> > > Gouvy, Louis Théodore: Sinfonie Nr.1 in E-Dur
Montag, 22. Oktober 2018

Gouvy, Louis Théodore - Sinfonie Nr.1 in E-Dur

Genuiner Sinfoniker


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


CPO setzt seine Gouvy-Reihe mit einer weiteren gelungenen Einspielung der Sinfonien Nr. 1 und 2 fort.

CPO setzt seine Wiederbelebung der Musik Théodore Govys (1819–1898) mit den Sinfonien fort. Insgesamt sind sechs Sinfonien vollständig erhalten. Diese Folge beinhaltet die Sinfonien Nr. 1 Es-Dur op. 9 und 2 F-Dur op. 12 aus den Jahren 1845-6 und 1848-9. In Frankreich hatte der nahe Saarbrücken Geborene nur bedingt Erfolg. Zwar wurde seine Erste Sinfonie in Paris äußerst positiv aufgenommen (u. a. durch Berlioz), doch erfolgten Aufführungen seiner Werke zumeist nur auf eigene Kosten. Da hatte er im deutschen Sprachraum deutlich bessere Karten: Die zweite Sinfonie erlebte ihre Uraufführung am 24. Januar 1850 im Leipziger Gewandhaus.

Die Erste Sinfonie führt die Sinfonik Spohrs und Mendelssohn Bartholdys in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Der harmonische und modulatorische Reichtum wird begleitet durch bestens beherrschte Instrumentationskunst. Es ist deutlich zu spüren, dass Gouvy stete Fühlung mit vielen seiner musikalischen Zeitgenossen pflegte und von ihnen das Beste in sein Schaffen integrierte. Die Musik pulsiert und sprudelt nahezu stetig, nur der 'Con moto' überschriebene langsame Satz (mit leichten Berlioz-Echos) vermittelt eine gewisse Entspannung – ein erfrischendes, sehr gut gemachtes Werk des Mittzwanzigers.

Die Zweite Sinfonie, die hier bereits ihre zweite Einspielung erlebt, ist insgesamt etwas entspannter, aber weiterhin vital und voller musikalischer Erfindungskraft; dennoch wies ich bereits in unten verlinkter Rezension darauf hin, dass die Sinfonie nicht ganz jene Inspiration bietet, sie mit Recht als genial bezeichnen zu dürfen. Dennoch ist klar, dass Théodore Gouvy genuin symphonisch dachte, er allerdings nicht die ‚großen Gedanken‘ philosophischer oder anderer Art zu denken bestrebt war, obwohl das 'Andante con moto' dem Besten, was Sterndale Bennett oder andere Zeitgenossen in solchen Sätzen boten, gleichwertig zur Seite gestellt werden kann.

Jacques Mercier, der die gesamte Sinfonie-Edition Théodore Gouvy bei CPO betreut und der sich auch sonst um Gouvy besonders in Lothringen verdient gemacht hat, wo er seit 2002 Leiter des Orchestre national de Lorraine ist, ist mit Gouvys Idiom bestens vertraut. Er weiß die Orchesterfarben zu mischen und beiden Werken den rechten Drive und Leichtigkeit zu verleihen. Mit der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern (das 2007 mit dem Rundfunkorchester Kaiserslautern fusionierte Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken) steht ihm ein Klangkörper zur Verfügung, der durch die lokale Nähe auch den gallischen Touch Gouvys zu transportieren weiß, auch wenn dieser in den beiden hier vorgelegten Werken nicht so stark ist wie bei späteren Kompositionen. Holz- und Blechbläser sind fein abschattiert und haben wunderbare Momente, gerade in der Ersten Sinfonie – sehr schön dezent die Hörner an den passenden Stellen in der Zweiten Sinfonie; höchstens sind die Flöten manchmal etwas flüchtig –, die Streicher voller Wärme und Charme. Insgesamt eine wichtige Ergänzung der sinfonischen Landschaft Europas, zumal wenn so kompetent vorgetragen wie hier. Eine insgesamt rundum gelungene Leistung, auch im Hinblick auf das Booklet.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Gouvy, Louis Théodore: Sinfonie Nr.1 in E-Dur

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
1
20.11.2011
EAN:

761203738120


Cover vergössern

cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Von Dr. Jürgen Schaarwächter zu dieser Rezension empfohlene Kritiken:

  • Zur Kritik... Zwischen zwei Ländern: Gouvys Orchestermusik in einer Einspielung mit der Württembergischen Philharmonie Reutlingen - durchaus ansprechend. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, 30.03.2010)

Weitere Besprechungen zum Label/Verlag cpo:

  • Zur Kritik... Umgetitelt: Zwei Werke aus Walter Braunfels' später Schaffensphase in vorbildlichen Interpretationen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Mit Leidenschaft: Das Ensemble MidtVest überzeugt mit dem vierten Teil seiner Gesamteinspielung des kammermusikalischen Schaffens von Niels Wilhelm Gade. Weiter...
    (Yvonne Rohling, )
  • Zur Kritik... Sommernachmittag: Ein norddeutscher Komponist des 18. Jahrhunderts in einer zweiten verdienstvollen Produktion aus Georgsmarienhütte. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von cpo...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Jürgen Schaarwächter:

  • Zur Kritik... Aufgehellt: Thomas Hampson und die Amsterdam Sinfonietta mit einem Herzensprojekt, dem gelegentlich Ecken und Kanten fehlen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Umgetitelt: Zwei Werke aus Walter Braunfels' später Schaffensphase in vorbildlichen Interpretationen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Jugendliche Reife: Überzeugendes Bach-Debüt eines jungen Niederländers. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Jürgen Schaarwächter...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Aufgehellt: Thomas Hampson und die Amsterdam Sinfonietta mit einem Herzensprojekt, dem gelegentlich Ecken und Kanten fehlen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Häusliche Kennerfreuden: Clavieristisches Heimwerken auf dem um 1780 immer noch gebräuchlichen Clavichord ist für Miklós Spányi immer noch Gegenstand seiner historisch perspektivierenden Gesamtschau. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Umgetitelt: Zwei Werke aus Walter Braunfels' später Schaffensphase in vorbildlichen Interpretationen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (10/2018) herunterladen (3000 KByte) Class aktuell (3/2018) herunterladen (3000 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Richard Strauss: Piano Quartet op.13 in C minor - Scherzo. Presto.

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Isabelle van Keulen im Portrait "Mir geht es vor allem um Zwischentöne"
Isabelle van Keulen im Gespräch mit klassik.com über ihre Position als Artist in Residence der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein, historische Aufführungspraxis und das Spielen ohne Dirigent.

weiter...
Alle Interviews...


Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich