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Mittwoch, 29. Januar 2020

Mendelssohn Bartholdy, Felix - Elias & Paulus

Unter einem Dach


Label/Verlag: Brilliant classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Trotz der auf den ersten Blick bedenklichen Zusammenstellung der Aufnahmen von Mendelssohns Oratorien mit völlig unterschiedlichen Interpreten beeindruckt die sie durch das hohe musikalische Potential.

Die musikalische Einordnung von Felix Mendelssohns Oratorien 'Paulus' und 'Elias' geben in der neu auflebenden Rezeption des Komponisten im 21. Jahrhundert ausnehmend großen Anlass, ‚die komplexe Musikästhetik des 19. Jahrhunderts neu zu bewerten‘ (R. Larry Todd, Vorwort zum Paulus in den Stuttgarter Mendelssohn-Ausgaben, S. VIII). Lange Zeit als Werke des musikalischen Historismus und als Kompositionen eines Epigonen herabgesetzt, breitet sich in der gegenwärtigen Mendelssohn-Forschung doch allmählich mehr und mehr das Verständnis für eine außerordentlich stilistische Komplexität der beiden zentralen sakralen Werke des als Jude geborenen und zum Protestantismus konvertierten Komponisten aus.

Obwohl die beiden Oratorien gleichermaßen Rückgriffe auf traditionelle Muster aufweisen, diese fortschrittlich weiterdenken und zu einem komplexen Gesamtbild vereinen, sind die Unterschiede der beiden in ihrer Entstehung zehn Jahre auseinander liegenden Kompositionen nicht nur in musikalisch-analytischer Hinsicht außerordentlich groß, sondern schlagen sich besonders im Höreindruck nieder. 'Elias' trägt weitaus mehr dramatisches Potential in sich. Gleichwohl ist nicht nur der musikalische Aufbau und die Gesamtlänge, sondern auch die orchestrale Besetzung nahezu dieselbe ist wie im 'Paulus'.

Die musikalische Dramatik, die jedem Vorwurf der ‚frömmlerischen Sentimentalität und Oberflächlichkeit‘ (Todd, Vorwort zum Elias, S. IV) widerspricht, zeigt sich auf vorliegender Einspielung der Frankfurter Singakademie und des Frankfurter Opernhaus- und Museumsorchesters unter Leitung von Sylvain Cambreling in einer hervorragenden Vermittlung der musikalischen Kontraste des Oratoriums. Während alle Vokalsolisten, allen voran die unter die Haut gehende kräftige Stimme des Bariton Peter Lika, vollkommen überzeugen können, enttäuscht der Tenor Claes H. Ahnsjö in der Rolle des Obadjah, vor allem in seiner Arie 'So ihr mich von ganzem Herzen suchet'. Ohne Ausnahme beeindruckend ist die musikalische Qualität der Frankfurter Singakademie. Die ergreifende Präzision und Klangwucht des Chores sorgen für ein fesselndes, spannendes Hörerlebnis.

Obwohl auf der vorliegenden CD zwei Aufnahmen mit jeweils verschiedenen Solisten, Chören, Orchestern und sogar mit zwei verschiedenen Dirigenten nebeneinandergestellt werden, ergibt sich trotzdem ein überraschend runder musikalischer Eindruck. Im 'Paulus' überzeugen alle Gesangssolisten, allen voran die Altistin Elzbieta Ardam mit ihrem auffallend dunklen Timbre. Zwar wirkt die EuropaChorAkademie unter der Leitung von Joshard Daus insgesamt nicht ganz so präzise und aufeinander eingestimmt wie die Frankfurter Singakademie. Allerdings verlangt die musikalische Konzeption des 'Paulus' auch weitaus mehr Konzentration auf die teils langen und weichen Melodielinien, welche der Chor in einem insgesamt sehr weichen, manchmal aber etwas zu zurückhaltenden Gesamtklang gut zu vermitteln vermag. Stellenweise wirkt das SWR Sinfonieorchester gerade im Streicherapparat etwas auftrumpfend und überdeckt dabei den Chor. Diese kleinen Schwächen trüben den guten Gesamteindruck allerdings nur geringfügig, denn die an vielen Stellen äußerst feinsinnige musikalische Leistung aller Beteiligten stellt ein hohes interpretatorisches Potential unter Beweis.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Marion  Beyer Kritik von Marion Beyer,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mendelssohn Bartholdy, Felix: Elias & Paulus

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Brilliant classics
4
03.02.2012
Medium:
EAN:

CD
5028421943190


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