> > > Dukas, Paul: Ariane et Barbe-Bleue
Mittwoch, 17. Oktober 2018

Dukas, Paul - Ariane et Barbe-Bleue

Frauenpower


Label/Verlag: Brilliant classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die dürftige Ausstattung der von Brillant wiederveröffentlichten Aufnahme von Dukas' 'Ariane et Barbe-Bleue' wird von einer überzeugende musikalische Umsetzung aufgefangen.

Paul Dukas’ Oper 'Ariane et Barbe-Bleue' (1907) ist eine Version des berühmten Blaubart-Stoffes, die im Grunde gesellschaftspolitische Realität spiegelt: den Einsatz der Frau für ihre eigene Selbstbestimmung, ein hochakutes Thema zu Beginn des 20. Jahrhunderts. In der Kunst und der Musik der Zeit finden wir vielfach das Thema der selbstständig handelnden und denkenden Frau, die sich aus der Unterdrückung durch Männer befreien und ganz eigene Wege gehen oder zu gehen versuchen. Dukas’ Ariane – die sechste Frau Blaubarts – fürchtet ihren frisch Angetrauten nicht, unterwirft sich höchstens scheinbar seinen Regeln, um dann aber selbstständig ihre eigenen Ziele zu verfolgen. Blaubarts frühere fünf Frauen sind noch am Leben, jedoch eingekerkert, weil sie sich ihm nicht haben entgegenstellen können (oder wollen). Nachdem Ariane sie befreit hat, bleiben sie bei Blaubart; auch Ariane ist Blaubart nicht nachhaltig böse und verlässt das Schloss.

Zentrale Person der Oper ist Ariane, eine schwer zu besetzende Partie, die echt französischen Lyrizismus, eine gute mittlere und tiefe Lage, gleichzeitig dramatische Kraft benötigt (aus diesem Grund wird sie nicht selten mit einer Mezzosopranistin besetzt, auch wenn eine Besetzung mit einem Sopran überzeugender ist). Deborah Polaski erfüllt die anspruchsvolle Rolle bis ins kleinste Detail. Vielleicht mangelt es dieser etwas an Wärme und gelegentlich gerät sie bei gehaltenen Tönen in etwas zu starkes Vibrato, ein- oder zweimal sind ihre Zieltöne einen Hauch zu tief, doch ist dieses ‚Brünnhilden-Erbe‘ nicht derart beeinträchtigend, dass man bei einem Live-Mitschnitt Abstriche machen müsste. Im Gegenteil hat Polaski immer wieder auch nahezu echte ‚Brünnhilden-Momente‘, etwa in der grandiosen Steigerung des zweiten Aktes.

Ariane hat zur Unterstützung ihre Amme bei sich, mit Jane Henschel luxuriös besetzt. Ihr Timbre mischt sich perfekt mit jener Polaskis, vielleicht zu perfekt, ist man doch in Ermangelung des Librettos nicht immer sicher, wer gerade singt. Rein gesangsdarstellerisch bleiben allerdings auch bei ihrer Rolle so gut wie keine Wünsche offen. Blaubarts frühere fünf Frauen Sélysette, Bellangère, Ygraine, Mélisande und Alladine (letztere eine stumme Rolle) sind von Dukas musikalisch reich bedacht. Ruxandra Donose, Stella Grigorian, Ileana Tonka und Nina Bernsteiner bilden ein überzeugendes, differenziert agierendes Damenquartett. Die winzige Rolle des Blaubart (er singt kaum eine Minute) ist, wie in vielen Vertonungen des Stoffes üblich, einem Bassbariton anvertraut. Kwangchul Youns Französisch ist weniger überzeugend als das der Damen; auch klingt er in seiner Rolle nicht so differenziert wie es ein Muttersprachler wie Gabriel Bacquier oder José van Dam hätte sein können.

