> > > Hess, Sebastian & Wolf, Axel: Werke von Giovanni Benedetto Platti
Sonntag, 20. August 2017

Hess, Sebastian & Wolf, Axel - Werke von Giovanni Benedetto Platti

Edle Sonatenkunst


Label/Verlag: OehmsClassics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Sebastian Hess und Axel Wolf mit einer harmonischen Deutung einiger Violoncellosonaten Giovanni Benedetto Plattis.

Giovanni Benedetto Platti (1697-1763), seit 1722 langjährig am Hof und im Umfeld des Würzburger Fürstbischofs tätiger Komponist venezianischer Herkunft, war ein produktiver Tonsetzer, dessen ästhetischer Weg von der barocken Formensprache herkommend in den späten Werken allmählich zu galanten Tönen findet, die bereits als Kunst eines Übergangs verstanden werden können. Auf der vorliegenden Platte kommen jedoch sechs der zwölf Sonaten für Violoncello und Basso continuo zu Gehör, die Platti als noch nicht Dreißigjähriger komponierte. Sie sind noch klar dem barocken Ausdruckskosmos verpflichtet und zeigen Platti unter anderem als Meister des Adagios – wie es mancher der Italiener jener Generation war. Da werden im solistischen Cello wunderbare Linien gestaltet, weite, fast kontemplative Klangflächen etabliert, getragen von einem dezenten Basso continuo. In der Summe glänzt Platti hier mit einer absolut instinktsicheren und für das Soloinstrument idiomatischen Invention. In den viersätzigen Sonaten nach dem Schema Langsam – Schnell – Langsam – Schnell geraten die kontrastierenden raschen Sätze leicht und grazil, gelegentlich durchaus energetisiert und mit sprühender Musikalität aufgeladen. Man wird diese Sphäre aber mit einiger Begründung als luftige, leichte Ebene in den Sonaten bezeichnen können, die den Werken einen unbeschwerten Zug verleiht.

Ältere Satzkunst ist in Plattis Musik schon weitgehend im Sinne des Affekts sublimiert und weniger konstituierendes Element. Zwar sind die Sonaten von 1725 melodisch, harmonisch und in ihrer gesamten ästhetischen Anlage zugleich noch ein gutes Stück von den oben angedeuteten Qualitäten des Spätwerks entfernt, doch schleichen sich auch schon hier Anklänge leichterer Gefälligkeit ein, gerät manch kleine Geste im Verglich zum barocken Vokabular spürbar eleganter – etwa im 'Presto' der dritten oder im 'Adagio' der vierten Sonate.

Instrumentale Harmonie

Mit dem Cellisten Sebastian Hesse und dem Lautenisten Axel Wolf haben sich zwei feinsinnige Stilisten dieser interessanten Kompositionen angenommen. Hess überzeugt dabei mit einem harmonischen, sehr lyrischen Ton, der ihn in den langsamen Sätzen zu einem fast tastenden Klangsucher werden lässt, den feinen expressiven Nuancen immer auf der Spur, herrlich lange Linien gestaltend. Das kommt der zarten Faktur dieser wirklich überlegen gestalteten Sätze entgegen. Hess ist aber in den raschen Sätzen genauso zu entschiedener, agiler Klangentfaltung befähigt, manuell makellos, mit variabler Bogenführung und ebenso präziser wie differenzierter Tongebung. Gern hätte man im ansonsten ansprechenden Booklet mehr über das Instrument erfahren, das mit sehnigen Höhen und leichter Mittellage einen charaktervollen Eindruck hinterlässt. Hess’ Spiel ist bei aller Kunstfertigkeit nie artistischer Selbstzweck, sondern dem Affektgehalt der Musik verpflichtet. Darin unterstützt ihn das diskrete, klare Continuo-Spiel Axel Wolfs kongenial: Er setzt die Mittel von Laute und Theorbe sehr plastisch in Szene, greift gliedernd ein, strukturiert den musikalischen Gang der Dinge gleichsam im Hintergrund. Damit leistet er einen wichtigen Beitrag zur Belebung des kammermusikalischen Klangraums.

Der ist auch technisch sehr angemessen gestaltet, konzentriert, relativ direkt und doch gut im Raum verortet, in gelungener Balance, so dass gleichsam ein integratives Bild von schöner Gemeinsamkeit entsteht. Sebastian Hess und Axel Wolf verfolgen einen sehr harmonischen, wohlklangorientierten Ansatz – wobei der letzte Befund deutlich positiv zu sehen ist. Denn ob ein bewusst rauer Zugriff dieser zarten, gelegentlich eleganten Musik gerechter würde, ist doch sehr fraglich. Violoncello und Laute bilden eine Besetzung von besonderer Ausgewogenheit, entfalten sie ihren klanglichen Reiz doch gleichermaßen aus den eher gedeckten Tönen. Damit sind Hess und Wolf sehr nah bei der kompositorischen Ästhetik Giovanni Benedetto Plattis.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Hess, Sebastian & Wolf, Axel: Werke von Giovanni Benedetto Platti

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
OehmsClassics
1
19.08.2011
EAN:

4260034867949


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OehmsClassics

Ein erfülltes Leben ist ohne Musik kaum denkbar. Musik spiegelt unsere Wahrnehmung der Umwelt und die Realität heutiger wie vergangener Zeiten. Gute Musik ist immer neu, immer frisch, immer wieder entdeckenswert. Deshalb bin ich überzeugt: Es gibt nicht -die- eine, definitive, beste Interpretation der großen Werke der Musikgeschichte. Und genau das macht klassische Musik so spannend: Jede Musikergenerationen experimentiert, entdeckt neue Blickwinkel, setzt unterschiedliche Schwerpunkte - derselbe Notentext wird immer wieder von anderen Strömungen belebt.

Deshalb ist ein Musikstück, egal aus welchem Jahrhundert, auch immer Neue Musik. OehmsClassics hat es sich zur Aufgabe gemacht, am Entdecken der neuen Seiten der klassischen Musik mitzuwirken.

Unser Respekt vor den künstlerischen Leistungen der legendären Interpreten ist gewiss. Unser Ziel als junges CD-Label sehen wir jedoch darin, den interpretatorischen Stil der Gegenwart zu dokumentieren. Junge Künstler am Anfang einer internationalen Karriere und etablierte Künstler, die neue Blickwinkel in die Interpretationsgeschichte einbringen - sie unterstützen wir ganz besonders und geben ihnen ein Forum, um auf dem Tonträgermarkt präsent zu sein.

Sie, liebe Musikhörer, bekommen damit die Gelegenheit, heute die Musikaufführung zu Hause nachzuvollziehen, die Sie gestern erst im Konzertsaal oder Opernhaus gehört haben. Wir laden Sie ein, gemeinsam mit uns die neuen Seiten der klassischen Musik zu erleben!


Ihr
Dieter Oehms


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