> > > Werke von Scott & VAughan Williams: Songs of quest and inspiration
Mittwoch, 17. Oktober 2018

Werke von Scott & VAughan Williams - Songs of quest and inspiration

Verschenkt


Label/Verlag: Challenge Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Liedschaffen Cyril Scotts ist, anders als seine Klavier-, Kammer- und Orchestermusik, bislang noch nahezu unbekannt. Dem versucht vorliegende Produktion Abhilfe zu schaffen.

Das Liedschaffen Cyril Scotts (1879–1970) ist, anders als seine Klavier-, Kammer- und Orchestermusik, bislang noch nahezu unbekannt. Dabei wirken seine Liedkompositionen (hier werden dreizehn aus den Jahren 1906-27 erstmals auf CD vorgestellt) unmittelbar. Seinen Klavierstil kennt man mittlerweile gut, die feinen Klangvaleurs, die auf Debussy verweisen und doch ganz eigen sind, die differenzierte Harmonik, die stets tonal verankert bleibt und doch immer wieder überraschende ‚Twists‘ aufweist. Besonders beeindruckend ist vielleicht 'Sundown' (1919) mit immer wieder chromatischen Abwärtsbewegungen im Klavier. Doch auch das harmonische Schweifen in Christina Rossettis 'To-Morrow' von 1927 bietet ganz eigene Perspektiven. Die Pianistin Micha van Weers versteht Scotts Konzept bestens und evoziert ein ganzes Meer an Stimmungen.

Versucht man Weers‘ langjährigen Duopartner, den auf Liedgesang spezialisierten niederländischen Bariton Robbert Muuse unter den Sängern britischer Lieder einzuordnen, so stehen ihm wohl Stephen Varcoe, Graham Trew oder Thomas Hemsley am nächsten. Diesen essenziell eher lyrischen Sängern mangelt es in ihrer Stimme gelegentlich an sinnlicher Wärme – für die Scottschen Schönheiten eine deutliche Beeinträchtigung – viele Lieder werden durch Muuse nahezu verschenkt, trotz der hohen Textverständlichkeit, die aber den reichen, nahezu körperlich-sensuellen Melos selbst auf der Strecke bleiben lässt. Wohler fühlt sich Muuse in 'An Eastern Lament' op. 62 Nr. 3 (1909), im melodisch einfacher gestrickten Prelude op. 57 Nr. 1 (1908) oder im dramatischen 'Have Ye Seen Him Pass By? ' (1921). Hier stört auch kaum, dass seine Tiefe eher schwach ausgeprägt ist und sein Vibrato unstet.

Viel stärker daheim zu fühlen scheint sich Muuse in den Melodiebildungen der die CD schließenden neun Liedern von Ralph Vaughan Williams (1872–1958) zu fühlen (wenngleich wir auch hier auf sensuelle Klangvaleurs etwa in 'Let beauty awake' verzichten müssen), zunächst in zwei der 'Five Mystical Songs' (1911; vor allem 'Easter' verliert viel von seinem orchestralen Glanz), dann den 'Songs of Travel' nach Robert Louis Stevenson (1904). Aber je wohler er sich bei Vaughan Williams fühlt (sogar sein Vibrato wird steter), umso sperriger wirken allerdings Scotts Lieder umso sperriger, erweist er den Liedern einen Bärendienst. Natürlich freut sich der fünfundachtzigjährige Sohn des Komponisten im Booklet sehr, dass die Musik seines Vaters endlich der Vergessenheit entrissen wird, doch hoffe ich jedenfalls noch auf Roderick Williams, der sich schon für so viele britische Komponisten so überaus eloquent eingesetzt hat. Es sollte nicht sein, dass die zentralen CD-Premieren weniger attraktiver wirken als das ‚Bonus-Material‘. Das umfangreiche (nur englischsprachige) Booklet (mit Gesangstexten) unterstützt höchst erfreulich die Einführung in diese auch klangtechnisch makellose Produktion.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Werke von Scott & VAughan Williams: Songs of quest and inspiration

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Challenge Classics
1
01.11.2011
64:53
2011
EAN:
BestellNr.:

