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Samstag, 25. Juni 2022

Telemann, Georg Philipp - Passions-Oratorium

Seliges Erwägen


Label/Verlag: Brilliant classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Brilliant Classics bringt eine solide Einspielung von Telemanns 'Seligem Erwägen des bittern Leidens und Sterbens Jesu Christi' wieder heraus.

Telemanns Passions-Oratorium 'Das selige Erwägen des bittern Leidens und Sterbens Jesu Christi', anfangs der 1720er Jahre entstanden, gehörte bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts zu den beliebtesten Werken des Hamburger Kantors. Heute dürfte es nur noch den wenigsten bekannt sein. Neben den Passionen Bachs und Händels Oratorien wirkt es musikalisch eigentümlich schlicht, ja volkstümlich eingängig, mitunter vielleicht auch etwas einfach – berührt aber den heutigen, an jene sogenannten Spitzenwerke gewöhnten Hörer vielleicht gerade darum eigenartig.

Das Freiburger Vokalensemble und L’Arpa festante München spielten das Werk im Jahr 2003 unter Wolfgang Schäfer für Bayer Records ein; Brilliant Classics bringt die Einspielung nun erneut auf den Markt. Die Beiheft-Ausstattung ist dementsprechend knapp: Das Booklet bietet lediglich eine Liste der Nummern und der Text-Anfänge, das Libretto selbst ist nicht abgedruckt, wohl aber ein knapper Einführungstext.

Klangliche Glanzlichter

Zur intimen, fast kammermäßigen Atmosphäre der Aufnahme trägt nicht zum mindesten das gedeckte, wenig brillante Klangbild bei. Insgesamt wirkt die Aufnahme damit auf der technischen Seite stimmig, wenn auch vergleichsweise dumpf, enge Räumlichkeit evozierend. Der Chor hat verhältnismäßig leichtes Spiel, denn außer in den eingestreuten Chorälen kommt er nirgends zum Einsatz. Mit klarem, festem Zugriff, weichem, einheitlichem Gesamtklang entledigt er sich seiner Aufgabe. Das Orchester hält dem die Waage: Flexibel und unaufgeregt agieren die Instrumentalisten, musikalisch tadellos. Schön werden klangliche Glanzlichter gesetzt – wie etwa von den an verschiedenen Stellen zum Einsatz kommenden Blockflöten, die innerhalb des (im Vergleich etwa zu Bach) nicht besonders opulenten Orchestersatzes den am stärksten herausstechenden Farbwert beisteuern. Deutlich kommen Details der durchdachten Instrumentierung zur Geltung; die Mischung von Bläser- und gedämpften Streicherklang in der Petrus-Arie 'Mir ist die ganze Welt zu enge' etwa trifft verblüffend die verdrießliche, schwermütige Stimmung des Jüngers, der Jesus entgegen seinen vollmundigen Beteuerungen verriet. (Diese Arie ist mit der charakteristischen, absteigenden übermäßigen Sekunde der Melodielinie übrigens auch ein aussagekräftiges Beispiel für die fast naiv anmutende, aber treffende Schlichtheit der Musiksprache, die Telemann hier schreibt.)

Homogenes Solistenensemble

Die Handlung des vom Komponisten selbst verfassten Librettos kennt nur drei der biblischen Gestalten – Jesus, Petrus und Caiphas; die übrigen Parts sind Allegorien von Glaube, Andacht und des Gottesvolkes (Zion). Mit Barbara Locher (Sopran), Zeger Vandersteene und Stefan Dörr (Tenor), Berthold Possemeyer und Johan-René Schmidt (Bariton) ist ein überaus solides, in Ausdrucksvaleurs und Stimmqualität bemerkenswert homogenes Solistenensemble versammelt. Vandersteene als ‚Andacht‘ fällt öfters eine die übrigen Allegorien leicht überwiegende, ja kommentierende Rolle zu; sein feines, charaktervolles tenorales Idiom bleibt im Ohr. Insgesamt kultivieren die Solisten einen eher lyrischen als rhetorisch-dramatischen Duktus; von den meisten anderen sogenannten historisch informierten Aufführungen und Einspielungen mag man anderes gewöhnt sein, doch fügt sich das Ensemble zu einer homogenen Gesamtheit, die sich organisch dem präsentierten Ganzen der Telemann-Interpretation einpasst.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Telemann, Georg Philipp: Passions-Oratorium

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Brilliant classics
2
03.02.2012
Medium:
EAN:

CD
5028421943183


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