> > > Menotti, Gian Carlo: Goya Plácido Domingo
Donnerstag, 24. Mai 2018

Menotti, Gian Carlo - Goya Plácido Domingo

Maßgeschneidert


Label/Verlag: Arthaus Musik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Gian Carlo Menottis 'Goya' kann in diesem Wiener Mitschnitt musikalisch über weite Strecken überzeugen. Doch die Regie ist allzu grobschlächtig und übertrieben.

Gian Carlo Menotti mag kein Lieblingskomponist der Kritik sein. Ein unverstellt tonaler Zugang zur Musik und seine Fähigkeit, sangbare und eingängige Melodik zu schreiben, mag gleichermaßen Misstrauen und Neid hervorrufen. Vom Standpunkt des Publikums ist in jedem Fall zu betonen, dass er nicht publikumsunfreundlich schreibt, dass er nachvollziehbare Handlungen konzipiert und diese musikalisch ansprechend umsetzt. Seinen Stil als ‚Neo-Puccini‘ zu beschreiben, spricht ihm indes die kompositorische Individualität ab, die ihm gebührt. Dass sich Plácido Domingo und Gian Carlo Menotti 1977 unter diesen Voraussetzungen auf Augenhöhe begegneten und Domingo eine Oper erbat, hat zahlreiche Parallelen, nicht zuletzt Aribert Reimanns 'Lear' für Dietrich Fischer-Dieskau. Nun muss festgestellt werden, dass weder 'Lear' noch 'Goya' bislang Kassenschlager geworden sind, ersterer wegen der Komplexität der musikalischen Substanz. Bei 'Goya' liegt der Fall anders. Zum einen vermeint oder erwartet man seit der Uraufführung 1986 (in Washington) immer Domingo in der Titelpartie zu hören (auch in der bislang einzigen CD-Produktion bei Nuova Era), und zum anderen ist Menottis Herangehensweise im Grunde konventioneller: Man kann seine Oper als Regisseur nicht so leicht usurpieren wie andere Werke. Das Werk enthält zahlreiche Ingredienzien eines effektvollen Bühnenwerks – Intrigen, Liebe, Hass, Eifersucht, Heimlichkeiten, Verkleidungen –, und diese werden auf im Grunde traditionelle, nachgerade melodramatische Weise verarbeitet. Dies ist an sich natürlich nicht verwerflich, doch muss heutzutage ein Regisseur darauf achten, diese Elemente nicht verflachend umzusetzen.

Erst 2004 debütierte Plácido Domingo im Theater an der Wien, und dies nicht (was womöglich näher gelegen hätte) mit einer Mozart-Oper (ich hoffe immer noch auf einen 'Figaro'-Graf von ihm), sondern eben mit 'Goya', jenem Werk, in dem er nicht anders als brillieren kann. Musikalisch mag er nicht mehr ganz so frisch wirken wie knapp zwanzig Jahre zuvor, doch kennt er natürlich die Musik in- und auswendig und weiß, wie er welche Effekte zu erzielen hat. Ihm im vollen Maße ebenbürtig ist die südamerikanische Mezzosopranistin Michelle Breedt in der Rolle der Herzogin von Alba, in der sie aus einer Vielzahl von Farben und Emotionen schöpfen kann. Dies wäre theoretisch auch der Sopranistin Íride Martínez zuzutrauen. Die aus Costa Rica stammende Sängerin mit einem Repertoire von der Königin der Nacht und der Constanze bis zur Cunegonde ('Candide') oder der Sonnambula hat mit der Rolle der Königin María Luisa eine ausgesprochen anspruchsvolle Partie übernommen, der sie leider weder darstellerisch noch musikalisch voll gewachsen ist. Royal ist bei ihr nicht auch nur eine Geste, immer wieder wirkt sie vulgär und – ja, in gewissem Maße darstellerisch inkompetent. Es bleibt unklar, ob dieser Eindruck nicht vielleicht stärker auf das Konto der Regie (Kasper Bech Holten) geht, die auch die anderen Sänger immer wieder zu Overacting treibt, so als verstünde das Publikum keine raffiniertere Personenführung. Doch auch stimmlich ist Martínez in verschiedenerlei Hinsicht überfordert; in der Höhe klingt sie gelegentlich etwas sauer, in der Tiefe hohl.

