.

GENUIN bietet auch abseits ausgetretener Pfade etablierten Künstlern genauso wie der Nachwuchsgeneration die Möglichkeit, Musik nach eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Das macht sich positiv bemerkbar für die Hörer der mittlerweile mehr als 300 GENUIN-CDs mit Interpreten wie Paul Badura-Skoda, Nicolas Altstaedt oder der Dresdner Philharmonie.


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