608917252729
CC72527


Cover vergössern

"Lied-Weltersteinspielungen von Cyril Scott: Außer dem vertrauten, wohl bekannten Repertoire fordern Robbert Muuse und Micha van Weers sich heraus, unaufhörlich das Feld von unbekannten Werken, vergessener oder sogar verbotenen Lieder zu erforschen, dass sie für würdig halten, wieder entdeckt und neu geführt zu werden. Diese Forschung führte zu einer Auswahl aus einer Sammlung von etwa 80 Liedern von Cyril Scott, die unserer Generation völlig zu unrecht unbekannt geblieben sind, ergänzt durch bekanntere Lieder von Vaughan Williams wie den Zyklus 'Songs of Travel'. “As Cyril Scott‘s son, I know he would be delighted that these songs are being recorded, for the first time on CD, by such accomplished performers as Robbert Muuse and Micha van Weers? - Desmond Scott"


Cover vergössern

Challenge Classics

CHALLENGE RECORDS ist eine unabhängige Schallplattenfirma, die ihren Sitz in den Niederlanden hat. Sie setzt sich aus einer Gruppe von Musikenthusiasten zusammen, die mit großer Leidenschaft für den Jazz und die Klassische Musik internationale Produktionen kreieren.
Die Zusammenarbeit mit Künstlern wie Ton Koopman, dem Combattimento Amsterdam, dem Altenberg Trio Wien, Musica Antiqua Köln u.v.a., gibt CHALLENGE CLASSICS ein eindeutiges Profil.
Neben den inhaltlichen Schwerpunkten im Bereich der Barockmusik und der Kammermusik, finden sich auch herausragende Aufnahmen im Liedgesang, in frühklassischer Sinfonik sowie Opern und Oratorien auf DVD-Video.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Challenge Classics:

  • Zur Kritik... Nähe zum Theater: James Gaffigan und das Netherlands Radio Philharmonic Orchestra überzeugen mit zwei Prokofjew-Sinfonien. Weiter...
    (Dr. Dennis Roth, )
  • Zur Kritik... Mit Überraschungseffekt: Mayke Rademakers präsentiert mit dieser Tripel-CD die Bandbreite ihres musikalischen Könnens und überrascht mit einer ungewöhnlichen Zusammenstellung der einzelnen Titel. Weiter...
    (Tanja Geschwind, )
  • Zur Kritik... Maßstäbe: Das Brodsky Quartet interpretiert Britten - mit großem Erfolg. Was allerdings fehlt, ist das frühe Streichquartett D-Dur. Weiter...
    (Michael Pitz-Grewenig, )
blättern

Alle Kritiken von Challenge Classics...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Jürgen Schaarwächter:

  • Zur Kritik... Jugendliche Reife: Überzeugendes Bach-Debüt eines jungen Niederländers. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Sommernachmittag: Ein norddeutscher Komponist des 18. Jahrhunderts in einer zweiten verdienstvollen Produktion aus Georgsmarienhütte. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Tanzende Figuren im Garten: Durchaus berühmte Interpreten finden sich unter dem Ensemblenamen Karolos, der bislang noch nicht geläufig ist, zu einer vorzüglichen Produktion zusammen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Jürgen Schaarwächter...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Lyrische Todes-Trilogie: Aribert Reimanns neunte Oper 'L’Invisible' überzeugt auch als reines Tondokument wegen ihres starken Textes, ihrer magischen Musik und der guten Präsentation dieser Veröffentlichung. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Jugendliche Reife: Überzeugendes Bach-Debüt eines jungen Niederländers. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Mit Leidenschaft: Das Ensemble MidtVest überzeugt mit dem vierten Teil seiner Gesamteinspielung des kammermusikalischen Schaffens von Niels Wilhelm Gade. Weiter...
    (Yvonne Rohling, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (10/2018) herunterladen (3000 KByte) Class aktuell (3/2018) herunterladen (3000 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Ferdinand Ries: String Quartet No.1 op.70,1 in F major - Air russe, Andante

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Isabelle van Keulen im Portrait "Mir geht es vor allem um Zwischentöne"
Isabelle van Keulen im Gespräch mit klassik.com über ihre Position als Artist in Residence der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein, historische Aufführungspraxis und das Spielen ohne Dirigent.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich