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Dienstag, 25. Juni 2019

Mozart, Wolfgang Amadeus - Fantasie

Herbheit


Label/Verlag: Genuin
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Konstanze Eickhorst spielt Mozart unauffällig spröde und genau.

Dies ist ein Konzeptalbum von intelligent einfacher Art. Konstanze Eickhorst hat für Genuin Classics Mozart’sche Klavierstücke in Molltonarten aufgenommen: die Fantasien d-Moll KV 397 und c-Moll KV 457, die Sonaten c-Moll KV 457 und a-Moll KV 310 sowie das Rondo a-Moll KV 511. Die Einspielungen wurden im März 2011im Großen Saal der Musikhochschule Lübeck durchgeführt. Sönke Wunstorf, Klavierstimmer, hat den Flügel auf mozartgerechtes Format gestutzt. Der Ton ist weniger blühend und rund als konturenscharf, eckig und obertonreich. Das weite dynamische Spektrum schafft Raum für fein unterschiedene Lautstärkegrade. Solche klangliche Voreinstellungen kommen Eickhorsts Mozart-Auffassung offenkundig gelegen. Poetische Verklärung und sanft-melancholischer Zauber werden zugunsten kontrollierter dramatischer Zuspitzung vermieden. Dies ist ein irdischer, nüchterner Mozart. Seine Reize erschließen sich beim zweiten Hören.

Unregelmäßigkeiten in Taktmaß, Harmonik und Melodiebildung werden deutlich artikuliert, aber nicht besserwisserisch ausgestellt. Die Linke bringt sich unüberhörbar zur Geltung. Nicht, dass besagte Stücke sonderlich vielstimmig angelegt wären. In Mozart’schen Streichquartetten und Sinfonien sind polyphon reichere Passagen anzutreffen. Klaviersonaten und -fantasien bleiben den natürlichen Begrenzungen zweier Pianistenhände unterworfen. Dennoch tut sich einiges in der ‚Begleitung’. Konstanze Eickhorst ist mehr als andere Pianisten bemüht, dieses Geschehen durchschaubar zu machen, dissonante Trübungen inklusive. Im Ergebnis nehmen sich kitschnah ge- und beliebte Piècen wie das Rondo a-Moll herber und widerborstiger aus als gewohnt. Auch widersteht die Künstlerin der Versuchung, Passagen wie die Einleitung zur c-Moll-Fantasie und den ariosen langsamen Satz der a-Moll-Sonate opernhaft zu überhöhen. Überall waltet diskrete Verhaltenheit, die dennoch wirkungsvolle Abstufungen des Ausdrucks erlaubt: Mit dünnem Pinsel malt es sich genau.

Dass diese Platte zum Verkaufsschlager gerät, ist wenig wahrscheinlich. Zu unscheinbar sind ihre Vorzüge, wenngleich nicht gering zu schätzen. Dinu Lipattis legendäre Einspielung der a-Moll-Sonate, Friedrich Guldas, András Schiffs oder Maria João Pires’ Einspielungen der Sonaten oder Fantasien werden ihren kommerziellen und künstlerischen Ausnahmerang behaupten.

Der Beiheft-Text Wolfgang Sandbergers umkreist den Begriff ‚Melancholie‘. Diese wird als Modekrankheit des späten 18. Jahrhunderts – und persönliche Erfahrung Mozarts – ausgewiesen. Sandberger warnt freilich davor, Moll-Töne unbesehen als Ausdruck der Seelenlage Mozarts zu deuten, die a-Moll-Sonate als ‚melancholisches Bekenntniswerk‘: ‚Ohnehin sind heutige Mozart-Kenner gerne geneigt, Mozarts Moll für menschlich authentischer zu halten als das scheinbar affirmative Dur seiner Zeit, ein Sachverhalt indes, der aber doch wohl mehr etwas über unsere eigene Einstellung und Hörerwartung als über Mozart selbst besagt.‘ Der nüchtern differenzierende, allem Überschwang und aller Übertreibung ferne Duktus dieses Essays passt bestens zur musikalischen Haltung Konstanze Eickhorsts.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mozart, Wolfgang Amadeus: Fantasie

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Genuin
1
16.09.2011
Medium:
EAN:

CD
4260036252125


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Genuin

Im Jahr 2002 standen die jungen Tonmeister von GENUIN vor einer wichtigen Entscheidung: Sollte man sich weiterhin lediglich auf das Aufnehmen und Produzieren konzentrieren, oder auf die zahlreichen Nachfragen und positiven Rückmeldungen von Musikern und Fachzeitschriften eingehen und ein eigenes Label ins Leben rufen? In einer Zeit, in der praktisch alle großen Klassik-Label ihre Produktion eingestellt oder zumindest stark gedrosselt hatten, fiel die Entscheidung nicht leicht – aber sie fiel einstimmig aus: zugunsten einer offiziellen Vertriebsplattform für die GENUIN-Aufnahmen. Und der Erfolg hat nicht lange auf sich warten lassen.

Das Label GENUIN hat sich in seinem zwölfjährigen Bestehen zu einem Geheimtipp unter Musikern und Musikliebhabern entwickelt. Schon vor dem Leipzig-Debüt im Oktober 2004, einem Antrittskonzert im Robert-Schumann-Haus mit Paul Badura-Skoda, wurden die CDs in den deutschlandweiten Vertrieb gebracht und von Fachpresse und Musikerwelt hochgelobt. Inzwischen werden GENUIN-CDs in den meisten Ländern Europas sowie in Japan, Süd-Korea, Hongkong und den USA vertrieben.

Das Erfolgsrezept von GENUIN: Die gesamte Produktion, also die Beratung der Künstler bei Aufnahmeraum und Repertoire, die Vorbereitung und Durchführung der Aufnahme selbst, der Schnitt mit allen notwendigen Korrekturen, generelle Entscheidungen beim Cover- und Bookletentwurf bis hin zur fertigen Veröffentlichung liegen in der Hand der Tonmeister. Nur so haben die Musiker den größtmöglichen Entfaltungsspielraum bei der Einspielung und Gestaltung ihrer CDs. Und gleichzeitig kann bis zuletzt eine gleichbleibend hohe Qualität garantiert werden.

GENUIN bietet auch abseits ausgetretener Pfade etablierten Künstlern genauso wie der Nachwuchsgeneration die Möglichkeit, Musik nach eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Das macht sich positiv bemerkbar für die Hörer der mittlerweile mehr als 300 GENUIN-CDs mit Interpreten wie Paul Badura-Skoda, Nicolas Altstaedt oder der Dresdner Philharmonie.


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