Der Slowakische Philharmonische Chor singt kraftvoll und engagiert, auch wenn die Aussprache vielleicht nicht immer ganz idiomatisch sein mag. Bertrand de Billy kennt sich mit dem französischen Idiom bestens aus. Das Radio-Symphonieorchester Wien lässt Dukas’ Farben in allen Facetten schillern. Wollen wir hoffen, dass sich de Billy auch nach seinem Weggang vom RSO Wien weiterhin für vernachlässigtes Repertoire einsetzen wird. Wie leider bei Brilliant üblich, ist das CD-Booklet leider nur bescheiden zu nennen, mit einem zwar interessanten Essay zur Oper, doch ohne eine Inhaltsangabe (natürlich auch ohne Libretto), so dass dem Hörer die Orientierung oder auch der grobe Handlungsabriss völlig fehlt. Zwar ist die Ausstattung der ebenfalls jüngst erschienenen Wiederveröffentlichung der Erato-Einspielung von 1983 unter Armin Jordan ähnlich bescheiden (hier nur eine Inhaltsangabe und kein erläuterndes Essay), doch muss man sich derart bescheidene Ausstattung nicht zum Vorbild nehmen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Dukas, Paul: Ariane et Barbe-Bleue

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Brilliant classics
2
02.09.2011
EAN:

5028421942544


Cover vergössern

Brilliant classics

Brilliant Classics steht für hochwertige Klassik zu günstigen Preisen!

Mit den Veröffentlichungen von komplettierten Gesamtwerks- Editionen und Zyklen berühmter Komponisten, hat sich das Label erfolgreich am Musikmarkt etabliert. Der Klassikmusikchef, Pieter van Winkel, ist Musikwissenschaftler und selbst Pianist. Mit seinem professionellen musikalischen Gespür für den Klassikmarkt, hat er in den letzten Jahren ein umfangreiches Klassikprogramm aufgebaut. Neben hochwertigen Lizenzprodukten fördert er mit Eigenproduktionen den musikalischen Nachwuchs und bietet renommierten Musikern eine ideale Plattform.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Brilliant classics:

  • Zur Kritik... Scharf herausgearbeitet: Das Ensemble L'Arte dell'Arco erweist sich als stilvoller Anwalt von Albinonis Musik, die es mit reichen Farben und reichen Stimmungsfacetten präsentiert. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Zwischen den Epochen: Der älteste Bach-Sohn Wilhelm Friedemann ist in den letzten Jahren diskographisch umfassend erschlossen worden. Claudio Astronio reihte sich 2015/16 mit einer lohnenswerten Komplettbox in die Erkundung auch der Cembalowerke ein. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Konkurrenzfähig: Die Klaviersonaten von Johann Nepomuk Hummel erklingen hier erstmals vollständig auf Hammerklavier. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Brilliant classics...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Jürgen Schaarwächter:

  • Zur Kritik... Jugendliche Reife: Überzeugendes Bach-Debüt eines jungen Niederländers. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Sommernachmittag: Ein norddeutscher Komponist des 18. Jahrhunderts in einer zweiten verdienstvollen Produktion aus Georgsmarienhütte. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Tanzende Figuren im Garten: Durchaus berühmte Interpreten finden sich unter dem Ensemblenamen Karolos, der bislang noch nicht geläufig ist, zu einer vorzüglichen Produktion zusammen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Jürgen Schaarwächter...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Lyrische Todes-Trilogie: Aribert Reimanns neunte Oper 'L’Invisible' überzeugt auch als reines Tondokument wegen ihres starken Textes, ihrer magischen Musik und der guten Präsentation dieser Veröffentlichung. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Jugendliche Reife: Überzeugendes Bach-Debüt eines jungen Niederländers. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Mit Leidenschaft: Das Ensemble MidtVest überzeugt mit dem vierten Teil seiner Gesamteinspielung des kammermusikalischen Schaffens von Niels Wilhelm Gade. Weiter...
    (Yvonne Rohling, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (10/2018) herunterladen (3000 KByte) Class aktuell (3/2018) herunterladen (3000 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Toivo Kuula: Pieces op.3a - Notturno

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Isabelle van Keulen im Portrait "Mir geht es vor allem um Zwischentöne"
Isabelle van Keulen im Gespräch mit klassik.com über ihre Position als Artist in Residence der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein, historische Aufführungspraxis und das Spielen ohne Dirigent.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich