> > > Fasch, Johann Friedrich: Konzert in D-Dur
Donnerstag, 24. Mai 2018

Fasch, Johann Friedrich - Konzert in D-Dur

Mit großem Ton


Label/Verlag: Chandos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine Auswahl von Johann Friedrich Faschs Orchestermusik stellt das Barockorchester Tempesta di Mare vor. Die Ersteinspielung ist aus Mitschnitten zusammengestellt, die musikalisch überzeugen können.

Lange war Johann Friedrich Fasch (1688–1758) allenthalben durch ein Fagottkonzert bekannt und wurde eher als Kuriosum belächelt, bis die historisch informierte Aufführungspraxis ab etwa 2000 endlich eine Neubewertung ermöglichte. Jetzt versteht man endlich, warum Fasch als einer der wichtigsten deutschen Komponisten der Bachzeit galt, warum Bach ihn schätzte. In der zweiten Folge einer Überschau über Faschs Orchestermusik hat das in Philadelphia ansässige Barockorchester Tempesta di Mare unter seinen Leitern Gwyn Roberts und Richard Stone eine Ouvertüre, eine Sinfonie sowie zwei Concerti vorgelegt, allesamt Weltersteinspielungen.

Die umfängliche sechssätzige Ouvertüre (Suite) a-Moll für zwei Flöten, Oboen, Fagott und B. c. erweist, dass Fasch ein voll und ganz auf der Höhe der Zeit aktiver Komponist war (das kleine Fürstentum Anhalt-Zerbst, in dem er seit 1722 als Hofkapellmeister tätig war). Wir erleben, entgegen den gewissermaßen minimalistischen historisierenden Orchesterbesetzungen mancher neuerer Einspielungen, ein genuines Orchester mit 26 Musikern, die natürlich einen ganz anderen Effekt machen als spezialisierte Kammerensembles, die eben immer klingen wie – Kammerensembles. Der raumgreifende Klang macht herrlichen Effekt, die Mikrofonierung ist rundum geglückt, die Klappen der Flöten ist zwar hörbar, steigert aber nur den lebendigen Live-Eindruck (herrlich die beeindruckende französische Ouverture, das spritzige Hornpipe). Ähnlich zu überzeugen weiß die kurze viersätzige Sinfonia g-Moll für Streicher und B. c., wie die Ouvertüre im März 2011 aufgenommen. Man spürt die Spielfreude der Musiker, ihre Hingabe ohne Netz und doppelten Boden. Da scheinen in der Ouvertüre unterschwellig Winzigkeiten nicht ganz zu stimmen – das lebendige, lebhafte Gesamtergebnis macht jeden Zweifel mehr als wett.

Das dreisätzige Concerto (grosso) G-Dur L:G13 (eingespielt im Oktober 2010) nutzt dieselbe Besetzung wie die Ouvertüre und wirkt ähnlich ideenreich. Die klare Kontrastierung von Streichern (mit Fagott) und Bläsern im Kopfsatz ist im besten Sinne ‚spirited‘, spritzig-geistreich, der Mittelsatz setzt mit Triolen im Dreiermetrum einen ganz besonderen Akzent. Das die CD schließende finale Air lässt in seiner Prunkhaftigkeit geradezu an Händel denken, und doch ist Fasch ein ganz eigener, eine wichtige Stimme in der deutschen Barockmusik der Bachzeit.

Einzig das Violinkonzert D-Dur L:D5 (mitgeschnitten im Mai 2011) ist nicht ganz so überzeugend wie die anderen drei Werke. Nicht der interpretatorischen Seite wegen, sondern vielmehr, weil die Stimmen auf dem Podium nicht klar fokussiert sind, der Raumeindruck diffus wird. Besonders betrifft dies den Konzertmeister Emlyn Ngai, dessen Spiel makellos ist, der aber denkbar unglücklich eingefangen ist. Das reiche Orchester (mit doppelten Flöten, Oboen, Fagotten und Hörnern) wirkt ähnlich raumgreifend wie bei der Ouvertüre und der Sinfonia, doch gerät eben das Violinsolo hierdurch bedenklich ins Hintertreffen.

Das dreisprachige Chandos-Booklet überzeugt rundum. Nur werden die exakten Aufnahmedaten nicht genannt, bei Chandos sonst üblich und dadurch hier ein eindeutiger Minuspunkt, gerade wenn es sich um Liveaufnahmen handeln soll. Insgesamt eine stimmige, wenn auch nicht ideale Produktion.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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    Fasch, Johann Friedrich: Konzert in D-Dur

Label:
Anzahl Medien:
Chandos
1
EAN:

095115078327


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Chandos

Chandos Records was founded in 1979 by Brian Couzens and quickly established itself as one of the world's leading classical labels. Prior to forming the label, Brian Couzens, along with his son Ralph, worked for 8 years running a mobile recording unit recording for major labels (including RCA, Polydor, CFP, etc.) with many of the world's leading artists.
The company has championed rare and neglected repertoire, filling in many gaps in the record catalogues. Initially focussing on British composers (Alwyn, Bax, Bliss, Dyso, Moeran, Rubbra, Walton etc), it subsequently embraced a much wider field. Chandos' diverse catalogue contains over 2000 titles, from early music to contemporary, with composers from around the world. The company's aim is to present an exciting and varied selection of superbly recorded music to as many people as possible.
The following artists are strongly associated with, or exclusive to, the label: Richard Hickox, Matthias Bamert, I Fagiolini, Neeme Järvi, Louis Lortie, Jean-Efflam Bavouzet, Rumon Gamba, James Ehnes, Sir Charles Mackerras, David Parry, Valeri Polyansky, The Purcell Quartet, Gennady Rozhdestvensky, Howard Shelley, Simon Standage, Yan Pascal Tortelier, Vernon Handley, the BBC Philharmonic, BBC National Orchestra of Wales, the City of London Sinfonia and Collegium Muscium 90.
Chandos is universally acclaimed for the excellence of its sound quality and has always been at the forefront of technical innovation. In 1978, Chandos was one of the first to record in 16bit/44.1kHz PCM digital, as well as being one of the first to edit a digital recording completely in the digital domain (Holst: the Planet ? SNO/Gibson). In 1983, Chandos was one of the first to produce and release Compact Discs into the marketplace ? a revolution in the recorded music industry.
Today, Chandos has kept up with technology by recording mostly in 24bit/96kHz PCM but now also in DSD for producing ?surround sound? SACDs. Chandos releases at least five new recordings a month, together with imaginative re-issues of back-catlogue material.
The company has received countless awards, including several Gramophone Awards, notably the 2001 ?Record of the Year? for Richard Hickox?s recording of the original version of Vaughan Williams? A London Symphony; ?Best Choral Recording of 2003? for its recording of an undiscovered mass by Hummel and the ?Best Orchestral Recording? of 2004 for its set of Bax Symphonies. Other highlights include the American Grammy for Britten?s opera Peter Grimes, and most recently (2008), two further Grammy Awards, one for Hansel and Gretel and the other for Grechaninov?s Passion Week. Jean-Efflam Bavouzet?s debut on Chandos was also awarded Record of the Year by Monde de la Musique this year.
Chandos remains an independent, family run company which produces and markets its recordings from its office in Colchester, England, and is distributed worldwide.


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