> > > English Clarinet Sonatas : Arnold Bax, Herbert Howells, John Ireland, Joseph Horovitz, Malcolm Arnold
Donnerstag, 24. Mai 2018

English Clarinet Sonatas - Arnold Bax, Herbert Howells, John Ireland, Joseph Horovitz, Malcolm Arnold

Zwischen den Polen


Label/Verlag: DUX
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Zwei polnische Interpreten widmen sich britischer Kammermusik für Klarinette und Klavier. Das Ergebnis ist respektabel, wenn auch nicht preisverdächtig.

Dass zwei Polen ein rein britisches Programm vorlegen, ist eher eine Seltenheit, und so war ich gespannt, wie die beiden Musiker wohl mit dem für sie vielleicht ungewohnten Repertoire umgehen würden. Der 1984 geborene Klarinettist und Komponist Dawid Jarzynski (und auf ihm liegt der Fokus der vorliegenden CD) kann bereits auf eine beeindruckende Karriere zurückblicken, ein verstärkt anglophiler Bezug scheint aber nicht auf (außer dass er 2008 Paul Pattersons 'Conversations' einspielte). Die zwei Jahre ältere Pianistin Anna Czaicka kommt im Booklet eher nur am Rande vor.

Die SACD umspannt knapp fünfzig Jahre britischer Klarinettenkammermusik. Das jüngste Werk ist die 1981 entstandene Sonatine des in Wien gebürtigen, aber 1938 emigrierten Joseph Horovitz (*1926). Der Schüler Gordon Jacobs und Nadia Boulangers wurde 1961 Kompositionsprofessor am Londoner Royal College of Music. Zu seinen Kompositionen zählen unter anderen sechzehn Ballette und zahlreiche Konzertwerke. Horovitz’ Sonatine klingt in keinster Weise modernistisch, sogar noch weniger als die Kompositionen Lennox Berkeleys, eines anderen britischen Boulanger-Schülers. Ohne Not könnte Horovitz’ beliebte Komposition (von der bereits ein halbes Dutzend Einspielungen vorliegt) vierzig bis fünfzig Jahre älter sein, doch heißt das nicht, dass sie heute im schlechten Sinne angestaubt klänge, eher nostalgisch (ein ganz typischer Zug in Horovitz’ Schaffen), mit einem herrlichen mondscheinüberstrahlten langsamen Satz und einem ‚jazzigen‘ Finale, das ganz typisch ist für Horovitz’ Fernsehfilmmusik der 1970er- und ’80er-Jahre. Leider mangelt es Jarzynski und Czaicka deutlich an Drive für diesen Schlusssatz. Für das Finale benötigt das Duo vier Minuten – bei Gervase de Peyer mit Gwenneth Pryor (für Chandos) rund eine halbe Minute kürzer.

Die älteste Komposition auf der SACD ist Arnold Bax’ (1883–1953) zweisätzige Sonate vom Juni 1934. Die Uraufführung spielte Frederick Thurston, der die Klarinette in England wieder als zentrales Soloinstrument etablierte. Im Grunde kann man auch ihr das Epithet ‚nostalgisch‘ verleihen. Jarzynski und Czaicka finden ganz den richtigen Ton für diese in enormen Bögen sich nahezu verlierende Komposition, wenngleich sie auch hier die Konkurrenz fürchten müssen; im zweiten Satz etwa sind Michael Collins und Ian Brown (Hyperion) deutlich flüssiger in der Gestaltung als die beiden Polen.

John Ireland (1879–1962) ist ein Komponist, der gerade dieses Jahr eine umfassende Würdigung in Großbritannien erfährt. Seine 'Fantasy-Sonata' Es-Dur entstand mitten während des Weltkriegs 1943 für den berühmten Frederick Thurston. Es handelt sich um eine Gattung, die rund vierzig Jahre früher in Mode gewesen war, eine halbfreie dreisätzige Form mit stark nachromantischer harmonischer Prägung. Schon Thurston hatte die Sonate eingespielt (mit dem Komponisten am Klavier) und der berühmte Gervase de Peyer legte gar zwei Einspielungen vor. Jarzynski und Czaicka bieten eine beeindruckende gemeinschaftliche Leistung – nur um Nuancen weniger überzeugend als die Referenzeinspielungen, wobei insbesondere Jarzynskis Höhen gelegentlich einen Hauch schrill werden.

Der dritte regelrechte Klassiker, gleichzeitig die umfänglichste Komposition auf der SACD, ist die 1946 ebenfalls für Thurston entstandene und von diesem 1948 uraufgeführte Sonate von Herbert Howells (1892–1983). Wie Bax’ Sonate zweisätzig und auch in der Tempoanlage der früheren Komposition vergleichbar, ist sie jedoch stärker rhapsodisch geprägt. Jarzynski und Czaicka lassen der Musik Raum zum Atmen und können den ganzen Reichtum der Komposition entfalten; im zweiten Satz kommt die Sonorität der tiefen Klavierregister bestens zur Geltung. Wahrscheinlich mit die gelungenste Darbietung auf der SACD.

Beschlossen wird der Überblick über britische Klarinettenmusik mit der übersprudelnden Sonatine op. 29 von Malcolm Arnold (1921–2006). Arnolds Bläsersonatinen sind wie seine Solokompositionen wegen ihres hohen Schwierigkeitsgrades als ‚Teststücke‘ bei Wettbewerben beliebt. International ist Arnolds Sonatine die wohl bekannteste Komposition auf dieser SACD. Entsprechend muss man mit Blick auf die Vergleichseinspielungen doch sagen, dass Arnolds ureigenstes ‚Momentum‘, sein ganz eigener musikalischer Puls, der sich auch auf Phrasierung und Dynamik auswirkt, durch andere Einspielungen doch noch besser eingefangen wurde als durch diese beiden polnischen Interpreten, die die Musik nun einmal nicht mit der Muttermilch eingesogen haben. Insgesamt bieten Dawid Jarzynski und Anna Czaicka eine durchaus beachtliche Leistung, die aber im Licht der harten Konkurrenz nicht die Referenzeinspielungen zu verdrängen vermag. Da hilft auch die vorbildlich klare Aufnahmetechnik nicht.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    English Clarinet Sonatas : Arnold Bax, Herbert Howells, John Ireland, Joseph Horovitz, Malcolm Arnold

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
DUX
1
01.01.2012
73:09
EAN:

5902547007984


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DUX

Das polnische Label DUX wurde 1992 von Malgorzata Polanska und Lech Tolwinski, beides Absolventen der Toningenieur-Fakultät der Frédéric Chopin Musikakademie in Warschau, gegründet. Hauptanliegen war die Produktion von Aufnahmen mit klassischer Musik, wobei man von Anfang an höchste Ansprüche an künstlerische und technische Standards stellte.Viele Aufnahmen von Dux erlangten sowohl in Polen als auch im Ausland breites Interesse bei Publikum und Kritik, die sich in zahlreichen Preisen und Auszeichnungen widerspiegelt.

Ein Schwerpunkt des Labels ist natürlich das reiche musikalische Erbe Polens, das weitaus mehr umfasst als Chopin oder Penderecki. Im Katalog finden sich daher neben bekannteren Namen wie Wieniawski, Szymanowski oder Lutoslawski auch zahlreiche hierzulande bislang weniger bekannte oder völlig unbekannte Komponisten von der Renaissance bis zur Gegenwart, wie Ignaz Jan Paderewski, der Klaviervirtuose und spätere Premier- und Außenminister der Zweiten Polnischen Republik oder Stanislaw Moniuszko, ein Zeitgenosse Verdis und Schöpfer der polnischen Nationaloper. Aber auch zahlreiche polnische Künstler, Ensembles und Orchester gilt es bei DUX zu entdecken, darunter international renommierte Namen wie beispielsweise die gefeierte Altistin Ewa Podles.


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