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Donnerstag, 22. Februar 2018

Rautavaara, Einojuhani - Kaivos - The Mine

Außergewöhnliches Opernerlebnis


Label/Verlag: Ondine
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Bereits 1960 komponiert, erlangt Rautavaaras Oper 'Kaivos' erst heute einen Teil der ihr zustehenden Würdigung.

Außergewöhnlich an der Oper 'Kaivos' (Die Mine) aus der Feder des finnischen Komponisten Rautavaara ist bereits ihre Aufführungsgeschichte: 1960 als Wettbewerbsbeitrag vollendet, gewann sie einen Kompositionspreis der finnischen ‚Jenny and Antti Wihuri Foundation‘ – zumindest theoretisch: Aus politischen Gründen wurde der Preis einer anderen Oper zugeschrieben, während Rautavaara von der Kommission lediglich ein Diplom erhielt und seine Oper unaufgeführt blieb. Obwohl der Komponist seine Oper infolgedessen bearbeitete und zu entschärfen suchte, wurde 'Kaivos' erst 1963, sehr zum Unmut des Komponisten, als finnische TV-Produktion veröffentlicht, um für die nächsten 47 Jahre von der Bildfläche zu verschwinden.

Der Grund für die politische Brisanz der Oper liegt in ihrem Libretto. Angelehnt an eine Begebenheit im Ungarn der fünfziger Jahre, handelt sie von einem Aufstand von Minenarbeitern gegen ein diktatorisches Regime. Da Finnlands Verhältnis zu Russland zum Kompositionszeitpunkt kritisch war, legte die finnische Nationaloper großen Wert darauf, die Nachbarnation nicht mit einem sich auf den Kommunismus beziehenden Werk zu provozieren. Erst 2010 wurde 'Kaivos' erstmals – in konzertanter Form – live aufgeführt.

Vielseitiges Libretto und einmaliger Kompositionsstil

Die finnischsprachige Oper, die hier erstmals in einer Aufnahme von Ondine Records, einem Label, das sich bezüglich der Veröffentlichung von Rautavaaras Werk sehr verdient gemacht hat, vorliegt, ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Seien es die Inhalte des vom Komponisten selbst verfassten Librettos, die sich neben der politischen Aspekte auf die Philosophie Jean-Paul Sartres beziehen lassen, sei es die großartig beklemmende Atmosphäre, die von den Minenschächten, in denen die Oper zu großen Teilen spielt, bestimmt wird, sei es die kompositorische Leistung Rautavaaras, auf vollkommen ungewohnte und einmalige Art die Zwölftonmusik Arnold Schönbergs mit dem romantisch-finnischen Klangideal Sibelius‘ zu fusionieren. Auch durch die weiteren Klangeffekte, derer Rautavaara sich hier bedient – ob Sprechchöre, Jazzeinlagen oder eng verflochtene Klangteppiche, mit denen der Hörer für einen Augenblick Ligetis Kompositionen der sechziger Jahre assoziieren könnte – gelingt es dem Komponisten, ein überraschendes und vielseitiges Werk zu schaffen, das auch ohne Bühneninszenierung eine große Wirkung hinterlässt. Der Fokus der Handlung liegt auf den Anführern des Aufstands, wobei es Rautavaara ein besonders wichtiges Anliegen ist, zu verdeutlichen, wie Menschen sich durch ihre Entscheidungen definieren – ein seines Erachtens nach universelles Thema, welches im Libretto stets erkenntlich bleibt. Eine Übersetzung des Textes ist jedoch leider nur in Englisch enthalten.

Zwischen Romantik und Moderne

Sehr erfreulich ist auch die musikalische Seite dieser Opern-Einspielung. Besonders ausgewogen und genau wirkt der Klang des Tampere Philharmonic Orchestra unter der Leitung Hannu Lintus, während dem Sängerensemble eine komplexe Gratwanderung zwischen romantischem Affekt und moderner Distanziertheit, beinahe Kühle, gelingt. Besonders hervorzuheben sind der Bariton Jorma Hynninen, der den Gegenspieler der Aufständischen verkörpert. Mit vollem Stimmklang und beinahe überzogenem Duktus schenkt er seinem autoritären Charakter Glaubwürdigkeit; und Johanna Rusanen-Kartano, die mit ihrem mal runden, mal beinahe hysterisch anmutendem Sopran, mal mit großer Zurückhaltung der zwiespältigen Figur der Frau des Revolutionsführers eine Stimme zu geben vermag. Mit Hannu Niemelä, Jaakko Kortekangas und Mati Turi sind auch die weiteren Hauptrollen hervorragend besetzt.

Positiv hervorzuheben ist die Klangqualität der Aufnahme, die zunächst durch besondere Klarheit besticht, besonders aber durch ein dynamisches Spektrum, das für eine CD-Aufnahme sehr genau abgestimmt wirkt. Trotz aller dieser Vorzüge der CD-Aufnahme wäre es durchaus wünschenswert, dass sich weitere, auch internationale Ensembles an dieses besondere Werk in einer zugegebenermaßen für mitteleuropäische Zungen etwas schwergängigen Sprache heranwagen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Lisa Otto Kritik von Lisa Otto,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Rautavaara, Einojuhani: Kaivos - The Mine

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Ondine
1
14.02.2011
EAN:

761195117422


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Ondine

The roots of Ondine date back to 1985 when founder Reijo Kiilunen released the very first Ondine album under the auspices of the renowned Finnish Kuhmo Chamber Music Festival. The label's initial mission was to produce one live album at the Festival each season. The fourth album, however, featured Einojuhani Rautavaara's opera Thomas (ODE 704-2), raising major international attention and opening the ground for overseas distribution. Kiilunen, who was running the Festival's concert agency and had begun the recording activity part-time, soon decided to devote himself fully to the development of this new business, producing and editing the first 50 releases himself. Since 2009 the company has been a part of the Naxos Group.

Today Ondine's extensive catalogue includes nearly 600 recordings of artists and ensembles such as conductor and pianist Christoph Eschenbach, conductors Vladimir Ashkenazy, Vasily Petrenko, Mikhail Pletnev, Esa-Pekka Salonen, Hannu Lintu, Jukka-Pekka Saraste, Sakari Oramo, Leif Segerstam and John Storgårds, orchestras such as The Philadelphia Orchestra, Orchestre de Paris, London Sinfonietta, Bavarian Radio Symphony Orchestra, BBC Symphony Orchestra, Los Angeles Philharmonic, Russian National Orchestra, Czech Philharmonic, Finnish Radio Symphony Orchestra, Helsinki Philharmonic and Tampere Philharmonic, sopranos Soile Isokoski and Karita Mattila, baritone Dmitri Hvorostovsky and Gerald Finley, violinist Christian Tetzlaff, violist David Aaron Carpenter, cellist Truls Mørk and pianist Olli Mustonen.

The label has also had a long and fruitful association with Finnish composers Einojuhani Rautavaara, Magnus Lindberg and Kaija Saariaho, having recorded the premieres of many of their works and garnering many awards along the way.


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