> > > Hughes, Arwel: Orchesterwerke "Anatiomaros"
Montag, 22. Oktober 2018

Hughes, Arwel - Orchesterwerke "Anatiomaros"

Familienbande


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Owain Arwel Hughes dirigiert Werke seines Vaters: Das Ergebnis kann sich hören lassen.

Der Waliser Arwel Hughes (1909–1988) ist kein Komponist, der regelmäßig im britischen Musikleben zu hören ist. Der Schüler unter anderen Ralph Vaughan Williams’ hatte eine gleich dreifache Karriere verfolgt: als Mitarbeiter der BBC Wales, deren Musikchef er 1965-71 war, als Dirigent und als Komponist. Gerne werden bei solchen Mehrfachkarrieren die kompositorischen Leistungen eher gering geschätzt. Dabei hatte spätestens die 1990 erschienene Chandos-CD mit seinem Oratorium 'Dewi Sant' (Saint David) Hughes’ kompositorische Kompetenz erwiesen.

Dirigent der vor nunmehr schon wieder mehr als zwanzig Jahren erschienenen CD war Owain Arwel Hughes, der Sohn des Komponisten. Er hat eine beachtliche Karriere vor allem in Skandinavien gemacht und wurde für eine ganze Reihe an Einspielungen für das Label BIS verpflichtet. Anlässlich des 100. Geburtstags seines Vaters entstand die nun vorliegende CD mit einer beachtlichen Anzahl an Orchesterwerken, allesamt CD-Erstveröffentlichungen. Das 'Prelude' aus dem Jahre 1945 (mit der Widmung ‚der walisischen Jugend‘) und die dreisätzige Suite von 1947 sind beides Werke, die Hughes als begabten Melodiker und gut ausgebildeten Instrumentator ausweisen. Dass seine Harmonik jener seiner englischen Zeitgenossen (Rubbra, Frankel, Walton, Arnold, Tippett, Britten, selbst seinen walisischen Kollegen Grace Williams, Daniel Jones, William Mathias und Alun Hoddinott) unähnlich und oft ausgesprochen diatonisch, dazu mit einem gelegentlichen Touch zum Jazzigen ist, rückt seine Musik immer wieder ein wenig in die Nähe der so genannten Light Music, der gehobenen Unterhaltungsmusik; es überrascht, dass er wohl Musik für Hörspiel und Fernsehen, nicht aber fürs Kino geschrieben hat, die gerade etwa für naturnahe Sujets durchaus geeignet gewesen wäre. Am anspruchsvollsten zeigt sich Hughes, wenn er schamlos polyphon komponiert, auch seine rhythmische Frische kommt hier zu bester Geltung.

Noch ambitionierter als die beiden genannten Werke ist 'Anatiomaros' (1943), eine Komposition, die keineswegs den vom Sujet her ähnlichen Tondichtungen Arnold Bax’ oder John Irelands ('Legend', 'The Forgotten Rite') vergleichbar ist, sondern abermals Hughes’ ganz eigenen Stil zeigt. Die Legende 'Owain Glyndowr' (1977) greift das Sujet von Grace Williams Erster Sinfonie (1943) auf und befasst sich mit einem walisischen Nationalheros; die Tondichtung ist möglicherweise der Höhepunkt der CD, treffen hier doch stilistische Kohärenz, zeitgemäße, die Grenzen der Tonalität voll ausreizende Klangsprache (mit äußerst effektvollen Bläserharmonien) und klare dramatische Aussage zusammen.

Auf demselben Niveau anzusiedeln sind die Vorspiele zu den Opern 'Serch yw’r Doctor' (1960) und 'Menna' (1954). Immer wieder besticht Hughes durch ‚Tunefulness‘ und rhythmischen Impuls. Vielleicht durch den beschränkten Platz überfrachtet Hughes die beiden Stücke weniger als andere mit unterschiedlichen Stilelementen, so dass diese stärkere Konzentration aufweisen. Die Ouvertüre zur musikalischen Komödie 'Serch yw’r Doctor' enthält (möglicherweise absichtliche) stilistische Andeutungen an Malcolm Arnold und Francis Poulenc, aber (durch ein zentrales Motiv) auch an Peter Cornelius’ 'Barbier von Bagdad'.

Das Royal Philharmonic Orchestra hat in den vergangenen dreißig Jahren immer wieder einmal ausgesprochene Schwächen gezeigt, bedingt durch zu wenige Proben, unsichere Finanzierung, lange Zeit keinen eigenen Konzertsaal (heute hat es ein permanentes Heim in der Londoner Cadogan Hall gefunden), schwache Dirigenten? Dabei gehört es, wenn die Musiker gut aufgelegt sind, zu den fünfzehn besten britischen Orchestern. In der vorliegenden Produktion ist das Orchester – sowohl die Bläser als auch die Streicher – bestens disponiert, insbesondere sind sämtliche Bläsersoli erfreulich frisch und charmant musiziert. Die Streicher zeigen sorgfältigste Präzision in 'Anatiomaros'. Owain Arwel Hughes kennt den Stil seines Vaters bestens, und so überrascht es nicht, dass das Gesamtergebnis (auch mit den ausführlichen Bookletnotizen Geraint Lewis’) ein rundum erfreuliches ist. Die BIS-Aufnahmetechnik fängt nicht nur die Musik, sondern auch die angenehme Akustik der Cadogan Hall bestens ein.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Hughes, Arwel: Orchesterwerke "Anatiomaros"

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
BIS Records
1
22.06.2011
EAN:

7318590016749


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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