Von den Comprimarii sind vor allem Christian Gerhaher als Martín Zapater hervorzuheben, doch auch Nadia Krasteva (Sängerin) ist hinreichend überzeugend. Andreas Conrad (König Carlos IV.) fällt, vor allem durch seine mangelhafte Beherrschung der englischen Sprache, doch auch von seinen reinen stimmlichen Fertigkeiten, deutlich ab; Maurizio Muraro (Manuel Godoy) ist ein überzeugender, an manchen Stellen vielleicht ein wenig vokal grobschlächtiger bassbaritonaler Premierminister. Chor (Festival-Chor KlangBogen Wien) und Orchester (Radio-Symphonieorchester Wien) sind bestens aufgelegt, Chefdirigent Emmanuel Villaume hat die Zügel fest in der Hand. Doch leider wird die gesamte Interpretation beeinträchtigt durch die immer wieder chargenhafte Regie Holtens. Es mag sein, dass der Däne durchaus ein Ziel mit seinem Konzept verfolgt, doch widerspricht dies leider eklatant dem Konzept Menottis. Und so gibt es (möglicherweise nicht nur für mich) die Hoffnung, dass auch der Uraufführungsmitschnitt dereinst auf DVD erscheint und dieser vielleicht die erhoffte Idealproduktion sein wird.

Interpretation:
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Regie:







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    Menotti, Gian Carlo: Goya Plácido Domingo

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Anzahl Medien:
Arthaus Musik
1
EAN:

807280157697


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Arthaus Musik

Arthaus Musik wurde im März 2000 in München gegründet und hat seit 2007 seinen Firmensitz in Halle (Saale), der Geburtsstadt Georg Friedrich Händels.

Das Pionierlabel für Klassik auf DVD veröffentlicht nunmehr seit 13 Jahren hochkarätige Aufzeichnungen von Opern, Balletten, klassischen Konzerten, Jazz, Theaterinszenierungen sowie ausgesuchte Dokumentationen über Musik und Kunst. Mit bis zu 150 Veröffentlichungen pro Jahr sind bisher über 1000 Titel auf DVD und Blu-ray erschienen. Damit bietet Arthaus Musik den weltweit umfangreichsten Katalog von audiovisuellen Musik- und Kunstproduktionen und ist seit Gründung des Labels international führender Anbieter in diesem Segment des Home Entertainment Marktes.

In vielen referenzgültigen Aufzeichnungen sind die größten Künstler unserer Zeit wie auch aus vergangenen Tagen zu hören und zu sehen. Unter den Veröffentlichungen finden sich Aufnahmen mit Plácido Domingo, Cecilia Bartoli, Luciano Pavarotti, Maria Callas, Jonas Kaufmann, Elīna Garanča; mit Dirigenten wie Carlos Kleiber, Claudio Abbado, Nikolaus Harnoncourt, Lorin Maazel, Pierre Boulez, Zubin Mehta; aus Opernhäusern wie der Mailänder Scala, der Wiener Staatsoper, dem Royal Opera House Covent Garden, der Opéra National de Paris , der Staatsoper Unter den Linden, der Deutschen Oper Berlin und dem Opernhaus Zürich.

Zahlreiche Veröffentlichungen des Labels wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter der Oscar-prämierte Animationsfilm ?Peter & der Wolf? von Suzie Templeton, die aufwändig produzierte ?Walter-Felsenstein-Edition? und die von Sasha Waltz choreographierte Oper ?Dido und Aeneas?, die beide den Preis der deutschen Schallplattenkritik erhielten. Mit dem Midem Classical Award wurden u. a. die Dokumentationen ?Herbert von Karajan ? Maestro for the Screen? von Georg Wübbolt und ?Celibidache ? You don?t do anything, you let it evolve? von Jan Schmidt-Garre ausgezeichnet. Die Dokumentation ?Carlos Kleiber ? Traces to nowhere? von Eric Schulz erhielt den ECHO Klassik 2011.

Mit der Tochterfirma Monarda Arts besitzt Arthaus Musik eine ca. 900 Produktionen umfassende Rechtebibliothek zur DVD-, TV- und Onlineauswertung. Seit 2007 entwickelt das Unternehmen kontinuierlich die Sparte Eigenproduktion mit der Aufzeichnung von Opern, Konzerten, Balletten und der Produktion von Kunst- und Musikdokumentationen weiter.

Arthaus Musik DVDs und Blu-ray Discs werden über ein leistungsfähiges Vertriebsnetz, u.a. in Kooperation mit Naxos Global Distribution in ca. 70 Ländern der Welt aktiv vertrieben. Darüber hinaus veröffentlicht und vertreibt Arthaus Musik die 3sat-DVD-Edition und betreut für den Buchhandel u.a. die Buch- und DVD-Edition über Pina Bausch von L’Arche Editeur, Preisträger des Prix de l’Académie de Berlin 2010.


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